Freiburg 30.11.2019

Die Stadt ist bereit für Schnee und Eis

Eisregen kann die ganze Stadt lahmlegen. Um dem vorzubeugen, will die Stadt künftig präventiv Salzlake ausbringen.
Diesen Winter kommt in der Stadt Freiburg erstmals Salzlake im Kampf gegen Glatteis und Eisregen zum Einsatz. Zudem will die Stadt künftig darauf achten, die Velowege besser vom Schnee zu befreien.

Schnee und Eis können bisweilen das ganze Stadtleben lahmlegen. So etwa letzten Winter, als an einem Ja­nuar­abend gefrierender Regen Strassen und Trottoirs in ganz Freiburg binnen kurzer Zeit in Eisbahnen verwandelte. Autos und Busse steckten fest, und auch Fussgänger kamen nur noch im Schneckentempo vorwärts. «In dieser Situation konnten wir kaum mehr agieren, denn unsere Fahrzeuge, die die Strassen salzen sollten, steckten ebenfalls im Verkehr fest», sagte der zuständige Dienstchef Fabien Noël gestern an einer Medienkonferenz zum Winterdienst.

Diesen Winter haben die städtischen Dienste aber ein neues Instrumente in der Hand im Kampf gegen Glätte: Salz­lake oder Sole. Das ist eine ­Wasserlösung mit 21 Prozent Salzanteil. Die Stadt will diese präventiv ausbringen, wenn Glatteis droht. Die Salzlake ­verhindert die Frostbildung nachhaltiger als Streusalz. «Sie dringt in die Poren des Asphalts ein, und wenn Autos darüberfahren, wird sie nicht zur Seite geschoben wir herkömmliches Salz», erklärt François Dunand, Sektorchef des Strasseninspektorats.

Solesilo und Sonden

Die Stadt hat rund 150 000 Franken investiert für den Einsatz der Salzlake. Dazu gehört ein Solesilo in der Neiglen, wo die Stadt die Salzlake selbst anmischt. In dem Silo gibt es Platz für 21 000 Liter. Ein Lastwagen und zwei kleinere Fahrzeuge hat die Stadt entsprechend ausgerüstet, um die Salzlake auszubringen; weitere sollen folgen. Das Gemisch befindet sich in gelben Behältern, die neben den Salzbehältern angebracht sind. So kann auch Salz und Salzlake direkt im Fahrzeug gemischt und ausgebracht werden. Überdies hat die Stadt im Schönberg- und im Beauregardquartier je eine Sonde installiert, die die Temperatur der Strassen misst. So kann vorhergesagt werden, wo Glatteis entstehen könnte. Auf die noch trockenen Strassen wird dann die Salzlake ausgebracht, um zu verhindern, dass Glatteis entsteht.

François Dunand vom Strasseninspektorat erklärt: «Sind die Strassen noch trocken, aber es wird Glatteis erwartet, bringen wir die Salzlake aus. Bei nassen Strassen kommt Salz zum Einsatz. Und wenn es sehr kalt ist, hilft eine Mischung aus Salz und Salzlake am besten.»

Der Grund für den Umstieg auf Salzlake liegt in einer Anfrage im Freiburger Generalrat, aber auch in Überlegungen der Stadt zur nachhaltigen Entwicklung. «Wir haben uns überlegt, welche Alternativen es zum Salz gibt», sagte Gemeinderätin Andrea Burgener. Die Salzlake habe am meisten überzeugt, Holzschnitzel oder Kies hätten den Nachteil, dass sie in der Kanalisation landeten, ergänzte Dunand. In einigen Jahren soll mit der Salzlake bis zu einem Drittel der Salzmenge eingespart werden.

Nicht überall gleichzeitig

Bei der Schneeräumung will die Stadt künftig darauf achten, die Velowege besser freizuhalten. «Das Problem ist, dass die Schneeräumfahrzeuge auf den Strassen und Trottoirs den Schnee auf dem Velostreifen deponieren», sagte Dunand. In Zukunft sollen jedoch auch grössere Schneehaufen nach den Räumarbeiten nicht mehr liegen bleiben.

Dienstchef Fabien Noël erinnerte daran, dass für die Schneeräumung bei Bedarf mehr als 80  Personen auf Pikett und wenn nötig schon ab drei Uhr morgens im Einsatz sind (siehe auch Kasten). «Wenn es aber sehr viel aufs Mal schneit, können wir nicht überall gleichzeitig sein.» Priorität hätten jene Strassen, auf denen die Busse führen, gefolgt von anderen häufig frequentierten Achsen. Erst danach seien die Quartierstrassen dran.

Noël appellierte auch an die Eigenverantwortung. «Wir hatten zuletzt häufiger Unfälle von Fussgängern, die bei Winterwetter mit Turnschuhen unterwegs waren.» Bei Winterwetter gelte es sich anzupassen – und je nach Strassenzustand das Auto auch einmal stehen zu lassen.

Zahlen und Fakten

Sieben Lastwagen und 87 Personen

Um den Schnee in Freiburg zu räumen, kommen sieben Lastwagen und neun kleinere Pony-Fahrzeuge zum Einsatz. 87 Personen können bei Bedarf für die Räumung aufgeboten werden, die teils auch von Hand Salz ausbringen. An einem Tag mit sehr viel Schneefall bringt die Stadt bis zu 32 Tonnen Salz aus. Ein Lastwagen und zwei Pony-Fahrzeuge sind nun umgerüstet worden, um auch Salzlake ausbringen zu können. Rund 2000 Liter passen in das grosse Fahrzeug und rund 350  Liter in die kleinen.

nas