GrangEs-Paccot 09.02.2019

Wieder in Mode

Anne Develay zeigt mit ihrem Schüler Simon, wie sie ein Schnittmuster mit der Formtechnik vorbereitet.
Der Beruf Bekleidungsgestalterin erlebt eine Renaissance, unter anderem dank dem Nachhaltigkeitstrend. Anne Develay arbeitet seit mehreren Jahren auf dem Beruf. Sie informiert an der Freiburger Berufsmesse darüber und zeigt, wie ein Kleid entsteht.

Anne Develay drapiert den weissen Stoff um die Schneiderpuppe, tritt einige Schritte zurück, begutachtet den Stoff und passt die Raffung dann noch etwas an. Sie führt an der Berufsmesse Start im Forum Freiburg in Granges-Paccot vor, wie ein Kleid mit der Formtechnik entsteht – der nächste Vortrag findet am Sonntag statt (siehe Kasten).

«Diese Technik eignet sich für geraffte Kleider, denn am Zeichenpult oder Computer ist es sehr schwierig, abzuschätzen, wie viel Stoff man dafür braucht», erklärt sie den Anwesenden. Bei der Formtechnik wird das Schnittmuster für ein Kleidungsstück nämlich nicht auf Papier oder am Computer gezeichnet. Es entsteht vielmehr direkt an der Schneiderpuppe, um die Stoff drapiert und zugeschnitten wird, der später als Schnittmuster dient.

Nachhaltige Mode

«Es ist eine alte Technik, die jedoch etwas vergessen gegangen ist, weil wir heute viel mit dem Computer arbeiten», sagt Anne Develay später im Gespräch mit den FN. Und wie steht es mit dem alten Beruf der Schneiderin – oder Bekleidungsgestalterin, wie es heute heisst? «Schneiderateliers erleben gerade eine kleine Renaissance», sagt Develay. Dies sei unter anderem dem aktuellen Nachhaltigkeitstrend zu verdanken. Viele Menschen achteten darauf, woher ihre Kleidung komme, und investierten lieber in weniger, dafür lokal hergestellte Kleidungsstücke, als bei Billigmodehändlern wie H&M zu kaufen. «Es gibt auch wieder mehr Menschen, die ein altes Kleidungsstück flicken lassen.»

Kostüme und Uniformen

Auch neben einem eigenen Atelier gebe es viele Möglichkeiten für ausgebildete Bekleidungsgestalter in der Schweiz, erklärt Develay. «Hochzeitsmode und auch Kleidchen für Taufen bleiben gefragt.» Absolventen der Lehre könnten zudem eine Weiterbildung zum Theaterschneider machen: So lange es Theater gibt, werden sie Kostüme brauchen.

Daneben gibt es mehrere Unternehmen in der Schweiz, die Arbeitskleidung herstellten, etwa Uniformen für Polizisten, Pöstler oder Buschauffeure, wie Develay sagt. Sie selbst arbeitete mehrere Jahre bei einem solchen Unternehmen in Bossonnens im Kanton Freiburg. «Mir gefällt besonders das Technische und die Handarbeit beim Schneidern, deshalb habe ich diese Arbeit sehr gern gemacht.» Mode interessiere sie weniger als der praktische Aspekt von Kleidung – und Arbeitsbekleidung müsse praktisch sein.

Leidenschaft weitergeben

Heute arbeitet Develay als Lehrerin an einer Schule in Lausanne, die unter anderem Aus- und Weiterbildungen im Textilbereich anbietet. «Die Lehrtätigkeit ist natürlich auch eine Weiterbildungsmöglichkeit für Bekleidungsgestalterinnen und Bekleidungsgestalter», sagt sie und lacht. «Mir gefällt es sehr, meine Leiden­schaft weitergeben zu können.»

Lehrstellen limitiert

Die Zahl der Lehrstellen für Bekleidungsgestalterinnen und -gestalter sind limitiert auf hundert in der Schweiz. «Sonst gäbe es zu viele für den Markt», erklärt Develay. In Freiburg bietet die Ecole de Couture Freiburg zwölf Ausbildungsplätze in zwei Lehrateliers an. Für die Lehre interessieren sich laut Develay nicht nur Mädchen. «Es gibt auch viele junge Männer, die die Ausbildung absolvieren.»

Sie verweist auf Simon, einen ihrer Schüler. Er hält Develay während ihrer Vorführung im Forum Freiburg die Stecknadeln hin, mit der sie den Stoff an der Schneiderpuppe fixiert. Nach einigen Anpassungen ist sie mit der Raffung ihres Kleides zufrieden. «Nun entferne ich den Stoff von der Puppe und habe das Schnittmuster.»

Programm

Mehr als hundert Animationen

Im Forum Freiburg in ­Granges-Paccot findet noch bis morgen die Berufsmesse Start statt. Mehr als 90  Berufsverbände stellen dort rund 230 verschiedene Berufe und Ausbildungen vor. Für die Besucherinnen und Besucher gibt es rund 100 Animationen, darunter den Vortrag von Anne Develay zur Form­technik bei Kleidungsstücken am Sonntag um 11 Uhr. An vielen Ständen können Besucher selbst Hand anlegen und zum Beispiel Roboter steuern oder einen Telefonmast hinaufklettern.

nas

Forum Freiburg, Granges-Paccot. Sa., 9., und So., 10. Februar, jeweils 9 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen: www.start-fr.ch