Kritik 23.10.2018

Morden ist gar nicht so einfach

Mit der Komödie «Mörderkarussell» bietet das Talman Ensemble aus Ueberstorf im Kellerpoche in Freiburg einen kurzweiligen Theaterabend – und eine kleine Lektion in Sachen Glück.

Drei Menschen, die sich gegenseitig auf alle erdenklichen Arten umbringen wollen und die einem doch immer sympathischer werden: Sie stehen im Mittelpunkt der Komödie «Mörderkarussell», die das Talman Ensemble aus Ueberstorf derzeit im Keller­poche in Freiburg zur Aufführung bringt. Die Mordmethoden – allesamt zum Scheitern verurteilt, so viel sei verraten – reichen von Ertränken über Erschiessen bis zu Erhängen. Dass die Protagonisten trotzdem nicht wie skrupellose Killer wirken, sondern eher wie drei vom Leben überforderte Menschen auf der Suche nach dem Glück, ist zum einen der Vorlage des amerikanischen Autorenduos Sam Bobrick und Ron Clark geschuldet, zum anderen der Schauspielkunst von Niklaus Talman, Luc Spori und Katharina Bohny. Das eingespielte Trio macht die drei durchgeknallten Figuren zu ausgefeilten Persönlichkeiten, die dem Stück aus dem Jahr 1979 trotz der skurrilen Handlung Tiefe geben.

Die Geschichte von «Mörderkarussell» ist schnell erzählt: Arlene ist verheiratet mit dem einfachen Autohändler Paul und hat eine Affäre mit dem Zahnarzt und Frauenhelden Mitchell. Weil Paul sich weigert, in eine Scheidung einzuwilligen, beschliessen Arlene und Mitchell, ihn in einer Hotel-Badewanne zu ertränken. Der Mordversuch scheitert und endet mit Pauls lapidarer Bemerkung: «Jetzt reichts! Morgen gehen wir zur Eheberatung!» Ein halbes Jahr später, zurück im gleichen Hotel: Arlene hat inzwischen festgestellt, dass Mitchell sie mit seiner Praxisassistentin betrügt, und Paul hat sich ausgiebig der Selbstoptimierung gewidmet. Das Ehepaar findet wieder zusammen und beschliesst, sich an Mitchell zu rächen. Paul soll den Nebenbuhler erschiessen und vom Balkon stürzen. Paul freut sich über das wiedergefundene Eheglück: «Wir tun Dinge wieder zusammen», meint er – doch mit dem Mord klappt es auch dieses Mal nicht. Wieder ein halbes Jahr später, wieder hat das Blatt sich gewendet: Nun hat Arlene sowohl Paul als auch Mitchell betrogen und wird nun ihrerseits als Mordopfer auserkoren. Der Plan der beiden Männer, sie aufzuhängen, scheitert nicht nur an einem Fabrikationsfehler im Strick. Endlich fragen sich die drei, was sie hier eigentlich tun und kommen zum Schluss, dass ein ganz anderer ertränkt, erschossen und aufgeknüpft werden sollte … Das Talman Ensemble sorgt mit dieser Geschichte für einen durchwegs gelungenen, kurzweiligen Theaterabend. Da ist die überdrehte Arlene (Katharina Bohny), der das Leben viel zu kompliziert ist und die einfach nicht weiss, für welchen Mann sie sich entscheiden soll. Da ist der schrille Zahnarzt Mitchell (Niklaus Talman), der den coolen Macho gibt, aber im Grunde auch einfach nur geliebt werden will. («Mich so zu hassen, muss wahre Liebe sein», sagt er zu Arlene, als diese ihm an den Kragen will.) Und da ist zu guter Letzt der liebenswürdige Paul (Luc Spori), der seine Ehefrau auf Händen trägt und alles für sie tun würde. Was sie sich denn wünsche, will er von ihr wissen. «Glücklichsein», sagt sie. Und er darauf: «Das ist nur ein sehr kleiner Teil des Lebens.»

Ein kleiner Teil vielleicht, aber womöglich der wichtigste: Das unglücklich kämpfende Trio ahnt es spätestens dann, als es in der Silvesternacht am Ende des Stücks auf ein neues Jahr anstösst, das besser werden möge als das alte.

Weitere Aufführungen im Kellerpoche in Freiburg: Do., 25. Oktober, bis Sa., 27. Oktober, jeweils 20.15 Uhr. Ausserdem am 21. und am 31. Dezember im Theater am Käfigturm in Bern. www.talmanensemble.ch.