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Heim: Niemand fragte nach der Biografie

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Er war irgendwo zwischen Gurmels und Jeuss unterwegs, wollte gerade einen Steg über die Bibera überqueren, da verlor der Gyoth Ärnschtu das Gleichgewicht und fiel in den Bach. Man fand ihn dort; er hatte sich den Fuss verstaucht. Da wurde Gyoth gefragt, ob er wieder in den Bunker wolle. Er antwortete: «Nein, in diese Sauerei will ich nicht mehr zurück.»

So kam es eines Tages im Jahr 1974, dass der Gyoth Ernst nach rund einem Vierteljahrhundert im Bunker ins Altersheim Jeuss einzog. Der damalige Heimleiter Rolf Bischoff erinnert sich: «Er hat nichts mitgenommen ins Heim. Er hatte keine Sachen, an denen er hing, kein Mobiliar, höchstens ein Sackmesser.»

Man sei gespannt gewesen, wie Gyoth reagieren würde. Als Privileg gab man ihm ein Einzelzimmer unter dem Estrich. «Vom ersten Tag an hat er einen Besen in die Hand genommen und das Treppenhaus gewischt, vom Keller bis zum Estrich», erinnert sich Bischoff. Er sei ein problemloser Heimbewohner gewesen, sei pünktlich zum Essen gekommen, wenn geläutet wurde, und er ass, was auf den Tisch kam.

«Gyoth hat sich nie um Arbeit gerissen», so Bischoff. «Aber er ist nie jemandem zur Last gefallen. Heute würde er mehr als eine Million kosten.» Damals kostete ein Pflegetag im Heim Jeuss noch Fr. 8.50. «Mit der AHV konnte man das spielend bezahlen», sagt Bischoff. Damals sei es absolut kein Problem gewesen, wenn einer ohne Papiere kam. Man sei da viel toleranter gewesen. Es kamen öfters Originale ins Greisenasyl Jeuss, und da habe niemand nach Biografien gefragt.

Auch Pfarrer Fritz Brechbühl hat den Gyoth Ernst manchmal im Heim besucht. Er habe Ärnschtu als Mensch so genommen, wie er war, und versucht, ihm Zuneigung zu geben. Über einen kurzen Schwatz hinaus sei das aber nie gegangen.

Der Gyoth Ärnschtu starb am 23. Oktober 1977 nach einer Krankheit im Spital in Merlach. Heimleiterin Annemarie Bischoff teilte ihrem Mann die Nachricht vom Tode Gyoths per Telefon mit. Sie sagte ihm, sie sei traurig, dass so gute Menschen sterben müssten. uh

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