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Grund zum Feiern! Grund zum Feiern?

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Politologin Martina Mousson, Projektleiterin beim Meinungsforschungsinstitut GFS in Bern.
Bild zvg

Vor 50 Jahren wurde in der Schweiz das Stimm- und Wahlrecht für Frauen eingeführt. Wie haben Frauen seither die Politik beeinflusst? Die FN reden darüber mit Politologin Martina Mousson. Sie ist Projektleiterin beim Meinungsforschungsinstitut GFS in Bern.

Martina Mousson, 50 Jahre Stimm- und Wahlrecht für Frauen in der Schweiz, ist das ein Grund zum Feiern?

Doch. Die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen in der Schweiz war ein Meilenstein, wenn auch ein später. Seither ist viel in Bewegung gekommen, was besonders deutlich bei den letzten Wahlen zu sehen war, bei denen die Frauen ihre Vertretung in den eidgenössischen Räten nochmals massgeblich steigern konnten.

Die Frauen wussten das neue Recht also zu nutzen?

Es hat einige Zeit gebraucht, bis dass sich eine gewisse Routine eingestellt hat. Mittlerweile können wir feststellen, dass die Beteiligungsunterschiede zwischen Männern und Frauen zurückgehen. Denn Frauen stehen heute beruflich und bildungsmässig an einem ganz anderen Punkt als noch vor 50 Jahren – Faktoren, welche die Teilnahme am politischen Prozess massgeblich beeinflussen. Viele Männer hatten zu Beginn grosse Angst, dass das Land mit dem Frauenstimm- und -wahlrecht auf den Kopf gestellt würde, weil die Wählerschaft über Nacht verdoppelt wurde. Das ist aber nicht geschehen. Dass sich Frauen und Männer grundsätzlich uneinig sind oder andere Mehrheiten in Abstimmungen aufweisen, ist eher die Ausnahme.

Die männlichen Eidgenossen entschieden vor der Einführung des Frauenstimmrechts ohne ihre weiblichen Miteidgenossinnen.
Keystone

Dennoch haben sich die Frauen verschiedentlich auch gegen den Willen der Männer durchgesetzt. Wann wurde zum ersten Mal deutlich, dass die Männer fortan mit dem Einfluss der Frauen zu rechnen haben?

Zum ersten Mal gab es eine Geschlechterdifferenz beim neuen Ehe- und Erbrecht im Jahr 1985, das eine gleichberechtigte Partnerschaft in der Ehe sowie die gemeinsame Verantwortung der Ehegatten für die Pflege und Erziehung der Kinder und für den Familienunterhalt verankerte. Zudem wurde die Errungenschaftsbeteiligung als neuer ordentlicher Güterstand eingeführt. Die Frauen nahmen das neue Gesetz klar an, die Männer lehnten es ab. Das war eine Sensation. Dies befeuerte Diskussionen nach dem Motto: Schaut, jetzt haben sich die Emanzen durchgesetzt.

Tatsächlich hat aber das Thema die Frauen mobilisiert.

Ja. Wer sich betroffen fühlt, wird bewegt und mobilisiert. Dann tun die Menschen ihre Meinung in einer Abstimmung kund.

Es scheint so, dass sich der Geschlechterunterschied vor allem in gesellschaftspolitischen, ethischen und sozialen Fragen bemerkbar macht. Stimmt das?

Richtig. Lange hatte man ja die Sorge, dass die Frauen einfach Geld ausgeben und die Steuergelder für soziale Projekte verschleudern würden. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass Frauen nicht mehr Geld ausgeben, sondern anders. Sie möchten also weniger für Verteidigung und Militär ausgeben, dafür mehr für Umwelt, Ökologie oder Minderheitenschutz.

Das hat sich im vergangenen Herbst auch bei der Vorlage über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge bestätigt.

Seit 1971 gab es bei Abstimmungsvorlagen siebzehn Mal Abweichungen zwischen den Geschlechtern. In dreizehn Fällen haben sich die Frauen durchgesetzt. Schon 2014 haben sich die Frauen bei der Gripen-Vorlage gegen die Beschaffung von Kampfflugzeugen ausgesprochen. Es wurde gesagt, sie hätten diese gegroundet. Das hat 2020 dazu geführt, dass die Abstimmungskampagne gezielt auf Frauen ausgerichtet wurde. Eine wichtige Schlüsselfigur spielte dabei die junge Kampfjet-Pilotin Fanny Chollet, welche die Frauen ansprechen sollte. Die Vorlage wurde schliesslich angenommen. Doch auch dieses Mal haben deutlich mehr Frauen Nein gestimmt als Männer. Letztendlich haben sich die Männer aber hauchdünn durchgesetzt.

