Freiburg 02.06.2017

Kulinarisches Multikulti in der Stadt

Mit Cowboyhut und Spareribs vermittelt dieser Food-Truck-Betreiber ein Gefühl von Wildem Westen.
Ungarisches Gebäck, peruanische Spezialitäten und Fischknusperli aus dem Bielersee: Das Food-Truck- Happening am Wochenende in der Stadt Freiburg verspricht spannende geschmackliche Erlebnisse.

«Beisammen sein, schlemmen unter freiem Himmel und die gemütliche Atmosphäre geniessen.» Das ist für Marc Hubacher das Ziel des Food-Truck-Happenings, das vom 2. bis 4. Juni auf dem Georges-Python-Platz in Freiburg stattfindet. Besonders lange ist es nicht her, dass der Organisator des Events selbst seinen ersten Streetfood-Anlass besucht hat. Vor rund zwei Jahren sei er bei seiner Tochter in Köln gewesen, erzählt Hubacher den FN. Statt mit ihm in einem guten Restaurant essen zu gehen, habe sie ihn an ein Food-Truck-Happening mitgenommen. «Ich war fasziniert – die Menschen, die Speisen, die Wagen.» Die Betreiber der Food-Trucks kämen aus allen möglichen Ländern. «Es sind sehr offene, individuelle und teils auch spezielle Leute.» Auch gefalle ihm, mit wie viel Sorgfalt und Liebe zum Detail sie ihre Spezialitäten zubereiteten. «Und schliesslich sind da noch die oft wunderschön umgebauten Trucks.»

Bereits in Köln knüpfte Marc Hubacher erste Kontakte. Letztes Jahr organisierte er sein erstes Happening in Thun, dieses Jahr findet der Anlass zudem in Freiburg und in Unterseen bei Interlaken statt. Beim ersten Mal habe es einiges an Arbeit bedeutet, all die Betreiber der mobilen Küchen zu kontaktieren und sie davon zu überzeugen, nach Thun zu kommen, erzählt Hubacher. Er war während mehrerer Jahre Tourismusdirektor von Thun und hat Erfahrung mit der Organisation grösserer Anlässe.

Viele kleine Portionen

Dieses Jahr hingegen sei es von selbst gelaufen, für die Anlässe gebe es sogar Wartelisten. Grundsätzlich dürfe sich anmelden, wer wolle, sagt Hubacher. Er selektioniere jedoch so, dass nicht mehrere Wagen dieselben Speisen anbieten. Dementsprechend breit ist das Angebot der 32 Food-Trucks, die heute Nachmittag in Freiburg auffahren werden.

Von Sushi bis Burger

Neben klassischen Gerichten wie Pizza und Burger sowie einheimischen Speisen wie Fischknusperli aus dem Bielersee warten auch exotische Leckerbissen wie taiwanesische Steamed Buns, peruanische Spezialitäten und ungarisches Gebäck auf die Gäste. Gemäss Reglement müssen die mobilen Küchen neben den grossen auch kleinere Portionen anbieten, sagt Hubacher. «Die Idee ist, dass die Besucher des Festivals möglichst viele verschiedene Speisen probieren und entdecken können– und nicht schon nach der ersten Portion genug haben.»

Georges-Python-Platz, Freiburg. Freitag, 2. Juni, 17 bis 23 Uhr. Samstag, 3. Juni, 12 bis 23 Uhr. Sonntag, 4. Juni, 11 bis 20 Uhr.

Mehr Informationen: www.food-truck-happening.ch

«Die Idee ist, dass die Besucher des Festivals möglichst viele verschiedene Speisen entdecken können.»

Marc Hubacher

Organisator Food-Truck-Festival

Geschichte

Ein Trend aus den USA

Die drei Food-Truck-Happenings, die Marc Hubacher dieses Jahr in Freiburg, Thun und Unterseen bei Interlaken organisiert, sind nicht die einzigen. Auch in vielen anderen Städten in der Schweiz gibt es Streetfood-Festivals. Dieser Trend kommt aus den USA. Vorläufer der heutigen Food-Trucks gab es dort schon früh: In den sogenannten «Chuckwagons» – Küchenwagen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders in den Prärien der USA beliebt waren – stellten Verkäufer Mahlzeiten für Bergleute und Cowboys bereit. Die Erfindung des Automobils beeinflusste auch die Entwicklung dieser Essenswagen. Um 1900 erlaubte die US-Armee auf ihren Militärbasen mobile Kantinen, die den heutigen Food-Trucks nicht unähnlich waren. Bei einem breiteren Publikum beliebt wurden solche Wagen in den 1950er-Jahren: Insbesondere Eisverkäufer nutzten sie, um ihre Ware auf der Strasse anzubieten. Ab 1960 etablierten sich grössere Food-Trucks, in denen die Betreiber Produkte wie Tacos und Burger zubereiteten. Diese platzierten sie insbesondere an Standorten mit vielen Arbeitern wie bei Baustellen und Fabriken. Aufgrund der geringen Hygienestandards galten die mobilen Küchen jedoch lange als dreckig und erhielten den Übernamen «roach coaches» (auf Deutsch: Kakerlaken-Wagen). Dank der Verbesserung der Hygiene sowie neuen, kreativen Speisen und Spezialitäten aus verschiedensten Kulturen verloren die Food-Trucks ab 2000 dieses negative Image. Auf Europa übergegriffen habe die Bewegung etwa vor drei Jahren, sagt Marc Hubacher, der Organisator des Food-Truck-Happenings. Insbesondere in Deutschland und in den Niederlanden gebe es einige Städte, in denen die mobilen Küchen sehr präsent seien. «Nürnberg etwa ist die Hauptstadt der Food-Trucks in Deutschland», so Hubacher. Und in der Schweiz? «Die Bewegung ist am Kommen – in einem rapiden Tempo.»

rb