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«Grösster Risikofaktor ist das Leben»

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Laut kantonalem Tumorregister erkranken jedes Jahr rund 1300 Freiburgerinnen und Freiburger neu an Krebs. 900 Patienten lassen sich im Freiburger Spital HFR behandeln. Zusammen mit den bereits an Krebs Erkrankten führt die Onkologie am HFR somit jährlich rund 20 000 Konsultationen durch. Im Gespräch mit den FN spricht Daniel Betticher, seit 14 Jahren Chefonkologe am HFR, über seine jahrelangen Erfahrungen.

In den letzten Jahren konnten am HFR immer mehr Krebskranke geheilt werden. Wie sieht das in Zahlen aus?

Rund 45 Prozent der Patienten werden nach einer Krebsdiagnose geheilt. Das ist ein grosser Fortschritt dank der Kombinationen verschiedener Therapie-Modalitäten wie Opera­tion, Chemotherapie, Bestrahlung und weiteren zielgerichteten Therapien. Vor 15, 20 Jahren sah das anders aus. Unterstützt werden die Patienten von einem grossen Team wie Radioonkologen, Chirurgen, Allgemeinmedizinern, Pflegepersonal, Palliativmedizinern, Psychologen, Diätberatern, ­Physio- und Ergotherapeuten.

Und doch gibt es auch Rückfälle. Wie sind diese zu erklären?

Bei vielen Patienten gelingt es uns, den Tumor über Jahre in Schach zu halten. Doch eines Tages schlägt die Therapie nicht mehr an. Die bis anhin therapierte Krebszelle beginnt ihr Eigenleben. Dies führt zur Zerstörung eines lebenswichtigen Organs und unwillkürlich zum Tod. Das Ziel in dieser Situation ist es, mit Palliativmedizin die Beschwerden zu lindern.

Die Kosten einer Krebsbehandlung sind sehr hoch. Ist das ein Thema bei den Behandlungen?

Jeder Patient hat Anrecht auf die bestmögliche Behandlung. Die Kosten dürfen kein Hindernis darstellen, so will es der Gesetzgeber. Der Bund definiert die Preise eines zugelassenen Medikamentes. Mit den wirksameren Therapien leben die Patienten länger und besser als noch vor zehn Jahren, benötigen aber regelmässig weitere Therapien. Das bedeutet auch mehr Arbeit in den Spitälern und höhere Kosten. Darum brauchen die Onkologen mehr Infrastruktur und Personal.

Welches sind die häufigsten Krebsarten?

Bei den Frauen Brustkrebs und bei den Männern Prostatakrebs. Primäre Todesursache ist bei den Frauen der Brustkrebs. Bei den Männern hingegen der Lungenkrebs.

Chancenlos ist die Medizin immer noch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Nicht ganz. Wenn man ihn frühzeitig erkennt, kann man allenfalls mittels Operation und Chemo- sowie Radiotherapie den Patienten heilen. Leider aber ist es eine Tatsache, dass es ein aggressiver Krebs ist, der schnell wachsen kann.

Und wie ist es, wenn jemand 90-jährig ist?

Mit jedem Patienten bespreche ich die Therapieoptionen, ob der Krebs heilbar ist oder nicht. Das Risiko von Nebenwirkungen und der Nutzen der Therapie werden abgewogen. Es gibt immer wieder Patienten, die eine Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität ablehnen, weil sie überzeugt sind, dass die Nebenwirkungen zu stark sind. Das respektieren wir und helfen mit Mitteln, die der Patient akzeptieren kann. So haben wir kürzlich eine Sprechstunde für ältere Patienten, die über 75-jährig sind, ins Leben gerufen, die sogenannte onko-geriatrische Konsultation. Da schauen wir mit einfachen Untersuchungen, wie gross das Risiko der Nebenwirkungen sein wird, um die bestmögliche Therapie zu empfehlen.

Kürzlich sagte mir eine Bekannte, sie habe ein «liebes Krebsli». Davon gibt es wohl wenige?

Wie jeder Mensch verschieden ist, ist auch jeder Krebs einzigartig und verhält sich unterschiedlich. Oft ist es so, dass die Krebserkrankung nicht heilbar ist, aber der Patient mit dieser gut leben kann. Die Krebszellen «schlafen». Das wäre dann ein «liebes Krebsli».

Heute erwartet der Patient, dass man ihm offen die Wahrheit sagt. Wird das auch so gemacht?

Richtig zu informieren und gleichzeitig Hoffnung zu machen, wohlverstanden keine falschen Hoffnungen, das ist unsere Devise. Mit dem Patienten und seinen Angehörigen definieren wir das Ziel und die Therapiemöglichkeiten. Was wollen und können wir tun? Heilen? Beschwerden lindern? Gut mit dem Krebs leben können? Ohne Hoffnung ist das Leben die Hölle auf Erden. Es gibt keine Situation, in der man «nichts» machen kann. Immer können wir Symptome lindern. Nicht selten sagen mir Patienten: «Dann brauche ich doch kein Exit.» Die Patienten sollen so lange wie möglich das Leben geniessen können, ohne Beschwerden. Wenn es aber gegen das Ende geht, dann soll es schnell gehen, ohne leiden zu müssen.

Kann man sich gegen Krebs schützen oder ist es wie eine Lotterie: Den einen erwischt es, den andern nicht?

