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Handel mit dem Rohstoff «Elektrizität»

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Handel mit dem Rohstoff «Elektrizität»

Westschweizer Elektrizitätsgesellschaften gründen eigene Handelsgesellschaft in Granges-Paccot

Die sechs grössten Westschweizer Elektrizitätswerke, darunter die Freiburger Elektrizitätswerke, gehen angesichts der bevorstehenden Öffnung des Stommarktes in die Offensive. Sie gründen eine eigene Handels- und Vertriebsgesellschaft. Damit entstehen in Granges-Paccot vorerst 13, in ein paar Monaten 25 neuen Arbeitsplätze.

Die Elektrizitätsbranche steht vor einer tiefgreifenden Kulturveränderung, welche endgültig Abschied vom Monopoldenken der Anbieter nehmen und den Kunden Wahlmöglichkeiten geben wird. Erst am Mittwoch hatte der Nationalrat im Grundsatz grünes Licht für die Liberalisierung des Strommarktes gegeben, als er beschloss, auf das Elektrizitätsmarktgesetz einzutreten. Das hauptsächliche Ziel dieser Öffnung besteht in der Senkung der Elektrizitätspreise für alle Konsumenten. Man erwartet, dass der Strom dadurch um 30-50 Prozent billiger wird.

Gemeinsame Offensive

Bereits im letzten Sommer sind drei bedeutende Firmen der Westschweizer Elektrizitätswirtschaft, darunter die FEW, eine «strategische Allianz» eingegangen, um gemeinsam der Öffnung der Märkte zu begegnen. Schon damals haben sie angekündigt, dass zu Beginn des Jahres 2000 eine gemeinsame Gesellschaft für Trading und Kommerzialisierung von Energie geschaffen wird, dies unter Beteiligung einer skandinavischen Gesellschaft (FN vom 22. Juni 1999 und Kasten).

Gestern haben nun die sechs grössten Westschweizer Elektrizitätswerke in Lausanne die Gründung der in Aussicht gestellten Gesellschaft für Elektrizitätshandel und -vertrieb angekündigt. Sie trägt den Namen «Avenis Trading SA». Gründungsaktionäre sind die Elektrizitätsgesellschaften der Kantone Freiburg (FEW), Neuenburg, Waadt und Wallis sowie die Industriellen Betriebe Genf. Die Industriellen Betriebe Lausanne werden nach dem Entscheid des Gemeinderates hinzustossen. Jeder Aktionär hat einen Sitz im Verwaltungsrat und beteiligt sich mit vier Mio. Franken am Aktienkapital. Den Vorsitz des Verwaltungsrates hat der Direktor der Waadtländer «Energie Romande», Jacques Rossat, inne.

Guter Fang für Freiburg

Als Sitz der neuen Gesellschaft «Avenis Trading SA» wurde die Freiburger Vorortsgemeinde Granges-Paccot gewählt. Das Unternehmen startet, wie gestern in Lausanne gesagt wurde, mit 13 Mitarbeiterinnen. Nach Anpassung bestehender Strukturen soll der Bestand bereits in ein paar Monaten auf 25 Personen erhöht werden.

Wie ebenfalls bereits im letzten Jahr angekündigt, ist mit der norwegischen Gruppe SKM ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen worden. Es handelt sich dabei gemäss Angaben der gestrigen Medienorientierung um «eines der erfahrensten europäischen Unternehmen im Bereich des Elektrizitätsgeschäftes» und hat in der Verwaltung und im Handel von Energie-Portefeuilles bereits grosse Erfahrung.

Management von Energie-Portfolios

Damit dieses Know-how nun sofort und unmittelbar der neuen Gesellschaft, die in der Westschweiz Neuland betritt, zugute kommt, liegt die operationelle Leitung der «Avenis Trading SA» für einen ersten Zeitraum von einigen Monaten in den Händen von Tom Hefting, Vizepräsident der SKM-Gruppe. Laut Vertrag stellt der nordische Leader der neuen Gesellschaft in Granges-Paccot nicht nur sein gesamtes Wissen, sondern auch personelle Kompetenz zur Verfügung.

