Freiburg 24.08.2018

Denkmaltage sind zurück in Freiburg

Während der Denkmaltage können Besucher mehr über die alten Cardinal-Hallen erfahren.
Vor 25 Jahren in Freiburg ins Leben gerufen, sind die Europäischen Denkmaltage in der Schweiz heute erneut in der Saanestadt lanciert worden. Eine Chance, das Freiburger Kulturerbe schweizweit bekannter zu machen.

Die Denkmaltage sollen Türen öffnen zu Kulturerbe, das Normalbürger sonst nur schwer zu sehen bekommen. Das nahmen die Organisatoren der Auftaktveranstaltung in der Freiburger Blue Factory wörtlich: Sie fand nämlich zuoberst im ehemaligen Malz-Silo der Cardinal-Brauerei statt – in der früheren Kantine der Cardinal-Mitarbeiter. Der Lift ist kaputt, die Besucher mussten über eine enge Treppe zehn Etagen hinaufsteigen. Doch nur schon die Aussicht macht das wett: Eine völlig neue Perspektive auf die Stadt eröffnet sich.

«Ohne Grenzen»

«Freiburg passt gut zum Thema der diesjährigen Denkmaltage, ‹Ohne Grenzen›», sagte Staatsrat Jean-François Steiert (SP), der auch Präsident der Nationalen Informationsstelle zum Kulturerbe (Nike) ist, an der Veranstaltung. «Man kann Grenzen als Linie sehen, oder als Raum zum Austausch – und genau das ist Freiburg.» Hier finde ein Austausch zwischen Sprachen, aber auch verschiedenen Kulturen statt.

Das sei einer der Gründe, weshalb Freiburg als Ort für die Lancierung der Denkmaltage in der Schweiz gewählt worden sei. Ein anderer: Vor 25 Jahren startete die Veranstaltung im Freiburger Rathaus. Sie kehrt heuer gewissermassen zu den Wurzeln zurück.

Nach dem Auftakt im Malz-Silo schwärmt sie aber hinaus ins ganze Land, ja sogar in den ganzen Kontinent. In ganz Europa öffnen von Ende August bis Oktober nämlich Zehntausende zum Teil unbekannte Denkmäler ihre Türen, und es finden Spezialführungen statt.

Die Schweiz hat die Denkmaltage heuer zum Jubiläum von einem auf vier Wochenenden im September ausgedehnt. An jedem Wochenende steht eine Region im Fokus. «Damit wollen wir erreichen, dass die Leute nicht nur Kulturerbe in ihrer Umgebung entdecken, sondern auch andere Regionen kennenlernen können», sagte Steiert. Zum Beispiel Freiburg.

Freiburg zeigen

Die Auftaktveranstaltung sei natürlich auch eine Chance, dem Rest der Schweiz zu zeigen, dass Freiburg existiert. «Die Vorstellung, die Nicht-Freiburger von der Region haben, ist oft ziemlich weit weg von der Realität», sagte Steiert. So habe er etwa erlebt, dass etliche Deutschschweizer nicht wüssten, dass es in Freiburg eine deutschsprachige Minderheit gibt.

«Viele denken bei Freiburg nur an Käse und Katholisch-Konservative», sagte er schmunzelnd. Wenn sie dann die Altstadt sähen, seien sie total überrascht. «Sie kennen das historische Gut nicht.» Das sollen die Denkmaltage ändern. In Freiburg sind acht Anlässe geplant (siehe Box). Im Vergleich zu anderen Kantonen ist das wenig. Das liege an den Ressourcen, erklärte Steiert. Die Freiburger Kantonsverwaltung sei im Vergleich relativ klein und könne nicht mehr Anlässe vorbereiten.

Der Fokus in Freiburg liegt bei neuerem Kulturerbe wie der ehemaligen Cardinal-Brauerei. Hier verwischen auch die Grenzen zwischen Alt und Neu: In den brachliegenden Hallen sind Start-ups eingezogen und arbeiten an der Welt von morgen. Steiert formulierte es so: «Die alten Gebäude sind die Falten, die diesem Ort seinen Charakter geben.»

Programm

Von Industriegeschichte zu Armee-Architektur

Am 1. und 2. September sind im Kanton Freiburg acht Kulturerbe-Stätten im Rahmen der Denkmaltage zugänglich. Zusätzlich öffnet das Weingut Domaine des Faverges seine Türen: Es liegt im Weingebiet Lavaux in der Waadt, gehört aber dem Kanton Freiburg. In der Stadt Freiburg können Interessierte die alte Cardinal-Brauerei besuchen, inklusive des alten Malz-Silos, oder den Werkhof in der Unterstadt. Mitarbeiter des Amts für Kulturgüter sind jeweils vor Ort und geben Interessierten Auskunft. In Bulle öffnen mehrere Gebäude der Belle Époque an der Rue Victor-Tissot ihre Türen für Besucher. In Grolley tut das das Logistik-Zentrum der Armee, ein exemplarischer Betonbau, der von 1968 bis 1971 gebaut wurde. Aus der gleichen Epoche stammt das alte landwirtschaftliche Forschungszentrum des Unternehmens Geigy in Saint-Aubin. Nach Romont lockt das Vitrocentre, das dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Es präsentiert Glaskunst aus allen Epochen. Im Römermuseum Vallon gibt es eine Ausstellung über Zahlen und Buchstaben. Kantonsweit werden Schülerprojekte zum Thema Kulturerbe gezeigt.

nas