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«Guglera-Infoabend war auch für mich ein kleiner Schock»

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Nicolas Bürgisser – zehn Jahre lang waren Sie Oberamtmann des Sensebezirks. Was haben Sie geliebt an Ihrem Job?

Die vielen Kontakte mit den Bürgern – auch in schwierigen Situationen, in denen Bürger mit einem Problem zu mir kamen und in denen wir ihnen helfen konnten. Es ist schön, sie später wieder zu sehen, wenn sie glücklich sind, weil sie Hilfe fanden. Da geht es beispielsweise um einen Streit mit dem Nachbarn oder um ein Problem mit dem Baugesuch. Das sind keine spektakulären, aber schöne Momente.

Und Sie fanden immer eine Lösung?

Meistens schon. Je nach Gebiet habe ich einen Spezialisten vom Kanton mitgenommen. Wir haben uns vorher abgesprochen, damit wir eine pragmatische Lösung finden, nicht nur die juristisch richtige. In solchen Gesprächen ging es oft auch darum, dass alle ihr Gesicht wahren konnten.

Und worüber sind Sie froh, es ab dem 1. Januar nicht mehr tun zu müssen?

Das sind mehrere Sachen. Es gibt unglaublich viele mühsame Sitzungen, die ich nicht vermissen werde. Ich bin lieber draussen.

An welche Sitzungen denken Sie genau?

Die Oberamtmänner sitzen in kantonalen Kommissionen. Da gibt es spannende, wie die Sicherheits- oder die Verkehrskommission. Aber auch kleinere, weniger interessante. Ich sitze in einer – die ich nicht nennen will –, welche alle Oberamtmänner zu meiden versuchen. Am schlimmsten finde ich Sitzungen, bei denen es keinen konkreten Wert gibt: Ob die Sitzung nun stattgefunden hat oder nicht, es ändert sich nichts.

Was war rückblickend der schönste oder befriedigendste Moment in Ihrer Amtszeit?

Die Wiederwahl. Das ist eine Art Zeugnis des Bürgers und sagt etwas aus über die geleistete Arbeit und die Beliebtheit.

Gibt es Ziele, die Sie nicht erreicht haben?

Das gibt es immer. Es sind oft kleine Sachen. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember haben wir im Sensebezirk zahlreiche wichtige Verbesserungen erhalten. Dennoch gibt es immer noch keinen Bus, der nach 20 Uhr nach Überstorf fährt. Und auch der Moonliner steuert das Dorf nicht an. Wir haben dafür gekämpft, aber im Verkehr gibt es Sachen, die mathematisch nicht lösbar sind. Da muss man verschiedene Lösungen gegeneinander abwägen. Zufrieden sind nie alle.

Schweizweit in die Schlagzeilen geraten ist der Sensebezirk im Februar 2015 wegen dem Informationsabend zum Bundesasylzentrum Guglera. Die Gegner meldeten sich lautstark zu Wort. Hat dieser Abend das Wesen des sonst eher beschaulichen Sensebezirks verändert?

Ja. Auch wenn viele Brüller am Informationsabend waren, die nicht aus dem Sensebezirk stammen. Der Abend hat eine Veränderung der Wahrnehmung ausgelöst. Es war auch für mich ein kleiner Schock: Ich musste feststellen, dass es in unserem Bezirk braune Leute gibt. Zuvor hatten wir Informationsabende in Wünnewil und in Düdingen zu Asylzentren; die sind sehr gut gelaufen. Darum ging ich davon aus, dass in Giffers zwar harte Fragen kommen, der Abend aber ruhig verläuft. Aber es kam nicht gut.

Hat sich nur die Wahrnehmung des Bezirks verändert?

Viele Leute sind erschrocken – wir Sensler über uns selber. Einige haben an diesem Informationsabend unserem Bezirk einen Bärendienst erwiesen. Gleichzeitig haben wir bereits Asylzentren im Sensebezirk, die sehr gut laufen.

Der Sensebezirk ist gut aufgestellt: mit der Regionalplanung, den Verbesserungen im öffentlichen Verkehr, dem Energiestadt-Label, der tiefen Arbeitslosigkeit und gut funktionierenden Gemeindeverbänden. Als Präsident der Region Sense haben Sie diese Entwicklungen aktiv begleitet. Wie gross aber ist der Einfluss eines Oberamtmannes auf die Entwicklung eines Bezirks?