Gemäss Verwaltungsratspräsident Rossat ist es Aufgabe der neuen Gesellschaft, den Partnern Zugang zum Elektrizitätsmarkt zu verschaffen. Dabei erstreckt sich die Tätigkeit von der Verwaltung der Energie-Portfolios (Produktionskapazität, Kauf- und Verkaufsverträge) bis zum Handel mit der elektrischen Energie, die heute als echter Rohstoff wie andere Märkte betrachtet wird. Es geht also darum, einen Service sicherzustellen, der es den Kunden, das heisst den beteiligten Elektrizitätsgesellschaften erlaubt, sich jederzeit zu den besten Marktbedingungen zu versorgen.

Avenis auch in Frankfurt

Angesichts der wachsenden Liberalisierung in Europa ist nach Überzeugung der Verantwortlichen des neuen Gemeinschaftsunternehmens abzusehen, dass Elektrizität wie die übrigen Rohstoffe bald auch bei uns an spezialisierten Börsen gehandelt wird, wie das in Skandinavien und den Niederlanden bereits der Fall ist.

In Frankfurt soll im Laufe dieses Jahres eine Europäische Energiebörse (EEX) ins Leben gerufen werden. Avenis Trading wird da von Anfang an eine privilegierte Position innehaben, da ein Mitglied ihres Führungsstabes einer der drei Schweizer Vertreter in der Arbeitsgruppe ist, die mit der Erarbeitung der Regeln beauftragt ist. Ein Anteil Kapital an der EEX ist bereits gezeichnet.

Nach Meinung der Gründer von Avenis Trading sind die neuen Möglichkeiten im Elektrizitätshandel, die bereits bestehen und sich weiter abzeichnen, «das unerlässliche Werkzeug, um auf dem Schweizer Markt gegenüber der europäischen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu sein.» Die jetzt eingeschlagene einheitliche und gemeinsame Strategie sei die Antwort auf die Öffnung des Stromversorgungsnetzes in Kontinentaleuropa.

Walter Buchs

Hartes Ringen
hinter den Kulissen

«Der strategische Zusammenschluss der Westschweizer Grossversorger wird Wirklichkeit», haben die Westschweizer Elektrizitätsgesellschaften in der Einladung zur gestrigen Pressekonferenz verkündet. Die Gründung einer «Gesellschaft für Energiehandel und
-vermarktung» hatten sie schon vor neun Monaten angekündigt. In der Zwischenzeit ist aber nicht nichts passiert.

Seit 81 Jahren gibt es mit der «Energie-Ouest-Suisse» EOS eine gemeinsame Produktionsgesellschaft, die auch die optimale Verteilung regelt. Schweizer Strom kostet aber bedeutend mehr als ausländischer. Und angesichts der Marktöffnung müssen die Westschweizer Gesellschaften ihre Marktstellung auch mit Einkauf von billigem (ausländischem) Strom sicherstellen.

Das hat in den letzten Monaten innerhalb der EOS, die vor der Marktöffnung noch dringend ihre Überschuldung regeln sollte, zu Unstimmigkeiten geführt. Verwaltungsratspräsident Georges Blum, früher oberster Chef des SBV, hatte von den Hauptaktionären von EOS, darunter die FEW, im Herbst ein bedingungsloses Engagement verlangt, um die Gesellschaft zu restrukturieren.

Ob das angesichts des Tempos, welches die Öffnung des Strommarktes eingeschlagen hat, noch möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Auf alle Fälle ist es Georges Blum nicht gelungen, mit den Hauptaktionären eine gemeinsame Strategie festzulegen, obwohl diese in einer Konvention vom Januar 1999 ihre gemeinsame Absicht bestätigten, die EOS bei der Definition einer Strategie zu unterstützen. Nach weniger als zwei Jahren hat er deshalb im Januar bereits den Rücktritt angekündigt.

Am 22. März wird nun ein neuer Präsident der EOS gewählt. Dafür scheint sich der Freiburger Wirtschaftsanwalt Dominique Dreyer zu interessieren, mit echten Wahlchancen. Als Rechtskonsulent hat er sich mit dem Thema «Strommarktliberalisierung» bereits eingehend befasst. wb

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