Freiburg 11.07.2019

Fünf Jahre Haft für den Anlageberater

Der Waadtländer, der eine Pensionskasse in den Ruin getrieben hat, kommt bald vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm ungetreue Geschäftsbesorgung, Veruntreuung und Geldwäsche vor.

70 Millionen Franken: So viel hat ein Anlageberater zwischen 2008 und 2013 mit riskanten Investitionen in den Sand gesetzt. Das Geld gehörte der Freiburger Pensionskasse ACSMS – die zurzeit liquidiert wird –, Privaten und einem Unternehmen nach panamaischem Recht.

Die stellvertretende Freiburger Generalstaatsanwältin Alessia Chocomeli-Lisibach schickt den Waadtländer nun vor das Freiburger Wirtschaftsgericht – wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung, Veruntreuung und Geldwäsche, wie die Staatsanwaltschaft gestern mitteilte. Nicht aber wegen Betrugs: «Das würde eine arglistige Täuschung voraussetzen, die hier nicht vorliegt», erklärt Chocomeli den FN. «Es reicht nicht, wenn jemand lügt.» Vielmehr brauche es für einen Betrug ein ganzes Lügengebäude. «Das war nicht der Fall.» Beispielsweise habe eine andere Stiftung das Angebot des Anlageberaters abgelehnt, weil sie erkannt hatte, dass eine garantierte Rendite von sechs bis acht Prozent bei gleichzeitig garantiertem Kapital alles andere als realistisch sei.

Der Mann ist geständig. Darum konnte er sich mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren einigen. Der Deal – den das Gericht noch akzeptieren muss – sieht eine unbedingte Haftstrafe von fünf Jahren vor. Rund zwanzig Monate hat er zwischen August 2015 und Mai 2017 bereits in Untersuchungshaft abgesessen. Zurzeit ist der Mann auf freiem Fuss; er hat eine Kaution von 50 000 Franken hinterlegt, hat seine Identitätsausweise abgegeben und muss sich jede Woche bei der Polizei melden.

Wohin ging das Geld?

Rund 43 Millionen Franken hat der Anlageberater in Immobilienprojekte in England, Australien, Brasilien und der Tschechischen Republik investiert. «Diese hochriskanten Investitionen ohne genügende Garantien sind fast völlig verloren», heisst es in der Mitteilung. Die restlichen 27 Millionen Franken habe der Mann für private Darlehen und Trading eingesetzt; er habe damit auch vorherige Investoren ausbezahlt. Weitere zwölf Millionen Franken hat der Mann an seine eigenen Unternehmen und an den Verwalter seiner Hope Funds Ltd ausbezahlt, als Darlehen oder als Spesen und Verwaltungsgebühren.

Chocomeli konnte drei Liegenschaften, die berufliche Vorsorge und andere Vermögenswerte wie das Auto des Angeklagten beschlagnahmen. So kamen 1,8 Millionen Franken, 14 500  Euro und 1000 Dollar zusammen. Und 3,3 Millionen Euro konnte die Staatsanwaltschaft zurückholen, weil eine Immobilie in der Tschechischen Republik beschlagnahmt wurde. Weitere bleiben in Aus­tralien beschlagnahmt. «Dieses Geld kommt den Geschädigten zugute», sagt Chocomeli.