Kritik 11.03.2019

Rockstar des Jazz zu Besuch in Freiburg

Jazz-Aufsteiger Kamasi Washington lockte vergangenen Freitagabend Jung und Alt ins Fri-Son und lieferte ein Konzert der Superlative ab.

Wie schafft es Kamasi Washington, dass er mit seinem Jazz auch ein Publikum erreicht, das sich eigentlich für Pop oder Hip-Hop begeistert? Seit seinem bahnbrechenden Debüt-Album «The Epic» von 2015 konnte er in den vergangenen Jahren gar am Coachella- oder am Pitchfork-Festival auftreten. Der kalifornische Saxofonist, der bei Alben von Kendrick Lamar oder Snoop Dogg mitwirkte, rückt den Jazz ins Rebellische. Mit seiner afroamerikanischen Herkunft bringt er gesellschaftskritische Texte in seine Stücke ein und fördert mit seinen beiden Schlagzeugern unheimlich groovende Rhythmen zutage. Unbestreitbar steht Kamasi Washington im Jazzbereich momentan im Rampenlicht. Ein aufstrebender Saxofonist, der den Jazz für breitere Massen zugänglich macht. Am Freitagabend fanden entsprechend viele Besucherinnen und Besucher jeden Alters den Weg ins ausverkaufte Fri-Son.

Den Abend eröffnete die Gustav-Akademie mit dem Auftritt des Rappers Jay Jules, begleitet von weiteren Mitgliedern. Der junge Berner bot mit seiner Band einen spannenden Mix aus Hip-Hop und Reggae und wärmte den Saal für das kommende Konzert auf.

Dann war es endlich so weit: Kamasi Washington betrat mit seinen beiden Schlagzeugern, Sängerin, Posaunisten und Keyboarder die Bühne und lud später ebenfalls seinen Vater Ricky Washington auf die Bühne ein. Was folgte, war ein zweistündiges Jazzkonzert der Superlative. Die beiden Schlagzeuger legten einen groovigen Tanzteppich aus, auf welchem sich die übrigen Instrumentalisten austoben durften. Die langen und zähen Stücke brillierten mit spannender Songstruktur, aus welcher die Band immer wieder in ekstatische Soli ausbrach, wechselten von Swing zu Funk und wieder zurück. Mit farbigem Gewand, Afro und seiner stämmigen Statur schillerte Kamasi Washington im Zentrum der Bühne und entlockte seinem Saxofon die schrillsten und schönsten Töne. Nach sieben Songs bedachte ein ausgetanztes Publikum die Musiker mit einem schier unaufhörlichen Applaus. Was blieb, waren glückliche und faszinierte Blicke und die Botschaft, welche Kamasi den Besucherinnen und Besuchern bei jedem Auftritt mitgeben möchte: «Diversitiy is not something to be tolerated, but celebrated.»