Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Hallen, in denen die Wände reden»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Isabelle-Loyse Gremaud trinkt selber kein Bier, doch als die Brauerei Cardinal vor einem Jahr ihre Produktion einstellte, fragte sie sich, welche Folgen dies für Freiburg haben würde. Nik Talman hingegen mag Bier, und Cardinal, sagt er, sei schon immer seine Marke gewesen. Mit der Brauerei und ihrer Geschichte aber habe er sich bis vor kurzem kaum befasst.

Inzwischen sind sowohl Isabelle-Loyse Gremaud als auch Nik Talman Experten in Sachen Cardinal: Die Regisseurin und der Schauspieler haben zusammen mit drei weiteren Schauspielern ein Theaterprojekt auf die Beine gestellt, das ab Dienstag die Geschichte und die Bedeutung der Brauerei in Erinnerung rufen wird und das von den menschlichen Schicksalen erzählt, die mit der Schliessung verbunden sind. Stattfinden wird die Aufführung am einzigen Ort, der dafür in den Augen von Regisseurin Gremaud infrage kommt: in den mittlerweile völlig leer stehenden Produktionsräumen der Brauerei.

Zweisprachige Identität

Die Szenen werden an verschiedenen Orten in der Brauerei gespielt, so dass das Publikum sich in den leeren, staubigen Hallen bewegen wird, im stimmigen Dekor mit nackten Glühbirnen und unzähligen gelben Cardinal-Harassen. Eine weitere Besonderheit ist das zweisprachige Konzept der Produktion: Von den vier Schauspielern sind zwei deutscher und zwei französischer Sprache; ihre Texte sind teils Dialekt, teils hochdeutsch und teils französisch.

Für Isabelle-Loyse Gremaud war von Anfang an klar, dass sie aus dem Thema ein zweisprachiges Stück machen wollte: «Die Zweisprachigkeit war ein Teil der Identität der Brauerei Cardinal. Deutsch- und französischsprachige Angestellte arbeiteten hier Hand in Hand.»Das Stück hat sie so aufgebaut, dass auch Leute folgen können, die nicht beide Sprachen sprechen. Kernstück sind vier Monologe, zwei auf Deutsch, zwei auf Französisch, die unabhängig voneinander funktionieren. Sie basieren auf einer Reihe von ausführlichen Interviews mit rund 30 ehemaligen Angestellten.

Für das Stück mit dem Titel «Cardinal, mein Leben» kristallisierten sich vier Figuren heraus, welche die Brauerei idealtypisch verkörpern. Eine von ihnen ist ein Mechaniker, gespielt von Niklaus Talman. «Er ist ein geradliniger Mensch, der sich selber immer treu geblieben ist und bis zum letzten Tag für Cardinal gekämpft hat», sagt der Schauspieler über seine Figur. Als er die Texte zum ersten Mal gelesen habe, habe er sofort gewusst, dass er diesen Mann spielen möchte: «Das Wesen dieses Menschen hat mich berührt.»

Durch die Arbeit an dem Stück habe er ein ganz anderes Bild von der Brauerei und ihren Angestellten bekommen, so Talman weiter: «Die Schicksale der Arbeiter gehen nahe, vor allem, wenn man in diesen leeren Hallen steht, in denen die Wände reden.» Das Stück versteht er darum als «Hommage an die Arbeiter». Sie in den Monologen zum Leben zu erwecken, sei spannend und herausfordernd gewesen.

15 Aufführungen

Eine ganz andere Herausforderung war für Initiantin Isabelle-Loyse Gremaud die Finanzierung ihres Projekts: Sie erhalte zwar Unterstützung von Loterie Romande, Kanton, Agglomeration und Stadt Freiburg, habe jedoch kaum Sponsoren aus der Privatwirtschaft gefunden. Das anfänglich höher angesetzte Budget musste sie darum auf rund 100000 Franken kürzen. Sie hofft, dass die 15 geplanten Aufführungen durchschnittlich 120 Besucherinnen und Besucher anlocken werden; 150 pro Abend sind maximal möglich.

Brauerei Cardinal,Freiburg. Di., 12. Juni, bis Sa., 30. Juni. Täglich ausser So. und Mo., jeweils 20.30 Uhr. Reservation bei Freiburg Tourismus: 0263501100.

Luc Spori (l.) und Niklaus Talman sind für den deutschen Teil des zweisprachigen Stücks zuständig. Ihre Texte bewegen sich zwischen Senslerdeutsch, Berndeutsch und Hochdeutsch.Bild Corinne Aeberhard

Pro Fribourg: Eine Auswahl der Erinnerungen in Heftform

Regisseurin Isabelle-Loyse Gremaud sieht ihre Theaterproduktion als Beitrag zum kollektiven Gedächtnis: «Ich wollte die Erinnerungen der ehemaligen Cardinal-Arbeiter der Öffentlichkeit zugänglich machen.» Damit die spannenden und berührenden Geschichten nach der letzten Aufführung nicht doch in Vergessenheit geraten, hat sie sich mit den Vereinen Pro Fribourg und Histoires d’ici zusammengetan.

Pro Fribourg hat die jüngste Ausgabe seiner vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift dem Projekt gewidmet und veröffentlicht eine Auswahl der Zeugnisse der Cardinal-Angestellten, die dem Stück zugrunde liegen. Kurze historische Abrisse ergänzen den Textteil, während die meisten Illustrationen vom Fotografen Christophe Maradan stammen. Dieser hat nach der Schliessung der Brauerei mehrmals in den sich leerenden Räumen fotografiert. Beim Theater werden seine Schwarz-Weiss-Bilder als Dekor dienen.

Die Bilder zeigten, wie stark die Erinnerung an einen Ort mit den Gebäuden verbunden seien, sagte Pro-Fribourg-Präsident Jean-Luc Rime am Freitag bei der Präsentation des Heftes. Darum hoffe der Verein, dass Stadt und Kanton Freiburg dies beim Entscheid über die künftige Nutzung der Gebäude berücksichtigen und möglichst wenig am äusseren Erscheinungsbild verändern würden. cs

Das in französischer Sprache verfasste Heft ist für 18 Franken erhältlich bei Pro Fribourg, Postfach 1244, 1701 Freiburg, oder via info@pro-fribourg.ch.

Mehr zum Thema