Belfaux 13.02.2018

«Ich glaube an Talent und Arbeit»

«Die Einsamkeit des Ateliers»: In seinem grossen, hellen Atelier arbeitet Jean-Marc Schwaller täglich von acht bis zwölf Uhr.
Nach zehn Jahren als Kunstlehrer beschloss Jean-Marc Schwaller, nicht mehr zu unterrichten und nur noch als Maler zu arbeiten. Das ist 33 Jahre her, und der Künstler aus Belfaux hat seinen Schritt nie bereut: «Es war das Beste, was ich machen konnte», sagt er.

Jean-Marc Schwaller ist einer, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Seit 33 Jahren lebt er von seiner Arbeit als Kunstmaler – und er lebe gut davon, sagt er selbst. Im Gespräch bezeichnet er sich selber immer wieder als «enfant gâté», als vom Glück verwöhnten Menschen. Mit seiner Frau, mit der er seit 47 Jahren verheiratet ist, lebt er in einem grossen Haus am Rande von Belfaux, das sein Vater, ein Landwirt, vor 50 Jahren erworben hat. Der Ausblick auf den asiatisch inspirierten Garten ist atemberaubend. Die alten Holzböden, die grosszügigen Räume, die geschmackvolle Einrichtung und überall die Bilder des Hausherrn: Alles vermittelt eine wohnliche Atmosphäre. Oft kommen die drei erwachsenen Kinder und die zwei Enkelkinder zu Besuch. Idylle pur.

«Heute wäre eine Karriere wie meine wahrscheinlich nicht mehr möglich.»
 

Ja, er habe Glück im Leben, sagt Jean-Marc Schwaller. Aber Glück allein reiche nicht. «Ich glaube an Talent, und ich glaube an die Arbeit», so der 68-Jährige. Weil er seinem eigenen Talent vertraut habe, habe er vor 33 Jahren den wichtigsten Schritt seiner Karriere gewagt. «Ich hörte auf, Kunst zu unterrichten, um nur noch selber zu malen. Das war die einzige Möglichkeit, um wirklich Maler zu sein und um als solcher ernst genommen zu werden.» Leicht sei ihm das nicht gefallen. «Es war ein Risiko. Wir hatten schon zwei kleine Kinder, später kam ein drittes dazu.» Trotzdem habe er seinen Entscheid nie bereut: «Es war das Beste, was ich machen konnte.»

«Diszipliniert wie ein Mönch»

Der Erfolg gab Jean-Marc Schwaller schon bald recht: Auf erste Ausstellungen in Freiburg folgten solche in der ganzen Schweiz und im Ausland, in Galerien und Museen. Er verkaufte regelmässig Bilder, erhielt Aufträge und arbeitete in den Neunzigerjahren für das Bühnenbild der Freiburger Oper. In Belfaux eröffnete er mit seiner Frau die Galerie Post-Scriptum. Natürlich habe es auch schwierige Momente gegeben, aber Existenzängste habe er nie gehabt, sagt er. Und wieder spricht er vom Glück: «Ich hatte das Glück, dass mir Freiburger Maler wie Raymond Meuwly, Bruno Baeriswyl und Jean-Lou Tinguely den Weg geebnet hatten.» Darum sei es für ihn einfacher gewesen, in den Achtziger- und Neunzigerjahren Fuss zu fassen. Doch die Zeiten hätten sich geändert: «Heute wäre eine Karriere wie meine wahrscheinlich nicht mehr möglich.»

Und doch: Auch wenn ihm die Umstände hold gewesen seien, habe er immer hart für seinen Erfolg gearbeitet. «Ich bin diszipliniert wie ein Mönch», sagt er und lacht. Auch mit 68 Jahren arbeitet er jeden Vormittag exakt von acht bis zwölf Uhr im Atelier, das in seinem Wohnhaus untergebracht ist. Gross und hell ist es und bietet Raum für seine fertigen Werke, für sein Archiv und vor allem für seine tägliche Arbeit. Denn fürs Malen braucht Jean-Marc Schwaller Platz. Er mag grosse Formate und malt am liebsten auf dem Boden, wo er seinen ganzen Körper zum Einsatz bringen kann. «Man malt mit dem Körper», so der Künstler, der sich sowohl der Öl- als auch der Aquarellmalerei widmet. Erstere sei durchdachter, überlegter, Letztere leichter und freier.

«Ich hatte das Glück, dass mir Freiburger Maler wie Raymond Meuwly und Bruno Baeriswyl den Weg geebnet hatten.»
 
 

Im Atelier arbeitet Jean-Marc Schwaller stets allein. Er schätzt das, was er «die Einsamkeit des Ateliers» nennt. Er habe nie an Gemeinschafts­ateliers geglaubt und brauche auch keinen Austausch, um Ideen zu entwickeln. Inspiration finde er immer: Sei es in der Natur vor seiner Haustür, auf Reisen oder bei seinen grossen Vorbildern – wobei Rembrandt für ihn der Grösste aller Zeiten ist.

Dennoch ist Schwaller alles andere als ein einsamer, zurückgezogener Künstler. Das zeigt sich etwa in dem Malkurs an der Volkshochschule, den er seit über dreissig Jahren leitet. Etwa zwanzig Künstlerinnen und Künstler sind dabei, die meisten schon seit vielen Jahren. «Wir sind zusammen älter geworden und haben in all den Jahren auch viel Persönliches geteilt», sagt Jean-Marc Schwaller. Alle zwei Jahre organisiert Schwaller für die Gruppe eine Malreise; dieses Jahr geht es nach Venedig.

Und auch sonst gehen dem Künstler die Projekte nicht aus: Aktuell bereitet er eine grosse Ausstellung in Montreux vor, und 2019 will er seinen 70. Geburtstag mit einer Ausstellung in seinem Garten feiern. «Ich werde malen, solange ich kann», sagt er. Mit Glück, Talent und Arbeit.

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mz