Freiburg 06.02.2020

Ein neues Gebäude für die Ortspolizei

Der Freiburger Gemeinderat will das Feuerwehrgebäude im Torry-Quartier für 17 Millionen Franken um sechs Etagen aufstocken. Darin sollen ab Sommer 2022 die Ortspolizei, das städtische Mobilitätsamt und der Informatikdienst untergebracht sein.

Die Freiburger Ortspolizei ist derzeit in der Reichengasse 37 im Burg-Quartier stationiert. Doch die Räumlichkeiten wurden in einer internen Evaluation schon 2010 als schlecht geeignet eingestuft. So gibt es etwa keinen behindertengerechten Zugang, der Platz ist zu knapp, und der Eingangsbereich ist schlecht gesichert.

Geht alles nach dem Sinn des Freiburger Gemeinderats könnte die Ortspolizei aber schon 2022 in ein brandneues Gebäude umziehen. Denn der Gemeinderat plant, das Feuerwehrgebäude an der Morgenrotstrasse (Route de l’Aurore) im Freiburger Torry-Quartier aufzustocken. Ein neues Gebäude mit sechs Etagen soll dort zu stehen kommen, wie aus der Botschaft für die nächste Generalratssitzung hervorgeht. Neben den Polizisten sollen auch das städtische Mobilitätsamt sowie der Informatikdienst dort einziehen. Zwei Etagen sollen vermietet werden. «Das ist eine wunderbare Gelegenheit, die Ortspolizei und das Mobilitätsamt, die zur gleichen Direktion gehören, unter ein Dach zu bringen», sagte Gemeinderat Pierre-Olivier Nobs, gestern vor den Medien. Er steht den beiden Diensten vor.

Generalrat wird abstimmen

Eine wichtige Hürde muss das Projekt aber noch nehmen: Das Freiburger Stadtparlament muss dem Baukredit in der Höhe von 16,8 Millionen Franken an seiner Sitzung vom 17. Fe­bruar noch zustimmen. Bereits genehmigt hat es zwei Studienkredite von insgesamt 1,2 Millionen Franken.

Das Projekt geht auf die Sanierung der Feuerwehrhalle im Torry-Quartier zurück, die 2017 abgeschlossen wurde (siehe Kasten). Bereits bei der Planung der Sanierung der bestehenden Halle sowie dem Bau einer Nebenhalle wurde darüber nachgedacht, diese in einem späteren Schritt aufzustocken. «Wir haben das damals nicht gleichzeitig gemacht, weil der Ausbau der Feuerwehrhalle dringend war, und wir sie nicht mit einem zusätzlichen Projekt verzögern wollten», sagte Stadtpräsident Thierry Steiert gestern.

Konstruktion aus Holz

Der Gemeinderat hat sich nach dem Ausschreibeverfahren für ein Projekt von «2B-Architekten» und dem Thuner Ingenieur Pirmin Jung entschieden. Die Gebäudestruktur wird hauptsächlich aus Holz bestehen, was das Gewicht verringert. «So ist es möglich geworden, statt der ursprünglich geplanten vier nun sechs Stockwerke zu bauen», führte die für das Bauwesen zuständige Gemeinderätin Andrea Burgener Woeffray gestern aus. Um die Stabilität zu gewährleisten, müssen die Fundamente aber zusätzlich verstärkt werden.

Das Holz für den Bau soll hauptsächlich aus Wäldern der Burgergemeinde Freiburgs gewonnen werden, sagte Bur­gener Woeffray. Rund 1100 Kubikmeter Holz sind nötig, wie aus der Botschaft hervorgeht. Der ganze Bau wird inklusive Feuerwehrhalle 28 Meter hoch. Geheizt wird der Neubau mit Fernwärme, und er wird dem Minergie-Standard P entsprechen. Das Dach soll begrünt und eine Fotovoltaik-Anlage installiert werden. «Die Anlage wird wohl mehr Energie produzieren, als wir im Gebäude nutzen. Wir sind am Abklären, ob wir damit das Schwimmbad Levant schräg gegenüber be­liefern können», sagte Andrea Burgener Woeffray.

Ein Manko hat der Plan: Besucherparkplätze sind derzeit keine vorgesehen, weil es dafür schlicht keinen Platz gibt. «In der Umgebung gibt es aber viele öffentliche Parkplätze, die tagsüber wenig besetzt sind», sagte Pierre-Olivier Nobs. Ausserdem tendiere die technische Entwicklung dazu, dass die Stadt in Zukunft viele Dienste online anbieten werde und Besuche bei den Behörden immer weniger nötig würden.

«Das Maximum herausgeholt»

«Wir haben mit der Aufstockung um sechs Etagen das Maximum herausgeholt», sagte Stadt-Syndic Thierry Steiert gestern. Braucht die Stadtverwaltung in Zukunft, etwa wegen einer Fusion, mehr Platz, so könnte sie die zwei Etagen nutzen, die momentan zur Vermietung vorgesehen sind.

Was mit dem stadteigenen, denkmalgeschützten Gebäude an der Reichengasse 37 in Zukunft passiert, ist noch offen. Andrea Burgener Woeffray sagte dazu: «Für eine Jugendherberge eignet sich das Haus nicht, auch Büros und Wohnungen sind schwierig um­zusetzen.»

Chronologie

Feuerwehrkaserne ist seit 1981 im Torry-Quartier

Die Feuerwehrkaserne an der Morgenrotstrasse (Route de l’Aurore) im Freiburger Torry-Quartier wurde 1981 eingeweiht. Rund dreissig Jahre später war klar: Der Platz reicht nicht mehr aus. 2015 genehmigte der Freiburger Generalrat einen Studienkredit von 150 000 Franken für den Ausbau. Die bestehende Feuerwehrhalle sollte saniert sowie eine Nebenhalle gebaut werden. Den Kredit dafür von 1,025 Millionen Franken genehmigte der Generalrat im Sommer 2016; die neue Halle wurde im November 2017 eingeweiht. Im Dezember 2016 stimmte der Generalrat einem ersten Studienkredit für die Aufstockung der Nebenhalle zu. Zunächst war von vier Stockwerken die Rede, nun will der Gemeinderat sechs Stockwerke auf die Nebenhalle setzen. Stimmt der Generalrat dem Kredit für den Bau zu, sollen die Arbeiten im Sommer 2020 beginnen. Zwei Jahre später soll das Gebäude fertig sein.