Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Häusliche Gewalt ist keine Privatsache»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Seit 2004 gelten Gewalttaten in der Ehe oder in einer Partnerschaft schweizweit als Offizialdelikte. Das bedeutet: Die Polizei und die Justiz müssen Verdachtsfälle von Amtes wegen verfolgen. Daraufhin stiegen 2005 bis 2010 im Kanton Freiburg die Verdachtsfälle häuslicher Gewalt von 430 auf 700; Opfer waren Frauen, Männer und Kinder. «Durch die Nulltoleranzgrenze müssen die Beamten jeden Verdacht von Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft zur Anzeige bringen, weshalb die Zahlen in den ersten Jahren angestiegen sind», erklärt Polizeisprecher Bernard Vonlanthen den FN. Seit 2011 sind die Zahlen jedoch rückläufig – 2017 erhielt die Kantonspolizei 545 Meldungen. Die Polizei vermute, dass die Anwendung der erweiterten Gesetzeslage einen präventiven Charakter habe. «Es kann aber auch sein, dass die Fälle weniger gemeldet werden. Wir können die Dunkelziffer nicht benennen», führt Vonlanthen weiter aus.

Opfer hat letztes Wort

Unter häuslicher Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft fallen Straftaten wie einfache Körperverletzung, wiederholte Tätlichkeit, Drohung, se­xuelle Nötigung und Vergewaltigung. Von 2014 bis 2017 beschäftigte sich die Freiburger Staatsanwaltschaft pro Jahr durchschnittlich mit 170 Fällen – einer davon behandelte das Strafgericht in Tafers am vergangenen Donnerstag (siehe Kasten). Noch vor der Gesetzesänderung wurden entsprechende Taten nur strafrechtlich verfolgt, wenn ein Opfer eine Anzeige erstattete. Heute muss die Staatsanwaltschaft das Opfer und den Beschuldigten vorladen, wenn ein Verdacht von häuslicher Gewalt vorliegt. Im Unterschied zu anderen Offizialdelikten hat das Opfer jedoch die Möglichkeit zu sistieren, also vorläufig das Strafverfahren für sechs Monate unterbrechen – ausser es handelt sich um sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung. «Wir müssen das Verfahren einstellen, wenn das Opfer keine Wiederaufnahme verlangt», erläutert die Staatsanwältin Christiana Dieu-Bach den FN. Wie viele Strafverfahren jährlich sistiert werden, sei in der Statistik nicht ersichtlich.

Jugendliche sensibilisieren

Das Frauenhaus Freiburg beriet im vergangenen Jahr rund 500 Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. «Seit der Gesetzesänderung gab es bei den Anzahl Fällen keine radikalen Veränderungen», sagt Martine Lachat Clerc, Direktorin des Frauenhauses Freiburg und der Opferberatungsstelle, auf Anfrage. Die neue Gesetzeslage habe vielmehr politischen Einfluss gehabt. «Die Botschaft war klar: Häusliche Gewalt ist keine Privatsache.» Der Staatsrat hat die kantonale Kommission gegen Gewalt in Paarbeziehungen beauftragt, ein Aktionskonzept umzusetzen, das diesen Sommer präsentiert wird.

Die Polizeibeamten können nun handeln, wenn ein Verdacht auf Gewalttaten in der Ehe besteht. «Dies ist ein Vorteil für das Opfer. Es ist vom Vorwurf seines Partners befreit, ihn eigenmächtig angezeigt zu haben», sagt Lachat Clerc. Häusliche Gewalt sei aber immer noch ein Tabu­thema: «Die Opfer fühlen sich schuldig und beschämt.» Ein Täter könne nach aussen den Schein waren, zu Hause allerdings gewalttätig sein. «Die Opfer haben Angst, dass wir ihnen nicht glauben.» Es bestehe deshalb immer noch Bedarf, Jugendliche zu sensibilisieren in Bezug auf Gewalt in der Beziehung. «Auch bei Fachleuten muss das Bewusstsein für häusliche Gewalt geschärft werden, so beispielsweise bei den Ausbildungen im Bereich Polizei, Gesundheit und Bildung», sagt die Direktorin. Polizeisprecher Vonlanthen fügt dazu an, dass die Kantonspolizei bereits seit Jahren ihre ­Beamten spezifisch schult und sensibilisiert.

Strafgericht Tafers

Vorwurf der Vergewaltigung während der Ehe

Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Drohung, einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten und Verletzung der Verkehrsregeln – dies steht in der Anklageschrift eines Mannes, der sich am Donnerstag vor dem Strafgericht in Tafers verantworten musste. Opfer seiner mutmasslichen Gewalttaten war seine Ehefrau.

Im Zeitraum von 2015 bis 2016 soll der Mann das Opfer zwei Mal zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Zudem habe er sie mehrmals beschimpft, bedroht und gestossen, wie das Opfer am Donnerstag vor Gericht aussagte. Bei der ersten Vergewaltigung hatte ihr Sohn sie aus dem Schlafzimmer holen müssen, weil sie von ihrem Mann festgehalten wurde. Bei der zweiten habe sie eine gequetschte Rippe davongetragen, die heute noch schmerze, sagte die Frau. «Ich habe versucht, mich zu wehren, doch nach einer gewissen Zeit war ich zu müde.» Ihre Tochter sei heute in psychologischer Behandlung, ihr Sohn weiche den Gesprächen über die Ereignisse aus.

Seine Frau habe sich das alles nur ausgedacht, sagte der Beschuldigte bei der Befragung durch Gerichtspräsident Peter Rentsch. Der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen. «Zuerst sagte sie immer ‹Nein›. Doch sobald ich sie berührt habe, wollte sie es auch.» Das Opfer habe immer nur mehr Geld verlangt, sagte der Angeklagte. Zudem sei er überzeugt, dass seine Ehefrau ihn mehrmals betrogen habe.

Weiter soll der Mann bei einer Autofahrt den Sitz des Opfers hin- und herverschoben haben, als es am Steuer war. Dies sei nicht möglich, da sich der Hebel auf der linken Seite befinde, sagte der Beschuldigte vor Gericht aus. Die Frau hingegen beteuerte, dass sich der Hebel unterhalb des Sitzes befinde.

«Glaubhaft und konstant»

Die Freiburger Staatsanwältin Christiana Dieu-Bach plädierte in allen Anklagepunkten auf schuldig und beantragte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. «Die Aussagen des Opfers sind glaubhaft und konstant, die des Beschuldigten sind konfus», sagte Dieu-Bach.

Patrik Gruber, Anwalt des Opfers, bezweifelte, dass seine Mandantin alles erfunden habe, nur um ihren Mann loszuwerden. Er plädierte ebenfalls auf schuldig und beantragte eine obligatorische Landesverweisung des Angeklagten, der aus Rumänien stammt.

Sein Mandant sei wegen falschen Anschuldigungen vor Gericht, sagte der Rechtsanwalt des Beschuldigten, Benoît Sansonnens. Er plädierte auf Freispruch in allen Anklagepunkten. Der Gerichtspräsident wird sein Urteil kommende Woche fällen.

jp

Mehr zum Thema