Villars-sur-Glâne 13.01.2021

Links-rechts-Graben prägt Legislatur

Der Generalrat von Villars-sur-Glâne bei der Budgetdebatte 2017.
Bild Charles Ellena/a
Während der Gemeinderat von Villars-sur-Glâne links dominiert ist, ist der Generalrat in ein linkes und ein rechtes Lager gespalten. Gerade bei finanzpolitischen Geschäften führt das schon auch mal zum Eklat.
Zu Beginn der Legislatur 2016 orakelte die Syndique von Villars-sur-Glâne, Erika Schnyder (SP): «Es wird schwierig werden.» Sie musste nicht lange warten, um einen ersten Beweis dafür zu erhalten. Im Dezember desselben Jahres wies der Generalrat das Budget 2017 zurück. Der Entscheid fiel damals denkbar knapp mit Stichentscheid von Präsidentin Martine Vorlet (FDP). Die 25 bürgerlichen Parlamentarier setzten sich damit gegen die 25 Linken durch. FDP-Fraktionschef François Grangier wertet diesen Coup rückblickend als einen der grossen Erfolge, die seine Partei zusammen mit CVP und SVP verbuchen konnte. «Wir verstehen uns sehr gut mit den Mitte-rechts-Parteien», sagt er. Zwar war die Rückweisung des Budgets nicht unmittelbar zielführend, denn die Ratslinke erhöhte im zweiten Anlauf die Immobiliensteuer dennoch. Erst über den Umweg eines Referendums konnten die bürgerlichen Parteien dies endgültig verhindern – zusammen mit 73 Prozent der Bevölkerung. 
 
SVP hat keine Lust mehr
Bei anderen finanzpolitischen Geschäften sollten sich die Bürgerlichen an den Linken aber noch die Zähne ausbeissen, so etwa bei der Verlängerung der direkten Wohnbeihilfe für einkommensschwache Personen. Die Fraktionspräsidentin der Grünliberalen, Irene Bernhard, bedauert dies: «Mir ist dieses Denken in rechts/links zwar ausgesprochen zuwider, aber wir wurden tatsächlich immer wieder von den Linken überstimmt.» Im konkreten Fall mussten die Bürgerlichen die Niederlage allerdings auf die eigene Kappe nehmen, wie Bernhard einräumt. «Die SVP-Abgeordneten fehlten an der Sitzung, und eine Vertreterin der CVP war krankheitshalber nicht da.» Überhaupt schienen die vier SVP-Vertreter in den vergangenen fünf Jahren immer wieder durch Abwesenheit zu glänzen. Die Partei mochte denn auf Bitte der FN auch keine Legislaturbilanz ziehen. «Wir werden zu den Wahlen im März sowieso nicht mehr antreten», sagte der SVP-Präsident von Villars-sur-Glâne, Michel Bavarel. «Das ist alles viel zu links.» 
 
Linke zufrieden
Während die Bürgerlichen grundsätzlich finden, dass die Linke mit viel zu grosser Kelle anrühre, sehen diese das selbstredend anders. Frédéric Clément, SP-Präsident von Villars-sur-Glâne, spricht von einer «exzellenten Verwaltung der Gemeindefinanzen». So seien wo immer möglich Kosten eingespart worden, ohne dass die Dienstleistungen für die Bevölkerung gekürzt worden wären. Es habe gar eine Reserve von 3,9  Millionen Franken geschaffen werden können, um die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform abzufedern. Bruno Marmier, Gemeinderat der Grünen, bedauert diesbezüglich, dass die Gemeinde ihre Interessen beim Kanton nicht habe verteidigen können. Villars-sur-Glâne beklagt aber nicht erst seit der Steuerreform Ausfälle bei den Unternehmenssteuern. Wie Pierre-Yves Moret, Fraktionschef von Mitte links – CSP und Grünen, festhält, sind der Gemeinde innerhalb von fünf Jahren elf Millionen Franken an Unternehmenssteuern abhanden gekommen. «Obwohl die Forderung ein Tabu ist, sind wir der Ansicht, dass eine Steuererhöhung für natürliche Personen unabwendbar ist.»
 
Weitere Geschäfte

Schulen, Schwimmbad und Arbeitszone Bertigny West

 Neben finanzpolitischen Fragen beschäftigten Villars-sur-Glâne in der sich dem Ende zuneigenden Legislatur noch andere Geschäfte. So freut sich unter anderen die CVP-Parteipräsidentin von Villars-sur-Glâne, Caroline Dénervaud, über die Renovation der Primarschule von Cormanon und den Neubau der Primarschule Platy sowie die Erweiterung des Pflegeheims Les  Martinets. Syndique Erika Schnyder (SP) führt zudem den Kauf eines neuen Gemeindegebäudes und die Realisierung der Trans-Agglo auf Gemeindegebiet als positive Errungenschaften an. 
 
Negativ bewerten mehrere Parteien das Scheitern des Baus eines olympischen Schwimmbeckens. Erika Schnyder bedauert zudem, dass die Arbeitszone Bertigny West «wegen fehlenden Willens des Kantons» nicht weiterentwickelt werden konnte. «Wir mussten gar dafür kämpfen, dass das Land nicht in eine Wohnzone umgewandelt wird.» Sorgen bereitet Schnyder trotz Negativzinsen auch die weitere Verschuldung der Gemeinde für Investitionen durch Bankdarlehen: «Wir müssen wachsam sein, damit die Mühen von zehn Jahren nicht einfach zunichte gemacht werden.»