03.12.2019

Italienischer Barock auf hohem Niveau

Die Cappella Gabetta zeigte in Villars-sur-Glâne, warum sie zu den Besten des Fachs gehört und wie reizvoll Barockmusik auch abseits der oft gehörten Werke klingt.

Im Jahr 2010 gründeten die Cellistin Sol Gabetta und ihr Bruder Andres die Cappella Gabetta. Am Sonntag eröffnete die Formation die diesjährigen Adventskonzerte in Villars-sur-Glâne und zeigte, dass sie auch ohne Sol Gabetta zu den herausragenden Barockensembles gehört. Ein kurzes Eröffnungsstück von Henry Purcell ging fast nahtlos in das «Nisi Dominus» von Antonio Vivaldi über. Über dem energiereichen Bass platzierten die Violinen mal kraftvoll, mal melancholisch ihre Motive. Filippo Mineccia glänzte über diesem Gerüst mit seinem weichen, aber intensiven Countertenor. Mit den einzelnen Sätzen zeigten Mineccia und die Cappella Gabetta einen ganzen Fächer an musikalischen Stimmungen, was das Werk besonders eindrücklich machte.

Mezzosopranistin Ana Victória Pitts ersetzte die erkrankte Teresa Iervolino. In der Arie «Agitata infido flatu» aus Vivaldis «Juditha Triumphans» ging sie akustisch streckenweise etwas unter, vor allem, wenn das Orchester in Vollbesetzung spielte. Mit der Kombination aus punktierten Achteln und der reichlich eingesetzten Chromatik bot Vivaldis Arie aber Klangfacetten, die man sonst in der Barockmusik nicht allzu häufig hört. Spätestens im zweiten Teil des Konzerts hatte Pitts ihren Platz im Ensemble gefunden.

Ein Höhepunkt des Konzerts war Vivaldis ­Motette «Nulla in mundo pax sincera». Das lag nicht zuletzt an Núria Rial. Ihr heller, natürlicher Sopran fügte sich perfekt in das Orchester ein, behielt aber gleichzeitig seine Eigenständigkeit. Mit ihrer Zartheit schuf Rial einige besonders berührende Momente.

Das breite Publikum kennt Antonio Vivaldi vor allem durch seine Instrumentalkonzerte. Das Konzert vom Sonntag zeigte einmal mehr, dass Vivaldis Musik weit mehr zu bieten hat. Die Cappella Gabetta brachte mit ihrem vielschichtigen Spiel die drei geistlichen Werke zum Leuchten. Spätestens hier bewies das Ensemble, dass es zu Recht einen hervorragenden Ruf geniesst.

Nach einer kurzen Pause stand eine Welturaufführung auf dem Programm. Die Weihnachtskantate «Amarilli vezzosa» von Antonio Caldara wurde vor nicht allzu langer Zeit wiederentdeckt. Caldara ist wenige Jahre älter als Antonio Vivaldi und erhielt seine musikalische Ausbildung ebenfalls in Venedig. Das ist in seiner Musik deutlich zu hören. Mit der wiederentdeckten Weihnachtskantate zeigte die Capella Gabetta, wie reizvoll Barockmusik auch abseits (allzu) oft gehörter Werke klingt.