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Homo eishockeyanus fanaticus

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Homo eishockeyanus fanaticus

Diese Kolumne ist der Gruppe Menschen gewidmet, ohne die manch Sportanlass nicht das wäre, was er wirklich ist: den Fans und im Speziellen des Eishockeyfans. Ich meine die echten, verbissenen, wenig objektiven Anhänger, die von oben (lustige Kappe) bis unten (Stulpen) in den Vereinsfarben gekleidet sind. Die Spezies Mensch, der im Fankostüm zum schreienden und hysterischen Individum mutiert. Sticker aller möglichen und unmöglichen Vereine zieren seine Fanjacke. Das ganze Jahr Fasnacht, sozusagen. Er kennt im Fanblock alle, und alle kennen ihn. Ein Gottéronmatch ohne die Anfeuerungsrufe aus der Fanecke, ein Luganomatch ohne die Anhänger in der Curva Nord – einfach unvorstellbar. Im Gegensatz dazu kennen wir Geisterspiele, wenn wieder einmal ein Spiel vor leeren Rängen ausgetragen werden muss, weil die Zuschauer – und da sind wir mitten im Thema – ausfällig wurden.

Das Thema Fan beschäftigt mich, weil ich seit langem wieder einmal (eigentlich waren es in kurzer Zeit zweimal) einen Hockeymatch besucht habe. Meine Erkenntnis: Im Verhalten der Fans, in den Gesängen und den primitiven Rufen, die dem Gegner gelten, hat sich in den letzten Jahren nichts verändert. Die Zeit ist stehen geblieben. Um den Gegner zu beschimpfen bedient sich der Fan mit Ausdrücken aus der Fäkalsprache, die Gestik geht einher. Im Spiel Gottéron – Ambri wurden die Ambrispieler mit einem unschönen Wort für Italiener (und einem noch unschöneren Zusatz) beschimpft. Sport als Integration, als Gemeinschaftsförderung?
Und da ist auch das globale Fan-Feindbild Nummer eins: der Schiedsrichter. Betritt er das Eis, geht ein Pfeifkonzert los. Auch wenn es sich nur um eine Exhibition handelt wie am Mittwoch in Bern beim Match der arbeitslosen NHL-Stars gegen den SCB. Es ist anzunehmen, dass der (böse) Schiedsrichter Kurmann gar keinen Kredit hat bei der Berner Fangemeinde. Aber eigentlich ist es doch so, dass sich ein echter Fan immer benachteiligt fühlt, dabei gibt es weltweit kaum Sportarten, die wettkampfmässig ohne Schiedsrichter betrieben werden können.
Um bei diesem Exhibition-Match in der BernArena zu bleiben: Der SCB war verstärkt, so auch vom Gottéron-Spieler Rhodin. Sie habens vielleicht schon erraten. Rhodin wurde, als er das Eis betrat, ebenfalls ausgepfiffen. Im grossen Stil. Der Gipfel ist, dass sich die SCB-Fans vor dem Match sehr sportlich geben. Auf einem 30mx20m grossen Transparent (und das ist sehr gross) steht: SCB-Fans sind faire Fans. Ist Fairness also bloss eine Frage der Definition? Reicht es, auch nur ein bisschen fair zu sein?
«Ein Gottéronspiel schadet Ihrer Gesundheit», sollte eigentlich auf den Tickets stehen. Trotz Verbotstafeln und mehrmaligen Durchsagen wird im Eisstadion St. