Freiburg 29.05.2015

Gutscheine brachten Banc Public im vergangenen Jahr an den Anschlag

Das Tageszentrum im Freiburger Schönbergquartier entspricht ganz offensichtlich einem grossen Bedürfnis. Bild Charles Ellena/a
Letzten Sommer wurde Banc Public von Asyl­bewerbern fast überrannt. Das Tageszentrum hat ­reagiert und sein Bon-­System überdacht.

Im letzten Juli stieg der Andrang bei Banc Public rasant an: Plötzlich kamen zahlreiche Asylbewerber in das Tageszentrum an der Joseph-Chaley-Strasse im Freiburger Schönbergquartier, das ein Mittagessen für fünf Franken anbietet. Die Asylbewerber zahlten aber nicht mit einem Fünfliber, sondern legten einen Gutschein vor. Die Asylbewerber erhalten in den Asylzentren zwölf Franken pro Tag und sind daher froh, wenn sie das Mittagessen mit einem Gut­schein abdecken können.
«Wir mussten reagieren», sagt Anne-Marie Schmid Kilic den FN. Das Tageszentrum will allen offen stehen, «doch wenn eine soziale Gruppe übervertreten ist, verhindert dies Menschen aus anderen Gruppen den Zugang». Bis-
her haben Freiburger Pfarreien und Klostergemeinschaften Menschen in Not Bons für ein Mittagessen im Banc Public abgegeben – letzten Sommer auch in grosser Zahl an Asylsuchende. Das Tageszentrum hat danach die  Mittagessen bei ihnen in Rechnung gestellt.
«Nach Diskussionen mit dem Sozialamt des Kantons Freiburg und ORS – dem Betreiber der Asylzentren – haben wir entschieden, die Gutscheine neu zu zehn statt wie bisher zu fünf Franken zu verrechnen», sagt Anne-Marie Schmid. Denn die fünf Franken für das Mittagessen seien ein symbolischer Beitrag; die zehn Franken hingegen entsprächen dem effektiven Preis. Schmid betont: Wer für sein Mittagessen selber aufkommt, bezahlt nach wie vor fünf Franken – oder kann eine Aufgabe im Banc Public übernehmen und erhält im Gegenzug eine warme Mahlzeit.

«Nun entscheiden wir»
Seit Banc Public den Pfarreien und Klostergemeinschaften zehn statt fünf Franken verrechnet, vergeben die meis-
ten keine Gutscheine mehr. «Trotzdem ist es immer noch möglich, unentgeltlich bei uns zu essen», sagt Patrick Renevey, stellvertretender Leiter des Tageszentrums. Könne jemand die Mahlzeit nicht bezahlen und sei auch nicht in der Lage, eine kleine Aufgabe im Banc Public zu über­nehmen, erhalte er trotzdem zu essen. «Nun entscheiden aber wir, wer gratis isst», sagt Renevey. «Mit dem Bon-System hatten wir diesen Entscheid quasi delegiert.» Nach wie vor kommen Asylbewerber zum Essen, aber nicht mehr in so grosser Zahl wie letzten Sommer.

Neue Teilzeitstelle
Im vergangenen Jahr ist die Besucherzahl im Vergleich zu 2013 um 15 Prozent gestiegen. Da die Nachfrage von Jahr zu Jahr steigt, hat der Verein, der gestern seine Hauptversammlung abhielt, auf die erneute Zunahme reagiert: Im Oktober stellte Banc Public einen Koch in einem Teilzeitpensum ein. Bisher waren die täglich zwei anwesenden Sozialarbeiter für die Küche und für die Mahlzeiten zuständig. «Der Koch entlastet uns sehr», sagt Renevey. So könnten sich die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter ganz auf die Leute konzentrieren. «Und der Koch sorgt für eine Optimierung in der Küche», fügt Schmid an: Banc Public erhält viele Lebensmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen. Der Koch muss also improvisieren können.

 

Zahlen und Fakten
Bis zu 90 Mahlzeiten pro Tag
Den Verantwortlichen von Banc Public ist es wichtig, weiterhin für alle zugänglich zu sein und allen Bedürftigen eine warme Mahlzeit anzubieten. Jeden Tag gehen im Schnitt 73 Personen im Zentrum ein und aus; 54 nehmen ein Mittagessen ein, 23 kommen zum Frühstücksbuffet, das gratis ist. Im Winter gibt es auch eine kostenlose Abendverpflegung, die im Schnitt von 13 Personen genutzt wird. Banc Public hat auch Duschen, eine Waschmaschine und eine Internetecke. Zudem können zwei Pflegefachfrauen Hilfe bieten. njb