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«Hier hört uns jemand zu»

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Das kantonale Jugendamt hilft, schwierige Situationen in den Familien meistern

Autor: Von REGULA SANER

Die Geschwister Marco und Nicolas haben schon so manchen Mist gebaut. Immer wieder gab es Konflikte in der Schule, auf der Strasse, zu Hause. Eine Kiffgeschichte hat die beiden schliesslich vor den Jugendrichter gebracht. Auf dessen Anweisung wurden sie dann vor ein paar Monaten in einem Heim untergebracht.Heute ist Standortbestimmung. Die Sozialarbeiterin Marianne Portmann will wissen, wie es im Heim läuft, wie sich die jetzige Situation von derjenigen Zuhause unterscheidet. «Wir haben gelernt, die Wäsche zu machen, wir kochen selber, wir hören besser zu», erzählt Marco fast ein bisschen stolz. Nicolas betont wehmütig: «Wir dürfen nur noch zwei Mal pro Woche ausgehen.» Wie es denn mit dem Kiffen stehe, fragt Marianne Portmann. «Wir kiffen gar nicht mehr», kommt es wie aus einem Munde. Und was ist mit Zigaretten? «So ein Päckchen pro Tag», meint Nicolas. «Nein, ein Päckchen auf zwei Tage», korrigiert Marco. Nicolas lenkt ein: «Auf eineinhalb Tage.»

Klare Regeln und Strukturen

Weitere Fragen der Sozialarbeiterin folgen, die Antworten scheinen sie zufriedenzustellen. Es läuft gut im Heim. Die Jungs sind froh um klare Strukturen und Regeln. Und sie sagen: «Hier hört uns jemand zu, ohne dass es grad Krach gibt.»Doch noch ist die schwierige Situation, in der sie sich befinden, nicht ausgestanden. Denn die Heimplatzierung wurde erst provisorisch ausgesprochen. Im Oktober entscheidet das Jugendgericht definitiv, wie es weitergehen soll mit Marco und Nicolas.Während Nicolas mit einem Verbleib im Heim leben könnte und gar findet, dass man dort etwas lernen könne, möchte Marco lieber wieder nach Hause zu seiner Mutter. Er vermisst sie. «Ich würde in Zukunft machen, was sie sagt», betont er mit Nachdruck.

Direkte Sozialarbeit

Der Fall von Marco und Nicolas ist ein Fall der sogenannt direkten Sozialarbeit. Dieser Sektor beim Jugendamt ist der grösste. Die Sozialarbeiter erfüllen hier im Auftrag der Vormundschaftsbehörden (Friedensgerichte), der Bezirksgerichte und der Jugendstrafkammer ihre Aufgabe. Dazu kommen Interventionen ohne offizielles Mandat im Rahmen der Anlaufstelle «Intake». Hier bietet das Jugendamt Informationen für alle Personen, die mit Jugendfragen konfrontiert sind.Marianne Portmann arbeitet seit über zehn Jahren im Jugendamt, seit fünf Jahren in der direkten Sozialarbeit. Bei Marco und Nicolas hat sie vom Jugendrichter den Auftrag erhalten, die Situation der Jugendlichen abzuklären, einen geeigneten Betreuungsplatz für sie zu finden und sie zu begleiten.

Verständnis der Eltern ist wichtig

Marianne Portmann hofft, dass das Beispiel von Marco und Nicolas einst als Beispiel einer gelungenen Intervention zu den Akten gelegt werden kann. Denn das ist beileibe nicht immer der Fall. «Hier haben wir die Unterstützung der Eltern. Wenn diese fehlen würde, kämen die Kinder in einen Loyalitätskonflikt, und dann wird es schwierig.»Diese Erfahrung teilen auch andere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Jugendamt. Ursula Bieri von der Anlaufstelle «Intake» sagt es so: Wir bringen das professionelle Wissen, die Eltern die praktischen Erfahrungen. Ohne das Vertrauen der Eltern geht sowieso nichts.» Und um dieses Vertrauen kämpft das Jugendamt. Denn Ursula Bieri stellt fest: «Viele Leute sehen im Jugendamt immer noch diejenige Behörde, welche den Eltern die Kinder wegnimmt.»

Ressourcen in Familien stärken

Eine erfolgversprechende Sozialarbeit ist in den Augen von Joseph Aerschmann, dem stellvertretenden Vorsteher des Jugendamtes, eine Sozialarbeit, welche die Probleme früh angehen kann. «Ideal wäre, wenn wir noch früher mit den Kindern arbeiten könnten, mit dem Einverständnis der Beteiligten und nicht erst auf Anordnung eines Gerichtes oder der Vormunschaftsbehörde.» Schon heute versuche man, die Kräfte in den Familien besser zu mobilisieren. Dies habe zum Beispiel die positive Auswirkung, dass Fremdplatzierungen heute weniger lang dauerten.Für eine solche Sozialarbeit, bemerkt Joseph Aerschmann nebenbei, brauche es aber auch Personal. «Wir machen mit unseren Stellenprozenten das Möglichste, aber wir hoffen, dass der Kanton weitere Stellen genehmigen wird.»

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