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HFR-Standorte sind infrage gestellt

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«Wenn wir die Kosten für den Betrieb mehrerer Standorte nicht mit einem erheblichen Betrag an neuen öffentlichen Mitteln decken können, wird es nicht mehr möglich sein, das derzeitige Leistungsangebot an unseren verschiedenen Standorten aufrechtzuerhalten.»

Dies sagte Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud gestern an einer Medienkonferenz des Freiburger Spitals (HFR). Einen Monat vor dem Rücktritt Menouds und ein halbes Jahr nach Amtsantritt des neuen Generaldirektoren Marc Devaud orientierte das Spital über den Stand der Dinge sowie die Zukunft.

Das HFR befindet sich in einer angespannten Finanzlage (siehe Kasten unten links). Dies bereitet der Führung Sorge und wird zu einer neuen strategischen Ausrichtung führen. Sie soll bis Sommer 2019 in ihren Grundzügen stehen. «Dies wird die erste Aufgabe des neuen Verwaltungsrats sein. Die Spitalleitung braucht diese klare Linie, um insgesamt kohärent zu handeln», so Menoud.

Zwei Studien als Basis

«Wir haben zwei Studien in Auftrag gegeben», sagte Spitaldirektor Marc Devaud. «Eine betrifft die Struktur mit mehreren Standorten, eine andere die Marktsituation mit den medizinischen Spezialitäten.»

Folgerungen aus diesen Studien wollten die Verantwortlichen gestern noch keine bekannt geben. «Wir werden in der Direktion daraus ein Strategiepaket mit einer oder zwei Varianten ausarbeiten, die wir mit dem neuen Verwaltungsrat diskutieren», so Devaud.

Erkenntnisse aus der Multi­standort-Studie hatte aber Philippe Menoud kürzlich in einem Interview mit der Zeitung «La Liberté» angetönt. Er sagte dort, das HFR überlege sich eine Konzentration der akuten Pflege am Standort Freiburg während Tafers und Riaz zu Kompetenzzentren etwa in der Rehabilitation und Geriatrie werden. Der Operationsblock Tafers komme 2025 an das Ende seiner Lebensdauer und würde seiner Meinung nach nicht mehr erneuert. Zahlen nannte er im Interview keine, aber das Sparpotenzial sei bedeutend.

«Ich wurde um meine Meinung gefragt, und habe diese geäussert», so Menoud gestern. Wenn auch der neue Verwaltungsrat über die zukünftige Strategie entscheiden müsse, so wolle er sich nicht vorwerfen lassen, nichts vorbereitet zu haben.

Generaldirektor Marc Devaud sagte: «Ich will die Planung so schnell wie möglich vorantreiben.» Er begreife, dass dies zu Ängsten führe. «Aber es ist nichts entschieden. Wenn wir die einzelnen Standorte behalten könnten, wäre das schön. Doch es ist im allgemeinen Interesse, einen dauerhaften Zustand zu schaffen. Deshalb arbeite ich an einem vollständigen Strategiepaket, das es uns erlaubt, in Zukunft in Ruhe zu arbeiten.»

Fallzahlen für Mediziner

Ebenfalls zu einer Konzen­tration gewisser Spezialitäten könnte ein Urteil führen, das das Zürcher Obergericht dieses Jahr getroffen hat. Die Zürcher Gesundheitsdirek­tion wollte minimale Fallzahlen nicht nur für einzelne Spitäler, sondern sogar für einzelne Ärzte einführen. Diese wehrten sich gegen eine solche Liste, doch das Gericht entschied gegen sie. Gemäss Devaud kann dies bald auch für Freiburg Auswirkungen haben. Er sagte, die Freiburger Gesundheitsdirektion habe zwar noch keine solchen Absichten geäussert. Doch Chefarzt Rolf Wymann meinte, dass eine solche Liste auch von Ärztegesellschaften kommen könnte. Als Konsequenz müssten Spezialisten an einem zentralen Standort arbeiten, um auf die Fallzahlen zu kommen.

Bereits das laufende Jahr stand unter dem Eindruck zweier Audits: eines zur Unternehmensführung und eines zum Finanzmanagement. Das erste Audit hat zur Folge, dass ein neu zusammengesetzter Verwaltungsrat die Geschicke des Spitals übernimmt. Noch ist dieser aber nicht bestimmt. Die Direktion rechnet, dass es Februar, März oder April wird.

Das Audit durch das Finanz­inspektorat hat 72 Massnahmen vorgeschlagen. Von diesen sind heute 13 beendet und zur Validierung weitergeleitet worden. 57 sind am Laufen und zwei verzögern sich, so das Herstellen eines finanziellen Gleichgewichts.

Weiter ist eine Arbeitsgruppe des HFR und der Gesundheitsdirektion daran, zu überprüfen, was als gemeinwirtschaftliche und andere Leistungen anerkannt wird. Das HFR erwartet dazu zusätzliche Mittel vom Kanton, dieser wird aber für 2019 keine solchen gewähren. Menoud meinte dazu: «Wir sind überzeugt, dass jede Seite einen Schritt auf die andere zugehen muss, um zu einer annehmbaren Budgetlösung zu gelangen.»

Finanzen

Das Betriebsdefizit 2018 dürfte geringer sein als budgetiert

Für das Betriebsjahr 2018 hatte das Freiburger Spital ein Defizit von 21 Millionen Franken vorgesehen. Nach knapp elf Monaten zeichnet sich ein leicht besseres Ergebnis ab. Gemäss HFR-Generaldirektor Marc Devaud könnte sich der Fehlbetrag für das ganze Jahr auf ungefähr 18 bis 19 Millionen Franken belaufen.

Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud betonte, dass dies als Erfolg zu werten sei. Ein erster Entwurf des Budgets hatte noch ein Defizit von 31  Millionen Franken vorgesehen. Daraufhin wurde es um eine Kostensenkung von fünf Millionen Franken bei den Löhnen und Mehreinnahmen von fünf Millionen Franken korrigiert.

Tarifverhandlungen laufen

Das Budget 2019 dürfte nun wieder in einem ähnlichen Rahmen ausfallen wie jenes von 2018. «Würden wir vom Staat zusätzliche 15 Millionen Franken für gemeinwirtschaftliche Leistungen erhalten, sähe die Situation ganz anders aus», so Menoud.

Eine zusätzliche Belastung für das HFR werden 2019 die Pauschaltarife. Seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 2012 sind sich das Spital und der Kanton einerseits und die Krankenversichererorganisation Tarif­suisse andererseits nicht einig über die Höhe der Pauschaltarife für stationäre Fälle. Das HFR ging von bis zu 1000  Franken höheren Kosten pro Fall aus als die Versicherer. Dieses Jahr hat das Bundesverwaltungsgericht befunden, dass die beiden Parteien ihre Differenzen untereinander ausräumen müssen. Gemäss Devaud haben erste Gespräche dazu stattgefunden. Statt wie erhofft um 25 Franken müsse das HFR die Pauschale wohl um bis zu 100 Franken senken. Die Versicherer wollen aber noch tiefer gehen. Findet man sich nicht, muss wohl erneut die Justiz entscheiden.

uh

Anästhesiepflege Tafers

Chefarzt spricht vom Ende eines Sonderfalls

Zur Steigerung der Effi­zienz und zum Einsparen von Kosten hat das Freiburger Spital mehrere Massnahmen getroffen, die in diesen Tagen umgesetzt werden. So ist der Operationstrakt in Riaz seit dem 1. November nachts von 19.30 bis 7.30 Uhr geschlossen, und die Sterilisation ist in Freiburg konzentriert. Am 1.  Dezember wird in Tafers und Riaz die Anästhesie reorganisiert. Zudem werden in Riaz vier Überwachungsbetten geschlossen, dafür zwei Überwachungsbetten in der Notaufnahme angesiedelt. Von diesen Massnahmen erhofft sich das HFR Einsparungen von drei Millionen Franken.

Im Sensebezirk hat vor allem die Änderung im Bereich der Anästhesiepflege für Unmut gesorgt (FN von gestern). Da das Anästhesiepersonal in der Nacht und am Wochenende nicht voll ausgelastet ist, soll dessen Aufgabe nun der Notaufnahme übertragen werden. Die Sensler Ärzte und Pro Akut Tafers befürchten eine Gefährdung der Patienten.

Rolf Wymann, Chefarzt und Mitglied der Medizinischen Direktion des HFR, wies diese Kritik an der gestrigen Medien­konferenz zurück. Er habe es in seiner Berufslaufbahn noch nie erlebt, dass sich Hausärzte um die Organisation eines Spitalbetriebs kümmern. Auch sei die bisherige Lösung mit einer durchgehenden Anästhesiepflege weitherum einmalig. «Auch in Merlach und Billens haben wir Fachbereiche mit Risiken, ohne permanente Anästhesiepflege. Und in Riaz wird dieselbe Massnahme akzeptiert.» Auch das Spital Langnau habe eine gleiche Struktur wie Tafers, obwohl dort die Distanzen grösser seien. Laut Wymann sei Tafers immer schon für leichtere Fälle und Freiburg für schwerere vorgesehen gewesen. «Aber ich verstehe, dass es für Deutschfreiburg eine Lösung braucht.»

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Pilotprojekt

Die Aufenthaltsdauer wurde deutlich gesenkt

Als einer der Gründe für das hohe Betriebsdefizit wurde beim Freiburger Spital oft die im schweizerischen Vergleich hohe Aufenthaltsdauer stationärer Patienten genannt. Dagegen hat das Spital in diesem Jahr Massnahmen eingeleitet. Im Rahmen eines Pilotversuchs wurde versucht, die Aufenthaltsdauer in den Kliniken für Chirurgie, Orthopädie und Innere Medizin am Standort Freiburg zu senken. Diese Schritte waren erfolgreich. Wie das Spital gestern mitteilte, ist von Ende 2017 bis Ende Oktober 2018 in diesen Kliniken die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 8,38 auf 6,85  Tage zurückgegangen. Dies bedeute eine Trendwende hin zum nationalen Schnitt von 6,5  Tagen. Möglich wurde diese Verbesserung vor allem mit einer Prognose des Austrittsdatums bereits unmittelbar nach der Patientenaufnahme. Der prognostizierte Austritt wird dabei immer wieder überprüft. HFR-Pflegedirektorin Catherine Dorogi erklärte gestern, dass Kosteneinsparungen nur beim optimalen Austrittsdatum möglich sind. Werde ein Patient zu spät entlassen, gebe es Mehrkosten: Dies sei aber auch bei einer zu frühen Entlassung der Fall, da oft Nachbehandlungen nötig seien.

Wie die Zahlen zeigen, verzeichneten die drei Kliniken des Pilotversuchs dank der kürzeren Aufenthaltsdauer auch mehr Patienten. Von 6809 im Jahr 2017 ist diese auf 7823 im Jahr 2018 angestiegen. Dorogi sagte, dass man über diesen Erfolg stolz sei. Gleichzeitig sei aber die Belastung für das Personal gestiegen.

Generaldirektor Marc Devaud ergänzte, man arbeite weiter daran, Lösungen für Patienten zu finden, die wegen fehlender Anschlusslösung noch im Spital bleiben. «Im Spital ist es teurer. Es braucht eine bessere Koordination mit den Heimen und der Spitex.»

uh

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