Granges-Paccot 07.02.2019

In die eigene Zukunft schauen

Roboter steuern: Eine von vielen Animationen an der Berufsmesse im Forum Freiburg.
Netzelektrikerin, Schreiner oder Koch: Die Berufsmesse «Start» stellt derzeit im Forum Freiburg alle möglichen Berufe und Ausbildungen vor. Die FN haben junge Freiburgerinnen und Freiburger gefragt, wie ihnen die Messe bei der Berufswahl hilft.

Fabia klettert geschickt den Telefonmast hoch. Sie rammt die an ihren Schuhen befestigten Eisen ins Holz und steigt Meter für Meter nach oben. Ganz oben angekommen, nimmt die zwölfjährige Düdingerin eine Papiertasche vom Haken und wirft sie dem Netzelektriker-Lehrling Jérémie zu. Dabei wird sie von dessen Arbeitskollegen Lukas am Seil gesichert. Fabia ist eine von mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern aus dem ganzen Kanton, die dieser Tage die Berufsmesse «Start» im Forum Freiburg in Granges-Paccot besuchen. Gestern Mittwoch fand die offizielle Eröffnung der Messe statt (siehe Kasten).

Als Fabia den Mast wieder heruntergeklettert ist, meint sie: «Das Klettern hat mir gut gefallen, ich könnte mir den Beruf schon vorstellen.» Über eine Kollegin würden sich Lukas und Jérémie freuen, die ihre Lehre bei Groupe E absolvieren. «Es gibt nicht so viele Lehrlinge in unserem Beruf», sagt Lukas, während er das Seil hält, das bereits den nächsten Kletterer sichert. Bei den Besucherinnen und Besuchern der Messe ist ihr Stand auf jeden Fall beliebt. Gruppen von Jugendlichen stehen darum herum und filmen sich gegenseitig mit dem Handy beim Klettern. Ihre anfeuernden Rufe gehen unter zwischen den rhythmischen Schlägen, die vom nahen Stand der Hufschmiede her­überschallen. Alessio aus ­Ueberstorf ist ebenfalls den Mast hinaufgeklettert, und es hat ihm gefallen. «Aber ich glaube, ich möchte lieber Schreiner werden», fügt der Zwölfjährige an.

Die Arbeit mit Holz scheint viele Jugendliche anzusprechen, auch Maëlia aus Kerzers. Die Dreizehnjährige lässt sich am Stand der Pflegeberufe gerade Blut nehmen. Aber in die Pflege möchte sie eher nicht: «Mir gefallen technische Berufe, vielleicht mache ich eine Schreinerlehre.» Der 14-jährige Kevin aus Jaun ist am Schreiner-Stand bereits dabei, ein Holzstäbchen zu schleifen, unter Anleitung des Lehrlings Jason. Kevin sagt, er arbeite gern mit Holz, aber auch der Beruf Landmaschinenmechaniker interessiere ihn.

Action zieht

Am meisten Jugendliche ziehen jene Stände an, die ihnen Action bieten: Bei den Pflegeberufen schieben sich Buben und Mädchen lachend in Rollstühlen umher, bei den Landwirtschaftsberufen warten die Jugendlichen darauf, bis sie an der Reihe sind und im Videospiel das virtuelle Traktorsteuer übernehmen dürfen. Bei anderen Ständen dürfen die Jugendlichen sich in richtige Lastwagen und Ambulanzen setzen. Nicht viel los ist hingegen beim Stand von Nestlé: Zwar gibts dort Kaffee aus Kapseln, aber der scheint bei den Jugendlichen weniger beliebt zu sein als Videospiele und Roboter.

Einen solchen steuert der 13-jährige Raffaele aus Flamatt bei den Elektronikern. Eigentlich möchte er ins Gymnasium, aber: «Mit diesen Robotern würde ich am liebsten so lange spielen, bis die Batterie leer ist.» Andere Jugendliche haben bereits konkrete Vorstellungen für ihre Zukunft, so wie die 13-jährige Melissa aus Kerzers. «Ich möchte eine Lehre im Gesundheitsbereich machen, weil ich gerne mit Menschen arbeiten will.» Ob sie Kinderbetreuerin, Pflegefachfrau oder sogar Ärztin werden will, weiss sie noch nicht so recht. Sie hat sich am Stand der Pflegeberufe aber bereits über die Dauer der verschiedenen Ausbildungen und den Lohn informiert.