Man kann Risikofaktoren reduzieren. Wer beispielsweise nicht raucht, reduziert das Risiko, Krebs zu entwickeln, um 20 Prozent. Gesund essen, wenig Alkoholgenuss, Sport treiben und nicht zu viel an die Sonne gehen sind weitere Schutzfaktoren. Aber das grösste Risiko ist das Leben selbst. Je älter man wird, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Und das durchschnittliche Alter nimmt stetig zu. Meine Krebspatienten sind durchschnittlich zwischen 60 und 70 Jahren alt.

Im Kanton Freiburg erkranken jeden Tag drei bis vier Menschen an Krebs. Wie ist das einzuordnen?

Die Krebshäufigkeit nimmt insgesamt zu. Jedoch nicht, wenn man die Alterskorrektur macht. Das heisst, dass wir pro Jahr rund drei Prozent mehr Krebskranke diagnostizieren. Aber wenn man pro 100 Personen jede Lebenstranche anschaut, dann gibt es keine Änderungen. Mehr Krebskranke haben wir einzig durch den Umstand, dass wir älter werden als noch vor zwanzig Jahren und die Heilung an Krebs häufiger ist, so dass der Patient einen zweiten Krebs entwickeln kann.

Frühzeitige Diagnosen sind vielfach lebensrettend. Welche Beschwerden sollten ein Alarmzeichen sein?

Die Tumor-Symptome sind sehr unspezifisch, das heisst, dass eine gleiche Erkrankung bei einem Patienten viele Symptome erzeugen kann, beim anderen überhaupt keine. Deshalb versucht man heute bei den häufigsten Krebserkrankungen, den Tumor vor Auf­treten von Beschwerden zu dia­gnostizieren. In diesem Sinne organisiert die Krebsliga Freiburg das Früherfassungsprogramm für Brustkrebs, die Mammografien, alle zwei Jahre. Sie ist auch daran, ein Früherfassungsprogramm für Darmkrebs noch dieses Jahr auszuarbeiten. Ein regelmässiger Gebärmutterhalsabstrich beim Gynäkologen hat die Mortalität des Gebärmutterkrebses reduzieren können. Weitere häufige Tumore wie bei Lunge und Prostata sollten im Rahmen von Früherfassungsuntersuchungen mit dem Arzt diskutiert werden.

Menschen, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden, reagieren wohl sehr unterschiedlich?

Für die einen bedeutet die Krankheit ein Erdbeben, andere nehmen es gelassener. Die einen brechen in Tränen aus, andere sind pragmatisch und wollen nur wissen, was man machen kann.

Eine kürzlich publizierte Studie zeigte, dass Krebs mittlerweile Todesursache Nummer eins ist und nicht mehr die Herzkrankheit, wie dies bisher der Fall war.

Diese Erkenntnis bezieht sich auf die gesamte Welt und erklärt sich mit der massiven Zunahme von Krebs in der Dritten Welt. Die Leute rauchen mehr. In Indonesien habe ich sogar Fünfjährige gesehen, die rauchen, und wie Reisfelder in Tabakplantagen umgewandelt werden. In der Schweiz sind immer noch die kardiovaskulären Ursachen an erster Stelle.

Es gibt Vorurteile gegenüber dem HFR, viele gehen lieber nach Bern. Das sei unberechtigt, sagen Sie – warum?

Unser Zentrum arbeitet im gleichen Netzwerk wie Bern und mit allen gros­sen Schweizer Spitälern. So sind wir der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung SAKK angeschlossen und sind daher wie andere Spitäler auf dem neusten Stand. Unsere Behandlungen sind genau gleich wie jene in Bern. Für spezifische Therapien und Eingriffe wie Knochenmarktransplantationen arbeiten wir natürlich mit den Kollegen des Inselspitals zusammen. Ausserdem haben wir am HFR aufgrund der überschaubaren Grösse eine familiäre Atmosphäre. Die Patienten können ihre Therapie auch an den Standorten Tafers und Merlach-Murten erhalten, und das Personal der Onkologie spricht Deutsch.

«Wie jeder Mensch verschieden ist, ist auch jeder Krebs einzigartig und verhält sich unterschiedlich.»

Immuntherapie

Fortschritt in der Krebsforschung

In den letzten zehn Jahren hat die Krebsforschung gewaltige Fortschritte gemacht. Vorab mit der Immuntherapie. Mit dieser neuen Behandlungsform wird die körpereigene Immunität aktiviert, welche die bösartigen Zellen bekämpft. Allerdings ist die neue Behandlung nur bei den Krebserkrankungen wirksam, die auf der Zelloberfläche «Antigene» (eine Art Rezeptoren) tragen, so dass die Immunzellen diese kranken Krebszellen erkennen können. Dies ist der Fall bei Lungenkrebs, Hals-Nasen-Tumor, schwarzem Hautkrebs (Melanom), Nieren-, Speiseröhren-, Magenkrebs und in vereinzelten Fällen bei Brust- und Darmkrebs. Die Immuntherapie wird oft zusammen mit einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung angewandt. Die Kombination der verschiedenen Therapie-Modalitäten verbessert die Heilungschancen.

il

Zur Person

Seit vierzehn Jahren Chefarzt in Freiburg

Daniel Betticher ist in Freiburg aufgewachsen und hat an den Universitäten Freiburg und Bern Medizin studiert. Nach einem Auslandaufenthalt im Christie Hospital in Manchester (England) arbeitete er rund fünfzehn Jahre am Inselspital Bern in der Klinik für medizinische Onkologie. Seit 2005 ist er Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Freiburger Spital HFR. Der 59-Jährige ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und wohnt in Freiburg.

il

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