Freiburg 11.01.2020

Lee Schornoz und der letzte Elefant

«Alles, was ich mache, hat mit Musik zu tun»: In der Vannerie in Freiburg gab Lee Schornoz 1986 sein erstes Konzert.
Alles, was er tue, habe mit Musik zu tun, sagt der Sensler Musiker, Komponist und Produzent Louis Lee Schornoz. Dennoch sind seit seinem ersten und bisher einzigen Soloalbum über zwanzig Jahre vergangen. Jetzt legt er mit «London Tapes» den Nachfolger vor.

Ein türkisfarbener Elefant ziert das Cover von «London Tapes», dem neuen Album des Sensler Musikers Louis Lee Schornoz. Das Bild zeigt einen Elefanten in Botswana. Einen gefährdeten Elefanten, einen einsamen Elefanten – den letzten Elefanten vielleicht? Die Musik zu den zwölf Songs ist zwischen London und Bern entstanden, die Texte stammen von afrikanischen Musikerinnen und Musikern. Teils auf Englisch, teils in verschiedenen afrikanischen Sprachen, handeln sie von so unterschiedlichen Themen wie Heimweh, Spiritualität, Alltag oder einem Flirt zwischen einem Mann und einer Frau. Dahinter aber verberge sich etwas ganz anderes, erklärt Lee Schornoz: «Es geht um unsere Umwelt, um den Zustand der Welt, der schlimmer ist denn je.» Dabei denkt der Musiker nicht primär an die Menschen, sondern an die Natur und an die Tiere – darum der einsame Elefant als Symbol. «Wir sind dabei, unseren Planeten mit Vollgas an die Wand zu fahren», sagt Schornoz, der in Giffers aufgewachsen ist und seit vielen Jahren in Bern lebt. Die Ohnmacht angesichts dieser Tatsache sei es, die er auf dem Album verarbeitet habe.

Von London nach Namibia

Seine Sensibilisierung für Umweltthemen sei lange vor der aktuellen Klimadebatte geschehen, betont der 50-Jährige. Beim Treffen mit den FN in der Freiburger Unterstadt erinnert er sich an sein erstes Konzert, das er 1986 in der Vannerie gegeben habe: «Schon damals war mir klar, dass wir etwas ändern müssen in unserem Umgang mit der Natur.» Viel passiert sei seither allerdings nicht: «Die Menschen machen einfach immer weiter, bis es nicht mehr geht.»

Lee Schornoz ist in den letzten fünf Jahren viel gereist. Vieles sei ihm dabei so richtig bewusst geworden, sagt er. Je vier Monate verbrachte er in Indien und in Australien, ein halbes Jahr in London und schliesslich 2018 sechs Wochen in Namibia und Botswana. Nachdem er 2014 zusammen mit Michel Gorski die CD «Seislerbubini» herausgegeben hatte (siehe Kasten), wollte er sich eine Auszeit nehmen. «Ich wollte diese Reisen schon lange machen; jetzt war es an der Zeit.» In Indien und Australien habe er kaum Musik gemacht, erzählt der Mann, der von sich sagt, dass alles, was er mache, mit Musik zu tun habe. Schornoz ist nicht nur Musiker und Komponist, sondern auch Produzent; er führt zwei Labels und gründete 2016 mit seinem Bruder ein eigenes Studio im Sensebezirk. In Indien und Australien aber habe er vor allem fotografiert und gefilmt, um festzuhalten, was er gesehen und erlebt habe.

In London, das dem Album auch seinen Namen gegeben hat, fing Schornoz dann wieder an zu komponieren. Mithilfe von Gitarre und Computer entstanden einfache Songskizzen, die er später in der Schweiz verfeinerte. Irgendwann habe er die Lieder einem Freund vorgespielt, der spontan gesagt habe, dass zu den Melodien schwarze Stimmen passen würden. «Der Zufall wollte es, dass meine damalige Freundin sich gerade in Namibia aufhielt und mit einem Musiker in einer Wohngemeinschaft lebte. Dieser kontaktierte andere Musikerinnen und Musiker, mit denen ich zusammenarbeiten konnte.» Schornoz reiste also nach Namibia und arbeitete in einem Studio mit lokalen Rappern und Sängerinnen. Diese schrieben Songtexte, sangen und rappten, improvisierten und steuerten eigene Ideen bei. «Es gibt viele gute Musiker in Namibia», sagt Schornoz.

«Ich verbiege mich nicht»

Zurück in der Schweiz, liess sich Schornoz ein Jahr Zeit, um die Songs im Studio zu arrangieren. «London Tapes» ist sein erstes Soloalbum seit «Special» vor 22 Jahren. Es sei ein persönliches Werk mit Klangwelten, die von der Weite erzählten und zum Nachdenken anregen wollten, sagt der Musiker. Er könne nicht viel dazu beitragen, die Welt oder die Menschen zu verändern. «Aber ich lebe selber so, wie ich es für richtig halte, und drücke das mit meiner Kunst und Kreativität aus.» Das werde auch in Zukunft so bleiben: «Ich verbiege mich nicht.» Ideen und Projekte gebe es zur Genüge. So arbeitet Schornoz seit seiner Zeit in London an einem Requiem, und er steht mit einem der afrikanischen Musiker in Kontakt, um die Zusammenarbeit fortzusetzen.

Infos: www.nicstage.ch

Konzert

Lee Schornoz und Michel Gorski im Bad Bonn

Lee Schornoz hat mit «London Tapes» nicht nur sein erstes Soloalbum seit über zwanzig Jahren veröffentlicht, sondern tritt demnächst auch zum ersten Mal seit über fünf Jahren wieder im Bad Bonn in Düdingen auf: Am 24. Januar lässt er dort zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Michel Gorski das Projekt «Seislerbubini» wieder aufleben. Die gleichnamige CD mit schrägen Songs auf Senslerdeutsch haben die beiden Jugendfreunde 2014 veröffentlicht. Jetzt sind sie damit zurück. Neu lassen sich Sänger Gorski und Gitarrist Schornoz dabei vom Berner Bassisten Mago Flück unterstützen und setzen zudem einen Drum-Computer ein. Der Kunstmaler Michel Gorski ist in Oberschrot aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in Polen.

Konzert im Bad Bonn in Düdingen am Freitag, 24. Januar, um 21.30 Uhr als Support der österreichischen Kultband Voodoo Jürgens.

Schornoz, Gorski und Flück spielen ausserdem am Donnerstag, 23. Januar, im Café Kairo in Bern (21 Uhr).