Kritik 10.07.2018

Krönender Abschluss des Festivals Geistlicher Musik

Dirigent Masaaki Suzuki hat das Bach Collegium Japan 1990 gegründet, um Barockwerke in historischer ­Aufführungspraxis in Japan bekannt zu machen.
Das Bachkollegium Japan hat dem 17. Festival Geistlicher Musik Freiburg am Wochenende einen umjubelten Höhepunkt beschert.

Auch am diesjährigen Internationalen Festival Geistlicher Musik Freiburg wurden nur gerade zwei Konzerte von Schweizer Ensembles bestritten. Alle anderen Interpreten der Alten Musik kamen aus dem Ausland. Dieses Jahr gar aus Japan. Über die hohen Kosten von rund 200 000 Franken allein für dieses Ensemble – grösstenteils gesponsert von der Kantonalbank – mag man sich streiten. Doch es war musikalischer Höchstgenuss. Und wenn Japaner Bach interpretieren und das Bach Collegium Japan gar als eines der besten Ensembles der Welt gilt, dann ist die Neugierde gross, und das Publikum strömt herbei. Das war auch am Samstag und am Sonntag in der Kollegiumskirche St. Michael so: Die beiden Aufführungen waren lange voraus ausverkauft.

Vertraute Klangwelt

Die h-Moll-Messe ist eines von Bachs kirchenmusikalischen Hauptwerken. Bach hat sie gegen Ende seines Lebens vollendet – eine Art Testament. Das Bach Collegium Japan unter der Leitung von Masaaki Suzuki ist mit dem Werk bestens vertraut. Der 64-jährige Dirigent hat das Ensemble 1990 gegründet, um die Werke des Barock in historischer Aufführungspraxis in Japan bekannt zu machen. Suzuki, ausgebildeter Organist, Cembalist und Komponist, hat unter anderem in Amsterdam bei Ton Koopman, Koryphäe der historischen Aufführungspraxis, studiert. Als Motivation für seine intensive Beschäftigung mit Bach bezeichnet Suzuki seinen christlichen Glauben. «Die Messe ist mein bevorzugtes Werk. Alle Elemente seines Lebens und seiner Musik sind da drin», sagte er gegenüber «La Liberté».

Die Vertrautheit der Ausführenden mit der Klangwelt der musikalischen Sprache von Bach war vom ersten Moment an zu spüren. Das dynamische Barockorchester spielte auf historischen Instrumenten mit einer Perfektion, die verblüffte. Besonders brillant die drei Clarin-Trompeter oder auch der eindringlich mit den Tücken des ventillosen Instrumentes kämpfende Hornist. Beeindruckend auch die Flöten und Oboenpaare, die dank der Aufstellung auf der rechten Seite bei den Arien sehr gut zur Geltung kamen.

Hervorragender Chor

Der mit 21 Sängerinnen und Sängern bestückte Chor zeigte sich in blendender Verfassung. Homogenität des Klanges, dynamische Bandbreite, umwerfende Technik und eine gute Textdeklamation – auch bei schnellsten Tempi. Welch ein geheimnisvolles «Et incarnatus est». Welch strahlendes «Cum sancto spirito». Welch ein verinnerlichtes «Cruzifixus». Einzig das Orchester war im ersten Teil zu laut. In der Folge aber zeigten sich die Instrumentalisten makellos.

Disziplin und Begeisterung

Hervorragendes leistete auch das Solistenquintett mit der einnehmenden Conter-Tenor­stimme des Franzosen Damien Guillon, dem weichen und natürlichen Sopran der Tschechin Hana Blažíková, dem lyrischen Tenor Makoto Sakurada, der etwas theatralischen englischen Sopranistin Joanne Lunne und dem sonoren Bass Dominik Wörner. Den «richtigen» Interpretationsstil für die h-Moll-Messe hat sich das Bach Collegium einverleibt: schnelles Tempo, klare Artikulation, Aufwertung der Blasinstrumente. Dazu gesellten sich Disziplin und eine Begeisterungsfähigkeit der Interpreten, die sich auch auf das Publikum übertrug. Ein nicht enden wollender Applaus schloss das 17. Festival Geistlicher Musik freudig ab.

Bilanz

Über 5000 Personen besuchten das Festival

Am Sonntag ist das 17. Internationale Festival Geistlicher Musik zu Ende gegangen. «Mit mehr als 5000 Zuschauern war es ein voller Erfolg», schreiben die Organisatoren. Drei Konzerte waren vollständig ausverkauft: die des Estnischen Philharmonischen Kammerchors, von Les Passions de l’Ame mit Nuria Rial und des Bach Collegium Japan. Die Organisatoren zeigten sich auch sehr zufrieden mit dem Erfolg des Ateliers für gregorianischen Gesang, das erstmals im Kloster Altenryf durchgeführt wurde. Als aussergewöhnlich bezeichnet das Komitee auch die drei Uraufführungen: Die Komposition der Freiburgerin Caroline Charrière habe das Pub­likum in besonderem Mass berührt.

«Diese Ausgabe des Festivals war aussergewöhnlich», so der Künstlerische Leiter Luc Terrapon. «Die Leistungen aller programmierten Ensembles waren bemerkenswert, sowohl in technischer Hinsicht als auch in der Intensität und Tiefe ihrer Herangehensweise.» Auch die Konzerte der Reihe «Couleurs du Monde» hätten die Erwartungen erfüllt.

Das Festival, dessen Konzerte von RTS Es­pace 2 im In- und Ausland ausgestrahlt werden, ist weltweit bekannt. Es wird von RTS Espace 2 koproduziert und von der Loterie Romande, der Agglomeration Freiburg und dem Kanton Freiburg unterstützt. Die 18. Ausgabe wird im Juli 2020 stattfinden.

il