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Handlungsbedarf aus Armutsperspektive

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Die Frage nach Chancengerechtigkeit beschäftigt die Bildungsforschung seit längerem. Studien bestätigten jüngst die Bedeutung der sozialen Herkunft für die Ungleichbehandlung im Schweizer Bildungssystem. So stammen zwei Drittel aller jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss aus einem Elternhaus ohne berufliche Grundausbildung. Während mehr als ein Drittel aller Kinder aus Akademikerfamilien einen tertiären Bildungsabschluss schafft, sind es bei Kindern mit Eltern ohne nachobligatorische Bildung nur zehn Prozent. Das heisst, die soziale Herkunft beeinflusst den Bildungsweg stark. Die Bildungsmobilität ist relativ gering. Noch allzu oft gilt: Wie die Mutter, so die Tochter.

Frühe Kindheit ist zentral

Kinder brauchen ein anregendes Umfeld, um ihr Potenzial zu entwickeln. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend. Verschiedene Spielformen, drinnen und draussen, mit anderen Kindern, altersdurchmischt, aber auch singen, zuhören, streiten: Das alles will gelernt sein. Kinder aus armutsbetroffenen Familien geraten häufig ins Hintertreffen und tragen die Konsequenzen daraus ein Leben lang. Die ungleichen Startchancen können während der obligatorischen Schulzeit nicht wettgemacht werden. Untersuchungen zeigen hingegen, dass Kinder, welche ein Vorschulprogramm absolvieren, bessere Schulleistungen, höhere Bildungsabschlüsse, tiefere Klassenwiederholungsraten und eine bessere Gesundheit aufweisen. Aus der Armutsperspektive ist die frühe Kindheit zentral für die spätere Entwicklung. Von früher Förderung profitieren alle Kinder, Kinder aus benachteiligten Familien aber überdurchschnittlich.

Die Rolle der Schule

Auch wenn die obligatorische Schule Ungleichheiten nicht aus der Welt schafft, kann sie diese dennoch vermindern oder verstärken. Hier zeigt sich, dass Schulsysteme, welche die Schülerinnen und Schüler nach Leistung trennen und eine frühe Selektion auf der Sekundarstufe vollziehen, Ungleichheiten im Kompetenzerwerb erhöhen. Mit anderen Worten: Eine frühe Unterteilung in Real- und Sekundarschule oder Untergymnasium generiert mehr Ungleichheit. Im Gegensatz dazu schneiden durchlässige Schulsysteme hinsichtlich Chancengerechtigkeit besser ab. In diesen spielt die soziale Herkunft eine kleinere Rolle.

Frühe Förderung landesweit

Derzeit bestimmt die soziale Herkunft die Lebenschancen in der Schweiz massgeblich. So sind armutsbetroffene Kinder im Erwachsenenleben oft selbst wieder von Armut betroffen. Aus Armutsperspektive liegen die Schritte für mehr Chancengerechtigkeit auf der Hand. Erstens braucht es landesweit qualitativ gute und bezahlbare frühe Förderung, welche die Kinder ressourcenorientiert stärkt, und zweitens sind die kantonalen Schulsysteme durchlässig und integrativ zu gestalten.

Rahmenbedingungen schaffen

Wollen wir Armut in der Schweiz konsequent bekämpfen, müssen wir Rahmenbedingungen dafür schaffen. Die in der Sommersession beschlossenen Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung des Bundes gehen in die richtige Richtung. Gerade Eltern mit Jobs im Niedriglohnbereich arbeiten oft auf Abruf, haben unregelmässige Arbeitszeiten und arbeiten abends oder an Wochenenden. Sie können herkömmliche Angebote zur Kinderbetreuung kaum nutzen, was es ihnen erschwert, ein existenzsicherndes Einkommen zu erwirtschaften. Zudem können sich einkommensschwache Eltern familienexterne Betreuung häufig gar nicht leisten. Es ist an den Kantonen und Gemeinden, ihr Schulsystem auf Chancengerechtigkeit zu trimmen. Die Investitionen in die Bildung lohnen sich. Sie werden die Armut reduzieren.

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