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Grossmütter gehen auf die Strasse

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Grossmütter gehen auf die Strasse

Autor: Irmgard Lehmann

Unter Niki de Saint Phalles Engel im Bahnhof Zürich hat sich am vergangenen Samstag eine bunt gemischte Schar Frauen – von der Bäuerin bis zur Akademikerin – eingefunden. Farbenfroh gekleidet, keck behutet und gut gelaunt machten sich die Oldies auf den Weg durch die Stadt. Jede mit dem Ballon in der Hand: «Grossmütter-Manifest – wir bieten, wir fordern, wir haben erreicht», stand drauf geschrieben. Mit Pauken, Trompeten und Trillerpfeifen zogen die Frauen vom Bahnhof zum Stauffacherplatz. Dort verkündete die Historikerin Heidi Witzig, Mitglied der Manifestgruppe, das Grossmütter-Manifest. Die Band Mammutz mit den rockenden Grosis und das Improvisationstheater Playback sorgten für heitere und anregende Stimmung.

Das Bild der Grossmutter verändern

Das Manifest ist Teil eines Projektes, das vom Migros-Kulturprozent lanciert wurde mit dem Ziel, das Bild der Grossmütter in der Gesellschaft zu verändern. Denn die Grossmutter, die sich mit Altersturnen und Werbefahrten begnügt, auf die Kinder wartet und zu allem Ja und Amen sagt, das war einmal.

Die Grossmütter von heute sind von einem anderen Schlag und nehmen ihr Leben in die Hand. «Der Reichtum der späten Jahre soll nicht einfach verspielt werden», sagt eine 75-Jährige. Die Grossmütter von heute sind gebildet, emanzipiert, politisch und kulturell interessiert und waren berufstätig.

Dieses Bild will die Grossmütter-Revolution vermitteln: «Wir werden immer mehr und sind in der Gesellschaft nicht zu übersehen», bemerkt Monika Stocker, ehemalige Leiterin des Zürcher Sozialamtes am Mani-Festtag.

Pionierinnen in Sachen Frauenemanzipation

Die heutigen Grossmütter sind «Kinder» der Aufbruchjahre, Pionierinnen in Sachen Frauenemanzipation: 1971 kam das Frauenstimmrecht. 1981 wurde der Verfassungsartikel Gleiche Rechte für Mann und Frau angenommen. 1991 fand der erste landesweite Frauenstreiktag statt. 1996 trat das Gleichstellungsgesetz in Kraft. 2002 nahm das Schweizervolk die Fristenlösung an. Die Aufbruchjahre nach 1968 brachten die Pille und damit ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung in das Leben der Frau.

Die heutigen Grossmütter haben einiges ins Rollen gebracht und den Frauen und Müttern von heute den Weg geebnet. Studium, Beruf, Familie sind heute eine Selbstverständlichkeit. In den Siebzigerjahren jedoch eine Seltenheit, vorab in ländlichen Verhältnissen wie etwa im Kanton Freiburg. Nur wenige haben in den Sechzigerjahren eine Lehre absolviert oder gar ein Studium gemacht.

Am Grossmuttermanifest-Tag in Zürich hat die Referentin Heidi Witzig auf Schwerpunkte hingewiesen, wie etwa auf die Forderung einer Erbschaftssteuer ab ein oder zwei Millionen im Namen der Solidarität: «Wir können uns gar nicht vorstellen, wie es ist, alt und arm zu sein.»

Der Vorstoss, das Manifest dem Nationalrat zu überreichen, ist im Gange.

Von der Steuer abziehen

Doch wie sieht das neue Bild der Grossmütter aus? An neuen Aufgaben mangelt es nicht. Ohne Grossmütter könnten zum Beispiel berufstätige Eltern den Familienalltag gar nicht mehr bewältigen. Der Gesamtumfang an unbezahlter Kleinkindbetreuung durch über 50-jährige Personen (vorwiegend Grosseltern) wird auf rund 100 Millionen Stunden geschätzt, schreiben die Projektverantwortlichen. Das entspricht einer jährlichen Arbeitsleistung im Wert von mehr als zwei Milliarden Franken. Viele Betagte könnten nicht zu Hause leben. «Die soziale Leistung der Grossmütter muss anerkannt und von den Steuern abgezogen werden», fordert Witzig.

Die Grossmütter-Revolution will also zeigen, dass die Frauen nach der Pension nicht einfach zum alten Eisen gehören, sondern ihr Potenzial ausschöpfen wollen. Fällig wäre jetzt nur noch die Grossväter-Revolution.

Gut gelaunt durch die Strassen von Zürich: An der Grossmütter-Demo fordern Seniorinnen aus der ganzen Schweiz Aufmerksamkeit für ihre Anliegen.Bild Kathrin Schulthess

Zwei Freiburgerinnen sind mit dabei: Antonia Zurbriggen und Margrit Aebischer.Bild Irmgard Lehmann

Grossmütter-Revolution:

Konkrete Projekte lanciert

Die Grossmütter–Revolution wurde vom Migros-Kulturprozent initiiert. Das Projekt will Bild und Rolle der Frauen in der Gesellschaft verändern. So haben sich Seniorinnen vor rund anderthalb Jahren zu einer schweizerischen Bewegung formiert. Im Frühjahr 2010 fand im Kiental die erste Zukunftskonferenz statt. Dort haben rund 60 Frauen zwei Tage lang über ihre Rollen, Visionen und Anliegen diskutiert.

Eine zweite Zukunftskonferenz mit rund 40 Frauen wurde Anfang April im Bildungszentrum Schwarzenberg durchgeführt. Moderiert hat die Erwachsenenbildnerin Antonia Zurbriggen aus Wünnewil. Das Thema: «Gibt es die Grossmutter ohne Enkelkinder? – Ältere Frauen spielen viele Rollen».

An beiden Tagungen haben die Frauen konkrete Gruppenprojekte lanciert. Bereits aktiv ist etwa die dreiköpfige Rockgruppe Mammutz. Andere Projekte, wie etwa Neue Wohnformen, Achtsamer Umgang mit Ressourcen, Grossmutter-Revolution und Facebook, sind in Vorbereitung.

Projektleiterin ist Anette Stade aus Basel. An der zweiten Ergebniskonferenz im Herbst wird sie mit den Projektgruppen wiederum Bilanz ziehen. Das Migros-Kulturprozent hilft den Frauen, ihre Projekte umzusetzen. Die Kundgebung des Grossmutter-Manifestes in Zürich war der vierte Anlass. il

Infos: www.grossmuetterrevolution.ch oder Radio DRS 1: «Doppelpunkt» vom Do., 2. Juni (Podcast).

Buchautorin Heidi Witzig.Bild zvg

Das Manifest

Forderungen und Errungenschaften

Das Manifest bezieht sich auf drei Schwerpunkte (Auszug):

Wir bieten:

•zeitliches und finanzielles Engagement bei der Unterstützung und Betreuung unserer Kinder, Enkel und Angehörigen.

•Solidarität zwischen finanziell gut- und schlechtgestellten, zwischen gesunden und betreuungsbedürftigen Frauen.

Wir fordern:

•Betreuungsspesen, Pflegegutschriften.

•Thematisierung der weiblichen Altersarmut.

•Mitspracherecht bei Betreuungssystemen.

Wir haben erreicht:

•Dank dem Engagement der feministischen 70er-Jahre-Generation haben sich die Bedingungen für Frauen markant verbessert.

•Wir haben die Rollenverteilung in Partnerschaft und Familie verändert. il

Das vollständige Manifest ist im Internet zu finden unter: www.grossmuettermanifest.ch

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