Es ist ideal, wenn der Oberamtmann auch dem Verband Region Sense vorsteht. Die Statuten schreiben das aber nicht vor. Ein Oberamtmann ist aber kein Wirtschaftsförderer, das ist klar. Ich habe das zu persönlich genommen, wenn Vorwürfe kamen, im Sensebezirk würden zu wenig Arbeitsstellen geschaffen. Dabei liegt dies alleine in der Kompetenz der kantonalen Wirtschaftsförderung. Ein Oberamtmann kann da nichts ausrichten.

Warum hatten Sie denn trotzdem das Gefühl, dafür zuständig zu sein?

Als Oberamtmann ist man auch ein Verteidiger des politischen Systems. Ich glaube aber, dass blinder Wachstumsglaube falsch ist; die Qualität des Wachstums ist wichtig. Und die Einwohnerzahl im Sensebezirk ist in den letzten zehn Jahren sehr wohl gewachsen, von 38 000 auf 44 000. Wir brauchen junge Familien im Bezirk, gerade auch in den kleinen Dörfern. Da haben wir Leute angezogen, beispielsweise mit der Baulandmesse.

Im Vergleich zu 2005 hat der Sensebezirk aufgrund der demografischen Entwicklung zwei Grossratsmandate eingebüsst. Spürt das ein Oberamtmann bei seiner Arbeit?

Nein. Es gibt immer sehr aktive und weniger aktive Grossratsmitglieder. Ein Oberamtmann nimmt direkt über einzelne Grossräte im Parlament Einfluss, beispielsweise bei Gesetzesentwürfen. Da spielt es keine Rolle, wie viele Sensler im Grossen Rat sind.

Die Arbeitszone Birch – ein Entwicklungsgebiet von kantonaler Bedeutung – wartet auf die Initialzündung, beispielsweise in Form eines grösseren Firmenansiedlungsprojektes. Woran liegt es, dass es noch nicht geklappt hat?

In den 1980er- und 1990er-Jahren war es viel einfacher als heute, Unternehmen für solche Projekte zu finden. Damals hätten die Verantwortlichen das Projekt vorantreiben müssen. Heute ist das Umfeld mit den neuen Rahmenbedingungen des Raumplanungsgesetzes viel schwieriger.

Gibt es Dinge in ihrer Amtszeit, die Sie aus heutiger Sicht anders anpacken würden?

Einzelne Sachen sicher. Im Nachhinein ist man ja auch immer schlauer. Vieles haben wir aber richtig gemacht.

Was konkret würden Sie anders machen?

Ich würde heute anders an die Fusionsfrage von Albligen herangehen. Ich war erst kurz im Amt, als es darum ging, ob das bernische Albligen den Kanton wechselt und mit Überstorf fusioniert oder ob es im Kanton Bern bleibt und mit Schwarzenburg fusioniert. Wir setzten damals auf eine Strategie des Charmes, betrieben aber keine aktive Werbung. Wir erwarteten ein klares Resultat für Schwarzenburg. Die Abstimmung fiel dann aber sehr knapp aus. Heute würde ich darum aggressiver Werbung für Überstorf machen.

Sie hatten während Ihrer Amtszeit ein ambivalentes Verhältnis zu den «Freiburger Nachrichten». Einerseits nutzten Sie die Zeitung, um Ihre Arbeit bekannt zu machen. Andererseits übten Sie immer wieder öffentlich Kritik. Warum eigentlich?

Man pflegt doch mit allen Partnern ein ambivalentes Verhältnis: Man sagt, was gut ist, aber auch, was schlecht ist. Ich sehe nicht, warum das bei einer Zeitung nicht auch so sein sollte.

Die FN publizierten in den letzten zehn Jahren Tausende Artikel mit positivem Grundton über den Sensebezirk. Und es gab den einen oder anderen Artikel sowie einige Leserbriefe mit einer kritischen Note. Sie fühlten sich oft persönlich angegriffen. Ein Magistrat sollte in der Lage sein, Kritik zu ertragen …

Ja. das muss er ertragen können. Aber wenn die FN den Lesern eine Plattform bieten, um falsche Sachen zu schreiben, dann ärgert mich das.

Sie wollen einen Verein gründen, um den FN auf die Finger zu schauen. Wie muss sich das der Leser vorstellen?

Der Verein ist noch nicht gegründet. Es gibt einige Interessierte. Ich sehe nicht ein, warum man nicht kritisch sein sollte mit Journalisten.

«Die Wiederwahl sagt etwas aus über die geleistete Arbeit und die Beliebtheit.»

Nicolas Bürgisser

Oberamtmann Sensebezirk

«Ein Oberamtmann kann in der Wirtschafts- förderung nichts ausrichten.»

Nicolas Bürgisser

Oberamtmann des Sensebezirks

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