Freiburg 08.06.2019

Zeugen des Heimatstils in Freiburg

Im Gambachquartier in der Stadt Freiburg gibt es besonders viele Häuser im Heimatstil.
Der Verein Pro Fribourg widmet sein neues Heft unter anderem dem Heimatstil im Kanton Freiburg. Es sei wichtig, die Besitzer solcher Gebäude zu sensibilisieren, um den Erhalt zu gewährleisten.

Im Zuge des romantisierenden Nationalismus und der Sehnsucht nach einer vorindustriellen Welt entwickelte sich im späten 20. Jahrhundert in der europäischen Architektur der Heimatstil. In der Schweiz war das Schweizer Dorf an der Landesausstellung 1896 in Genf ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung. Das sagt die Kunsthistorikerin Sylvie Genoud Jungo, Generalsekretärin des Vereins Pro Fribourg, der den Schwerpunkt seines neuen Hefts dem Heimatstil in Freiburg widmet. Am augenfälligsten vertreten ist die Heimatstil-Architektur in der Stadt Freiburg im Gambachquartier, aber auch in den Quartieren Alt, Schönberg, Perolles, Jura, Vignettaz oder Daillettes gibt es viele Beispiele. Bei den meisten dieser Gebäude handelt es sich um private Ein- oder Mehrfamilienhäuser. Manche von ihnen befinden sich in einem schlechten Zustand, weil die Besitzer zu wenig in den Unterhalt investiert haben. Eine Sensibilisierung, wie Pro Fribourg sie stets betreibe, sei darum bei diesem Thema besonders wichtig, sagte Sylvie Genoud Jungo gestern vor den Medien. «Wir wollen aufzeigen, warum diese Gebäude schützenswert sind.»

Im soeben erschienenen Heft von Pro Fribourg erklärt Sylvie Genoud Jungo zusammen mit der Kunsthistorikerin und Heimatstil-Expertin Elisabeth Crettaz-Stürzel, wodurch sich der Heimatstil in Freiburg auszeichnet und wie er sich entwickelt hat. Ein eigenes Kapitel ist zwei Häusern an der Route de la Glâne in Villars-sur-Glâne gewidmet. Obwohl es sich um herausragende Zeugen des Heimatstils handle, habe die Gemeinde es verpasst, sie in ihrem neuen Ortsplan als schützenswert einzustufen, so Sylvie Genoud Jungo. Dies sei umso irritierender, als drei Häuser an der Daillettesstrasse, die zum gleichen Ensemble gehörten, sich jedoch auf Stadtfreiburger Boden befänden, seit 2014 geschützt seien. Das Kantons- und das Bundesgericht hätten diese Massnahme gestützt und sich dabei unter anderem auf die damals noch geschützten Häuser in Villars-sur-­Glâne berufen. Nun stünden ausgerechnet diese Häuser in ­Villars-sur-Glâne nicht mehr auf der Liste der schützenswerten Gebäude. Pro Fribourg hat dagegen beim Kanton Freiburg einen Rekurs eingereicht, der noch hängig ist.

Wer soll für Erhalt zahlen?

In einem weiteren Artikel befasst sich der Historiker Bernhard Altermatt, Vorstandsmitglied von Pro Fribourg, mit der Finanzierung des Erhalts von schützenswerten Bauten. Er kritisiert den Entscheid des Bundes, seine finanziellen Beiträge in der Periode 2016 bis 2019 zu kürzen. Der Bund ziehe sich so zulasten der Gemeinden und Kantone aus der Verantwortung.

Ein Beitrag von Alain Bosson befasst sich mit der Geschichte der Epidemien im Kanton Freiburg, von der Pest und der Lepra bis zur Spanischen Grippe. Ein Foto-Portfolio der Freiburger Fotografin Eliane Laubscher zeigt Eindrücke des Spass-Velorennens «Les 12 heures de l’Auge» im Jahr 1969. Das Rennen existiert mit Unterbrüchen bis heute und findet dieses Jahr am 15. Juni statt.

Das Heft gibt es für 18 Franken im Freiburger Buchhandel oder direkt bei Pro Fribourg. Auf Französisch.