Luca kocht besser

Bei den Köchen haben die 14-jährigen Wünnewiler Kevin und Luca Schwäne aus Apfelscheiben kreiert. Kevins Schwan schwimmt in reichlich Vanillesauce, Luca hat mit Himbeer- und Vanillesauche Muster darum herum gemacht. «Er kann viel besser kochen als ich, ich will lieber Mechatroniker werden», sagt Kevin. Sein Kamerad nickt. «Ich koche schon gerne.» Er könne sich vorstellen, eine Kochlehre zu machen.

«Es gibt an der Messe eine megagrosse Auswahl, ich habe viele Berufe kennengelernt, die ich vorher nicht gekannt habe», sagt die 13-jährige Sophia aus Wünnewil. Ihre Schmittner Kollegin Zoé stimmt ihr zu und fügt an: «Hauswirtschaft zum Beispiel habe ich nicht gekannt.»

Muriel und Alina, beide ebenfalls 13-jährig und aus Schmitten, finden es toll, dass sie an der Messe so vieles selber ausprobieren können. Muriel möchte Lehrerin oder Coiffeuse werden; Alina eigentlich Kindergärtnerin. «Doch jetzt nach dem Besuch der Messe finde ich Fachfrau Gesundheit auch sehr interessant.»

Eröffnung

«Wir alle sind lebenslang Lernende»

«Die Berufsmesse ‹Start› zeigt die Diversität und Stärke der Freiburger Wirtschaft», sagte Staatsrat Olivier Curty (CVP) gestern Vormittag an der offiziellen Eröffnung der Messe. Sie sei eine Art Schatzkammer, in der Lernende verschiedener Sparten ihre Leidenschaft weitergäben. Das sei nicht nur eine gute Entscheidungshilfe für die Orientierungschülerinnen und -schüler, die sich bald für einen Ausbildungsweg entschieden. Die Messe richte sich auch an Erwachsene, die eine Weiterbildung oder Umschulung machen wollten. «Mit der Digitalisierung und dem technischen Fortschritt werden bis 2030 rund eine Million Arbeitsplätze in der Schweiz verloren gehen – und gleichzeitig genau so viele neu geschaffen werden», sagte Volkswirtschaftsdirektor Curty. Weiterbildungen und Umschulungen erlaubten es den Menschen, sich an das veränderte Umfeld anzupassen. «Einen Beruf auf Lebenszeit gibt es heute nicht mehr. Wir alle sind lebenslang Lernende.» Er lobte dabei die Modularität und Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems: Wer eine Berufslehre mache, könne durch die Passerelle später auch an einer Universität studieren.

Angesichts der Herausforderungen gelte es, das Berufsbildungssystem weiter zu stärken, forderte Reto Julmy, Präsident des Verbands Forum der Berufe und Direktor des Freiburger Arbeitgeberverbands. «Zahl­reiche Nationen beneiden uns um unser Berufsbildungs­system, und das zu Recht.» Julmy erwähnte die diversen Medaillen, die Schweizer Lehrlinge in den letzten Jahren an Berufsmeisterschaften gewonnen haben. Für die nächsten Weltmeisterschaften in Russland steht mit der Malerin Daniela Ziller auch eine Deutschfreiburgerin in den Startlöchern. Sie hat an den Schweizermeisterschaften 2018 Gold gewonnen.

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«Ich habe an der Messe viele Berufe kennengelernt, die ich vorher nicht gekannt habe.»

Sophia

Schülerin aus Wünnewil

Zahlen und Fakten

230 Berufe und mehr als 90 Aussteller

Die Berufsmesse «Start» wird dieses Jahr zum siebten Mal durchgeführt. Mehr als 90  Berufsverbände, Hochschulen und Schulen stellen im Forum Freiburg noch bis zum 10. Februar rund 230 Berufe vor. Die Organi­satoren erwarten rund 25 000 Besucherinnen und Besucher, darunter 7300 Schüler aus den Orientierungsschulen des Kantons. Ihnen steht ein halber Tag zum Besuch der Messe zur Verfügung. Gestern Mittwoch waren rund 1600 Schülerinnen und Schüler der deutschsprachigen Freiburger Orientierungs­schulen an der Messe. Den Besuchern werden rund 100 Animationen und Vorträge geboten.

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Öffnungszeiten: Do., 7. Februar, 8 bis 17 Uhr, Fr., 8. Februar, 8 bis 21 Uhr, Sa., 9., und So., 10. Februar, 9 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.start-fr.ch