Freiburg 14.02.2020

Ein Oratorium mit einer Prise Jazz

«Mary Magdalene and the Garden Dweller» heisst das Oratorium, das morgen im Equilibre in Freiburg uraufgeführt wird. Die Musik stammt vom amerikanischen Musiker Chris Brubeck, das Libretto vom Theologieprofessor Michael S. Sherwin.

Dieses Jahr im Dezember wäre der US-amerikanische Jazzmusiker und Komponist Dave Brubeck hundert Jahre alt geworden. Das ist aber nicht der einzige Grund für die Konzert-Hommage, die morgen in Freiburg stattfindet. Vielmehr ist das Projekt das Ergebnis einer Vielzahl von Begegnungen und Kollaborationen. Da ist zum einen Michael S. Sherwin, Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg. Er befasst sich schon lange mit dem wenig bekannten geistlichen Werk Brubecks und war 2004 an der Organisation eines Konzerts mit Brubeck beteiligt, der damals den Ehrendoktortitel der Universität Freiburg erhielt. Da sind zum anderen das Internationale Festival Geistlicher Musik und die Musikhochschule Lausanne (HEMU), Standort Freiburg, die alle zwei Jahre ein gemeinsames Konzertprojekt realisieren. Und da ist schliesslich Chris Brubeck, Sohn von Dave Brubeck und selber Musiker und Komponist.

Michael S. Sherwin war es, der die Idee zu dem Oratorium «Mary Magdalene and the Garden Dweller» («Maria von Magdala und der Gartenbewohner») hatte und der das Libretto dazu schrieb, basierend auf Texten aus dem Johannesevangelium und dem Hohelied. Er kontaktierte Chris Brubeck und bat ihn, die Musik dazu zu schreiben. Entstanden ist ein Werk, welches das Equilibre im Programm als «musikalisches Ufo» beschreibt, eine Mischung zwischen Klassik, Jazz und Blues, wie nur Chris Brubeck sie schreiben kann. «Es ist ein Hybrid, als würde das Count Basie Orchestra ein geistliches Werk spielen», sagt Brubeck selbst. Dem 68-Jährigen liegt das, denn musikalische Grenzen kümmern ihn nicht. Er spielte in Rockbands ebenso wie in Jazz-Formationen, viele Jahre zusammen mit seinem Vater und seinen Brüdern.

Achtzig Musiker auf der Bühne

«Mary Magdalene and the Garden Dweller» wird morgen im Equilibre uraufgeführt. Rund achtzig Musikerinnen und Musiker stehen auf der Bühne: Orchester und Chor der HEMU, dazu die Gesangssolisten Valentina Merlo und Baptiste Bonfante und natürlich das Jazzquartett Brubecks Play Brubeck mit Chris Brubeck (Bass, Posaune), seinen Brüdern Darius Brubeck (Klavier) und Dan Brubeck (Perkussion) sowie Dave O’Higgins (Saxofon). Im zweiten Teil des Konzertabends wird das Quartett eine Auswahl von Stücken von Dave Brubeck spielen.

Die Entstehung des Oratoriums haben das Festival Geistlicher Musik und die HEMU gemeinsam ermöglicht. Das Festival hat das Auftragswerk und das Konzert finanziert, die HEMU ist für Orchester und Chor verantwortlich. Diese Zusammenarbeit funktioniere seit 2005, sagte François Page, Vizepräsident des Festivals. «Wir nutzen unsere Synergien, um die musikalische Kreation zu fördern.» Chris Brubeck hat seine Komposition seinen Eltern Dave und Iola Brubeck gewidmet. Der Vater starb 2012, die Mutter 2014. Die beiden seien einander während siebzig Jahren «in der Ehe und in der Musik» zur Seite gestanden. Er habe das Werk im Frühling 2019 in einer Woche geschrieben und am Ostersonntag vollendet, erzählt er. Dass Michael S. Sherwin ihm das Vertrauen geschenkt habe, bedeute ihm viel. «Es war eine Herausforderung und ich freue mich sehr über das Ergebnis.»

Equilibre, Freiburg. Sa., 15. Februar, 20 Uhr.