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Hart am Wind

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ein eisiger Wind weht an diesem Dezembertag durch die Strassen, der Hochnebel hüllt das Städtchen Murten in einen grauen Schleier. Warm eingepackt mit Schal und Mütze eilen die Leute durch ein Gemisch aus Regen und Schnee, das vom Himmel fällt und den bevorstehenden Winter ankündigt. Joshua Richner und Max Haenssler sitzen derweil drinnen an der wohligen Wärme der Hotelbar. Irgendwie wollen die beiden nicht so richtig zum winterlichen Szenario auf der anderen Seite der Fensterfront passen. Mit ihrem braun gebrannten Teint sehen sie aus, als wären sie gerade eben aus den Sommerferien zurückgekehrt. Im sonnigen Süden sind die beiden tatsächlich in der Woche davor gewesen, allerdings nicht in den Ferien. Die beiden Segler haben sich in Portugal auf die bevorstehende U23-Junioren-EM vorbereitet. In Villamoura, im Süden des Landes, messen sich die beiden in den kommenden Tagen in der olympischen Bootsklasse 49er mit der europäischen Konkurrenz.

Im nationalen C-Kader

Joshua Richner ist 17, wohnt in Courgevaux und absolviert an der Berner Sportschule ­Feusi die Handelsschule. Max Haenssler ist 22, lebt in Farva­gny und studiert an der Uni Freiburg Betriebswirtschaftslehre. Seit einem guten Jahr sitzen die beiden im gleichen Boot. Bei Swiss Sailing, dem schweizerischen Verband für Segelsport, gelten die beiden als High-Potential-Athleten. Zusammen mit sieben anderen Athletinnen und Athleten wurden sie kürzlich ins nationale C-Kader aufgenommen und werden auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris hin aufgebaut. Einst sollen Richner und Haenssler die Nachfolger von Sebastien Schneiter und Lucien Cujean werden, den momentan erfolgreichsten Schweizer 49er-Seglern.

Die 49er, deren Name sich von der Rumpflänge des Boots (4,99  m) ableitet, ist eine von rund 80 internationalen Bootsklassen und eine der acht olympischen. Da es sich um eine Einheitsklasse handelt, müssen die Boote sehr strikt gefassten Regeln entsprechen. Nur bestimmte Bootsbauer dürfen sie überhaupt herstellen. Die Höhe des Mastes (8,5  m) ist ebenso definiert wie das Gewicht des Rumpfs (94  kg), die Grösse der drei Segel Gennaker, Grosssegel und Selbstwendefock (59,2  m²) oder das Gewicht der Besatzung (ca. 160  kg).

Die Chemie passt

Die Besatzung der modernen Jollen besteht jeweils aus einem Vorschoter und einem Steuermann. Vorschoter Richner setzt die Segel und ist verantwortlich für Geschwindigkeit und Stabilität des Bootes. Steuermann Haenssler lenkt und bestimmt die Taktik, was immer in gegenseitiger Absprache geschieht. «Wir erreichen bis zu 30 Knoten (56  km/h, Red.). Da muss man in den Regatten oft schnell Entscheidungen treffen», erklärt Richner. Deswegen sei es wichtig, dass man sich gut verstehe und sich reibungslos austauschen könne.

Dass die Chemie zwischen den beiden Seglern passt, spürt man im Gespräch mit ihnen. Intuitiv weiss jeder, wann er auf die Fragen antworten soll und wann der andere. Nie reden beide gleichzeitig los, stets lassen sie den anderen ausreden. Richner ist dabei derjenige, der öfter das Wort ergreift. «Das ist so», bestätigt er. «Max ist eher zurückhaltend und reflektiert. Er überlegt immer gut, bevor er etwas macht.» Haenss­ler nickt. «Diesbezüglich unterscheiden wir uns grundlegend. Joshua ist der Bauchmensch, macht aber intuitiv das Richtige. Zudem ist er sehr lehrfähig.» Obwohl sein Partner erst seit einem Jahr mit dem 49er segle, sei er besser als manch anderer nach fünf Jahren. «Joshua ist extrem athletisch, er hat für einen 17-Jährigen sehr viel Kraft.»