Mit dem Stimm- und Wahlrecht haben die Frauen ein Instrument der Mitsprache bekommen. Die vollumfängliche Gleichstellung ist damit aber noch nicht gewährleistet. Welche Bedeutung kommt den politischen Rechten auf dem Weg dahin zu?

Tatsächlich bestehen immer noch Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, es gibt die sogenannte gläserne Decke, die den Zugang in Verwaltungsräte und hohe Führungspositionen verhindert, die unbezahlte Care-Arbeit wird nach wie vor hauptsächlich von Frauen erledigt. Das Wahl- und Stimmrecht ist nur ein Hebel zur Gleichstellung, aber ein wichtiger. Denn wie viele Menschen in einer Gesellschaft mitreden dürfen, sagt auch etwas über die Güte einer Demokratie aus. Heute gibt es noch immer viele Bevölkerungsgruppen, die vom politischen Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht ausgeschlossen sind, beispielsweise Ausländer.

Der Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts am 7. Februar 1971 ging ein langer Kampf voraus.
Archiv La Liberté

Frauen haben oft am selben Strick gezogen, wenn es um ihre Rechte ging, aber nicht immer. Im letzten Jahr hat der Ständerat beispielsweise die Lancierung einer Antisexismus-Kampagne mit nur einer Stimme verhindert, notabene mit jener der Freiburger FDP-Ständerätin Johanna Gapany. Wann spielt bei Abstimmungen die Loyalität zum Geschlecht und wann die Loyalität zur Partei eine Rolle?

Abgesehen von sehr frauenspezifischen Anliegen, steht bei Sachfragen am Ende immer die Partei im Vordergrund. Wenn es aber darum geht, Themen auf den Tisch zu bringen, ist das Geschlecht wahrscheinlich schon massgebend. Das zeigen auch Interviews mit gewählten Politikerinnen nach den Wahlen 2019. Sie drückten parteiübergreifend ihre Vorfreude darüber aus, mit ihren Geschlechtsgenossinnen zusammenarbeiten zu dürfen und eine neue Diskussionskultur einbringen zu können.

Das würde bedeuten, dass Frauen anders politisieren als Männer. Oder politisieren sie, einmal gewählt, gar männlicher als Männer?

Nein, ich glaube, Letzteres haben wir überwunden. Heute kann eine Frau geschminkt und gut zurechtgemacht auftreten, ohne dass ihre Kompetenz angezweifelt wird. Ein Beispiel dafür ist die bekannte linke US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris, die auf das Frausein pocht und explizit Mädchen in ihrer Siegesrede anspricht, zeigt, dass das Frausein in der Politik selbstverständlicher geworden ist. Anders verhält es sich bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie gehört in dieser Hinsicht eher der alten Schule an.

Ein hohes politisches Amt mit Familie ist aber auch heute noch schwierig. Viele Bundesrätinnen waren und sind im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen kinderlos.

Bis dass man oben angekommen ist, geschieht ein Grossteil der politischen Arbeit ehrenamtlich. Weil Frauen aber bereits mit unbezahlter Care- und Hausarbeit belastet sind, stellt dieser Umstand sicherlich ein Hindernis für eine mögliche politischen Karriere dar. Andererseits belegen Studien, dass sich Frauen häufiger als Männer in unkonventionellen Formen der Politik, etwa in Protestbewegungen, engagieren. Und das ist ja auch freiwilliges Engagement. Frauen hätten es also in der Hand, den Sprung auf die politische Bühne zu schaffen. Lange fehlte es ihnen aber auch an Rollenvorbildern, was ein zentraler Faktor ist. Hier hat sich aber doch einiges verändert. Angela Merkel ist heute eine Selbstverständlichkeit, und sie ist eine sehr mächtige Frau. Aber auch die Politikerinnen in der Schweiz sind wichtige Identifikationsfiguren. Ein junges Mädchen hat heute ein ganz anderes Bild davon, was als Frau möglich ist, als dies vor fünfzig Jahren noch der Fall war.

Noch sind wir aber nicht am Ziel angekommen, im Ständerat sitzen erst 25 Prozent Frauen, im Nationalrat sind es 40 Prozent. Was braucht es noch?

Studien zeigen, dass Frauen oft einen Anstoss brauchen. Sie drängen sich nicht vor. Frauenorganisationen wie Helvetia ruft und Alliance F haben im Vorfeld der letzten Wahlen dort angesetzt. Sie haben Frauen an die Hand genommen, sie gecoacht, unterstützt und motiviert. Bekannt ist auch, dass der politische Pfad von zentraler Bedeutung ist. Wer schon ein politisches Amt hat, wird eher gewählt. Und da bis vor nicht allzu langer Zeit vor allem Männer in der Politik waren, gerät ihr Bisherigen-Bonus erst allmählich ins Wanken. Das führt zu einer gewissen Verzögerung der Entwicklung. Ein weiterer möglicher Hebel bestünde in der Professionalisierung der Politik, um Frauen, aber auch anderen Gruppen, die Türen zur Politik zu öffnen. Also auch Leuten, die es sich beispielsweise finanziell nicht leisten können, ein politisches Amt anzunehmen.

