Freiburg 11.10.2018

Die Landwehr ist bereit für Indien

Benedikt Hayoz hat erst dieses Jahr die Leitung der Landwehr übernommen. (Bild Laurette Heim, zvg)
Am Samstag beginnt für die Landwehr ein grosses Abenteuer: Das Blasorchester macht eine dreizehntägige Konzertreise nach Indien. Es spielt dort unter anderem ein Werk seines neuen Dirigenten Benedikt Hayoz.

Als der Komponist und Dirigent Benedikt Hayoz vor eineinhalb Jahren von der Landwehr den Auftrag erhielt, ein Werk für eine Konzert­reise in Indien zu schreiben, ahnte er nicht, dass er das Orchester bei der Uraufführung dieses Werkes dereinst selber dirigieren würde. Nun wird er am 14. Oktober im Siri Fort Auditorium in Neu-Delhi vor den 78 Musikerinnen und Musikern stehen, welche die Reise mitmachen. Denn in der Zwischenzeit hat der 34-jährige Tafersner die Leitung der Landwehr übernommen: Anfang Jahr trat er die Nachfolge von Isabelle Ruf Weber an; seit diesem Sommer ist er nach einer Übergangszeit vollständig im Amt (die FN berichteten).

Er habe sich gut eingelebt, sagt Hayoz gegenüber den FN, auch wenn es eine strenge Zeit gewesen sei: «Die Landwehr ist ein grosser Verein mit vielen Aktivitäten. Das bringt eine grosse Verantwortung mit sich – erst recht jetzt, mit dem komplexen Indien-Abenteuer.»

Blasmusik und Tanz

Das Indien-Abenteuer des offiziellen Blasorchesters von Kanton und Stadt Freiburg dauert vom 13. bis zum 25. Oktober. Neben den Musikerinnen und Musikern reisen rund vierzig weitere Personen mit, darunter Vereinsmitglieder und Gäste aus Politik und Gesellschaft (siehe Artikel rechts). Für den reibungslosen Ablauf ist ein eigens eingesetztes Organisationskomitee verantwortlich. Allein der Transport der Instrumente sei eine Herausforderung, sagt Benedikt Hayoz. Dabei sei weniger der Flug nach Indien das Problem, sondern der Transport innerhalb des Landes, von Konzertort zu Konzertort. «Wir mussten ein lokales Transportunternehmen finden, das in der Lage ist, dies zu bewerkstelligen.»

Auch der Komponist und Dirigent Hayoz hatte einige Hürden zu meistern. Er sei selber noch nie in Indien gewesen und habe nichts über die indische Musik gewusst, sagt er. Seine Komposition vereint die indische und die europäische Klangwelt. Es ist ein gemeinsames Werk mit der Freiburger Kathak-Tänzerin Priscilla Brülhart. Diese trägt mit Händen, Füssen und Stimme rhythmische Muster zur Musik bei. Sie habe ihm geholfen, einen Zugang zur indischen Musik zu finden, erzählt Hayoz. Zudem habe er viel indische Musik gehört, um ein Gefühl dafür zu bekommen. «Es gibt kaum einen gemeinsamen Nenner; die Musik ist sehr vielfältig. Die traditionelle indische Musik ist oft einstimmig und improvisiert, und der Rhythmus der Sprache ist viel wichtiger als bei uns.»

Nebst der Eigenkomposition von Benedikt Hayoz bringt die Landwehr in Indien ein Programm zur Aufführung, das je zu einem Drittel aus Schweizer Musik, aus Weltmusik und aus indischer oder indisch inspirierter Musik besteht. «Wir wollen unsere Reise nach Indien musikalisch nachzeichnen», erklärt Hayoz. So spielt das Orchester etwa Werke aus Armenien und aus Israel, aber auch ganz Traditionelles aus der Heimat: «‹Le Ranz des ­Vaches› darf nicht fehlen», so Hayoz, «und wir nehmen sogar Alp­hörner mit.»

Nervosität und Freude

Die Musik der Landwehr dürfte für das indische Publikum einigermassen ungewohnt sein, sagt Benedikt Hayoz. «In Indien gibt es kaum Blas­orchester und nur wenige sinfonische Orchester.» Es sei darum eine besondere Herausforderung, die grossen Konzertsäle, in denen die Landwehr auftreten wird, zu füllen: Der grösste, das Siri Fort Auditorium in Neu-Delhi, bietet nicht weniger als 1800 Plätze.

Die Landwehr hat in den vergangenen sieben Wochen intensiv für ihr Indien-Programm geprobt, zweimal pro Woche. Das Orchester sei bereit, meint Dirigent Hayoz, auch wenn die Nervosität steige. Das gelte auch für ihn selbst: «Ich bin aufgeregt, aber vor allem freue ich mich auf das Abenteuer. Es ist ein grosses Glück, dass ich die Landwehr ausgerechnet jetzt übernehmen durfte.» Angst vor unerwarteten Zwischenfällen habe er nicht: «Irgendetwas geht bei solchen Sachen immer schief. Aber die Landwehr hat schon viele Auslanderfahrungen gesammelt und findet für jedes Problem eine Lösung.»

«‹Le Ranz des Vaches›

darf nicht

fehlen, und wir nehmen sogar ­Alphörner mit.»

Benedikt Hayoz

Dirigent der Landwehr

Zahlen und Fakten

Eine 70-jährige Freundschaft

Die Landwehr macht regelmässig Konzertreisen ins Ausland, meist auf Einladung, alle paar Jahre aber auch auf eigene Initiative. Die Indien-Reise ist ein eigenes Projekt, das die Landwehr komplett selber organisiert. Das Orchester wird vom 13. bis zum 25. Oktober in Indien weilen und in dieser Zeit fünf Konzerte in Neu-Delhi, Jaipur und Mumbai geben. Das Konzert im Siri Fort Auditorium in Neu-Delhi findet im Rahmen der Feiern zum 70-Jahr-Jubiläum des Freundschaftsvertrages zwischen Indien und der Schweiz statt. Partner ist auch das Festival of Hope, das sich für Krebspatienten einsetzt.

cs