Die Muskeln sind in mühsamer Arbeit antrainiert. Drei- oder viermal pro Woche gehen die beiden ins Krafttraining. «Segeln ist ein sehr komplexer Sport, eine gute körperliche Fitness allein reicht nicht», präzisiert Haenssler. Die mentale Stärke, die Taktik oder die Materialauswahl seien ebenso entscheidend für den Erfolg. «Diese Vielseitigkeit macht den Reiz des Segelns aus.»

Saison kostet 100 000 Franken

Um konkurrenzfähig zu bleiben, trainieren die Freiburger regelmässig zusammen. Auf den Schweizer Binnenseen herrschen allerdings zu wenig verlässliche und zu wenig anspruchsvolle Windverhältnisse, weshalb die beiden vor allem im Ausland unterwegs sind. «Wir sind jeden Monat rund 12 Tage zusammen auf dem Wasser», sagt Richner. «Dabei trainieren wir immer dort, wo unsere nächste Regatta stattfindet.» Sechs Rennen haben er und sein Steuermann in diesem Jahr bereits bestritten, entsprechend oft mussten sie Boot, Mast, Segel und alles andere Material von A nach B transportieren. Ein enormer logistischer Aufwand – und ein materieller. «Eine Saison kostet uns 100 000 Franken», sagt Haenss­ler. «Rund 15 Prozent sind durch Sponsoren, öffentliche Gelder von Loterie Romande und Sporthilfe sowie von Swiss Sailing, das die Hälfte der Trainerkosten bezahlt, gedeckt. Den Rest müssen wir selbst finanzieren.» Wir, das sind im Fall der beiden Studenten die Eltern.

Viel Geld, ohne das im Segelsport jedoch nichts zu holen ist. Und der finanzielle Aufwand könnte in den kommenden Jahren sogar bis auf das Doppelte anwachsen, denn Richner/Haenssler müssen altersbedingt ab nächster Saison bei der Elite mitsegeln. Im Sommer 2021 werden die beiden ihre Ausbildung beenden, im Herbst dann in die Spitzensport-RS eintreten. «Danach steigen wir voll ins Olympia-Projekt 2024 von Swiss Sailing ein und setzen ausschliesslich auf den Sport», erklärt Richner.

«Glauben an ihr Potenzial»

Die Vision und das Ziel von Swiss Sailing ist es, dass sich Schweizer Segler nachhaltig in der Weltspitze etablieren und regelmässig Medaillen an Welt- und Europameisterschaften sowie an Olympischen Spielen gewinnen. «Joshua und Max haben ein ganz klares Commitment zu Paris 2024 abgegeben», freut sich Tom Reulein, Chef Leistungssport von Swiss Sailing. «Joshua ist ein hochgradig talentierter Junge. Max hat wohl etwas weniger Talent, dafür ist er ein Arbeiter par excellence. Diese Kombination macht, dass wir an ihr Potenzial glauben und sie im nächsten Jahr bei der Elite Erfahrungen sammeln können.» Sie würden sich auf diesem Niveau bestimmt die eine oder andere blutige Nase holen, führt Reulin weiter aus. So könne aber dann Bilanz gezogen werden. «Man muss realistisch sein. Der Sport ist zu teuer und zu zweitaufwendig, um ohne Aussicht auf Spitzenplätze weiterzumachen.»

Vorher aber steht für Richner und Haenssler die U23-EM an: Drei Schweizer Teams sind am Start, an vier Tagen sind je drei Rennen plus das Medal­race zu absolvieren. «Wir hoffen auf einen Platz in den Top 5», sagt Richner mit Blick auf das Feld von rund 50 Booten.

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