Marly 07.12.2018

Die Gemeinde Marly tut, was zu tun ist

Der Generalrat von Marly zeigte sich am Mittwochabend investitionswillig. Er sprach unter anderem 1,2  Millionen Franken für die Planung des dritten Schulzentrums und 4 Millionen Franken für ein effizienteres Abwassersystem. Derweil stellt sich erneut die Frage einer Steuererhöhung.

Fast 42 Millionen Franken: So viel braucht Marly im kommenden Jahr, um seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen und die Kosten der Gemeinde bestreiten zu können. Doch die Einnahmen werden dafür nicht reichen. Es fehlen 1,3 Millionen Franken. Nichtsdestotrotz segnete der Generalrat am Mittwochabend das Budget 2019 ohne grosse Einwände ab. Von den 17 Investitionsprojekten, die er genehmigen musste, wurde nur die Sanierung der Route de Chésalles für 400 000 Franken abgelehnt – mit der Begründung, dass zuerst die Volksabstimmung über die in der Nähe geplante Umfahrungsstrasse Marly–Matran abgewartet werden solle, bevor in ein dann allenfalls obsoletes Projekt investiert werde.

Einstimmig Ja sagte das Parlament dagegen zu 1,2 Millionen Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs und die Erstellung eines Vorprojekts zum Bau eines dritten Schulzentrums. Die FDP zog ihren Antrag zurück, es sei vorerst nur der Wettbewerb durchzuführen und abzuwarten, ob sich die Bevölkerung tatsächlich so stark entwickle wie prophezeit. Dagegen hielt Gemeinderat Jean-Marc Boéchat: «Mit den Projekten Parc des Falaises und MIC wird die Bevölkerung auf jeden Fall wachsen, und das muss rechtzeitig antizipiert werden.» Der Gemeinderat geht in seiner Finanzplanung bis 2023 von 1600 zusätzlichen Einwohnern aus.

Der Generalrat bewilligte weiter 4 Millionen Franken für die Errichtung eines Trennsystems für Regenwasser und Abwasser im Osten der Gemeinde. Kapazitätsengpässe führen bei starken Niederschlägen immer wieder zu überschwemmten Kellern. Geld sprach das Parlament zudem für Reparaturarbeiten an Schul- und Gemeindegebäuden, den Umzug der Krippe und die ausserschulische Betreuung in die Räumlichkeiten Pré Zurthanen, die Neugestaltung des Kinderspielplatzes an der Route des Ecoles, die Erneuerung der Tartanbahn beim Sportplatz La Gérine, einen Strassenbelag auf der Route des Ecoles, den Ersatz eines Gemeindefahrzeugs, Anpassungsarbeiten beim Zamachu-Brunnen, verschiedene neue Wasserleitungen sowie die Errichtung eines weiteren Wassertrennsystems, diesmal bei der Kanalisation zwischen den Kreuzungen Centre und Grangette. Gutgeheissen hat er weiter einen Studienkredit für eine neue Abfalldeponie, Mittel für die Sanierung der Friedhofsmauer und die Realisierung von Urnengräbern. Zusammen mit den bereits genehmigten Projekten beträgt das Investitionsbudget 2019 somit 15,8 Millionen Franken.

«Heute Abend werden Sie von mir kein Lächeln erwarten können», kommentierte Marlys Finanzvorsteher, Jean-­Pierre Oertig, die Finanzlage der Gemeinde. Denn es ist das siebte Budget mit einem Defizit in Folge. «Dank einer vertieften Analyse unseres Finanzdienstes haben wir das Budget um 300 000 Franken aufbessern können. Dennoch übersteigen die Ausgaben die Einnahmen um 3,83 Prozent.» Bei 5 Prozent wäre eine Steuererhöhung nötig geworden.

Kein Lichtstreifen am Horizont

Ins Gewicht fallen derzeit vor allem die Abschreibungen, welche zum Beispiel für die Schule Grand-Pré fällig werden. Aber auch längerfristig gebe es kaum einen Lichtstreifen am Horizont. Zwar sei Sparpotenzial bei der Gemeindeverwaltung nicht auszuschliessen. Diese wird gerade von einer Beratungsfirma unter die Lupe genommen. Dennoch stiegen die Ausgaben bis 2023 stärker als die Einnahmen. Um all die anstehenden und notwendigen Investitionen stemmen zu können, komme man um eine Steuererhöhung wohl nicht herum. Anstatt bei 80 Prozent wie heute müsste der Steuersatz zwischen 84 und 86 Prozent liegen. «Diese Analyse des Gemeinderats deckt sich mit jener der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO.» Diese kam im Rahmen der Fusionsverhandlungen von Grossfreiburg zum Schluss, dass der Steuerfuss von Marly ab 2020 bei 84 bis 85 Prozent liegen müsste.