Freiburg 24.11.2018

«Sich nicht in einem Konflikt vergraben»

Das Älterwerden birgt eine ganze Reihe an Umstellungsprozessen und Spannungsfeldern. An einer Konferenz sensibilisierte die Paar- und Familienberatung Freiburg auf die Möglichkeit der Mediation.

Ist der Countdown zur Pensionierung endlich abgelaufen, muss sich der frischgebackene Rentner und auch sein Umfeld im neuen Leben erst einmal zurechtfinden. Dass das nicht immer einfach ist, weiss Yvonne Hofstetter Rogger, Mediatorin und nebenamtliche Dozentin an der Berner Fachhochschule für soziale Arbeit. Sie hat sich auf Mediation in Alters- und Generationenfragen spezialisiert und stellte am Donnerstagabend in Freiburg die Möglichkeiten und Chancen der Mediation im Alter vor.

Viele Wahlmöglichkeiten

«Wir haben auch im Alter viele Wahlmöglichkeiten und dank der höheren Lebenserwartung das Glück, verschiedene Übergangssituationen meistern zu dürfen», so Hof­stetter. All diese Übergangs­situationen würden aber auch die Beziehung zum eigenen Umfeld auf die Probe stellen. Wenn Paare für ihre Beziehung keine Zukunft mehr sähen oder sich Geschwister über die Betreuung ihrer hilfsbedürftigen Eltern stritten, könne Mediation helfen.

Verständigung, Verhandlung und Generationengerechtigkeit sind die Grundpfeiler der «Elder Mediation», so der englische Fachbegriff. «Für die heutige Langlebigkeitsgesellschaft und der damit einhergehende Viergenerationengesellschaft ist die Generationengerechtigkeit ein besonderes Thema», weiss Hofstetter. Denn oftmals seien Frührentner in einer Art Sandwichposition und kümmerten sich sowohl um die Enkelkinder als auch um ihre eigenen Eltern.

«Es ist nicht jedermanns Sache, das Innere nach aussen zu kehren», beobachtet Yvonne Hofstetter. Eine Drittperson könne aber dabei helfen und als erstes einmal das Tempo aus dem Konflikt nehmen. Aufgabe des Mediators sei es, die Menschen dazu zu bringen, den Standpunkt des anderen vorerst zu formulieren und später auch zu verstehen. «Kann man sich dann einig werden, was für alle Parteien wichtig ist, ist die Lösung nahe.»

Chantal Valenzuela Schwaller von der Familienberatung Freiburg beobachtet eine grös­sere Nachfrage für Mediationen in Alters- und Generationenfragen. Laut ihr ist das Rentenalter komplizierter, als man gemeinhin annimmt. «Wir möchten die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass es auch im Alter spezifische Herausforderungen gibt», so Valenzuela. Die Beraterinnen der Familienberatung bilden sich darum spezifisch in diesem Fachgebiet weiter.

Verbindlichkeiten aushandeln

Die Konfliktfelder gestalten sich auch im Alter so vielfältig wie das Leben selbst. Nebst dem engeren Umfeld und generationenübergreifenden Fragen gilt es ebenfalls die häusliche Pflege abzuklären. «Die Mediation kann hier durchaus bewirken, dass aus einem Pflichtarrangement eine ausgehandelte Verbindlichkeit wird», meint Hofstetter. Aus­serdem solle man sich nicht in einem Konflikt vergraben oder ihn unter den Teppich kehren. «Konflikte sind nicht einfach Schicksal, und auch alte Menschen sind lernfähig und resilient.» Ein wichtiges Argument für die Mediation sei es, vor zu schnellen und somit nicht-nachhaltigen Lösungen zu bewahren. «Mit etwas Unterstützung kommt man zu viel reicheren Lösungsansätzen als ganz alleine», unterstreicht Hofstetter.

«Konflikte sind nicht einfach Schicksal, und auch alte Menschen sind lernfähig und resilient.»

Yvonne Hofstetter Rogger

Mediatorin