Die ersten, 1971 gewählten Nationalrätinnen Elisabeth Blunschy, Hedi Lang, Hanny Thalmann, Helen Meyer, Lilian Uchtenhagen, Josi Meier und  Hanna Sahlfeld (stehend v.l.n.r.), Tilo Frey, Gabrielle Nanchen, Liselotte Spreng, Martha Ribi und Nelly Zwicki (sitzend v.l.n.r.), aufgenommen im Juli 1972.
Keystone

Und was ist von einer Frauen-Quote zu halten?

Ich bin nicht sicher, ob die politische Gleichberechtigung an einer Zahl festgemacht werden soll und kann. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Mir ist es nicht wichtig, dass es exakt 50 Prozent sind, ich finde auch ein Verhältnis 40:60 in Ordnung, egal zu wessen Gunsten.

Von sieben Bundesräten sind heute drei Frauen. Im Kanton Freiburg gibt es dagegen nur eine Frau in der Regierung. Wie ist das zu erklären? Welche Rolle spielt die ländliche und katholische Prägung des Kantons?

Die alpennahen Kantone haben einen klar tieferen Frauenanteil als die urbaneren Kantone. Dahinter stehen unterschiedliche Haltungen zu Traditionalismus und Modernismus. In städtisch geprägten Gebieten sind zudem eher links-grüne Parteien stark, in ländlichen dominieren bürgerliche Parteien. Die linken Parteien aber haben Frauenförderung sehr früh auf ihre Fahnen geschrieben und diese auch betrieben. Das zahlt sich heute aus und muss von den bürgerlichen Parteien erst noch aufgeholt werden. Allerdings geschieht dies auch, man denke etwa an Petra Gössi von der FDP.

Wenn man davon ausgeht, dass Politik oft gar nicht im Parlamentssaal gemacht wird, sondern von Lobbyisten in der Wandelhalle, könnte dann die These aufgestellt werden: Solange Frauen keine Führungspositionen in der Wirtschaft haben, haben sie trotz Wahl- und Stimmrecht immer noch nicht sehr viel zu sagen?

Jein. Denn hier kommen wir zu den sozialen Medien. Man kann von diesen Plattformen und ihrem tatsächlichen Einfluss halten, was man will. Aber es ist ein Ort, wo Themen gesetzt werden, unabhängig von Status oder Geschlecht. Das zeigt das Beispiel von Greta Thunberg, einem jungen Mädchen, das es unter anderem mit Social Media geschafft hat, die halbe Welt in Bewegung zu setzen. Black Lives Matter und Me Too sind andere Beispiele. Die sozialen Medien können eine unglaubliche Schlagkraft entwickeln. Gerade Frauen, die sich eher in unkonventionellen Formen der Politik bewegen, haben mit den sozialen Medien ein neues Sprachrohr gefunden, das auch zu einem gewissen Empowerment beiträgt.

Also ist auch diesbezüglich einiges geschehen?

Ja. Die Frauen wissen heute, dass sie eine Kraft, eine Macht und ein Wort haben. Und sie beanspruchen langsam, aber sicher ihren Platz. Dies ist nicht nur auf institutioneller Ebene geschehen, sondern auch in den Köpfen. Zu merken, dass man mit seiner Stimme als Mensch und Frau etwas bewirken kann, das beflügelt und motiviert.

Die rechtliche Entwicklung seit 1971

1971: Am 7. Februar nehmen die Stimmbürger das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht für Frauen mit 66 Prozent Ja zu 34 Prozent Nein bei einer Stimmbeteiligung von 58 Prozent deutlich an. 15,5 Kantone stimmen zu, 6,5 Kantone der Zentral- und Ostschweiz lehnen ab. Im selben Jahr werden bei den Nationalratswahlen vom 31. Oktober zehn Frauen gewählt, eine weitere rückt für einen in den Ständerat gewählten Mann nach, der Frauenanteil beträgt 5,5 Prozent. 1981: Die Gleichberechtigung wird in der Bundesverfassung festgeschrieben. 1988: Frauen und Männer werden beim Eherecht gleichgestellt, bis dahin war der Mann laut Gesetz das Familienoberhaupt und die Frau für den Haushalt zuständig. 1990: Der Kanton Appenzell Innerrhoden führt als letzter Kanton das Stimm- und Wahlrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein. 1992: Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar. 1996: Das Gleichstellungsgesetz tritt in Kraft. 2005: Der Mutterschaftsurlaub wird eingeführt, Mütter haben nach der Geburt 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub. 2014: Nach einer Scheidung wird das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder der Regelfall, bis dahin ging das Sorgerecht meist an die Mutter. rsa



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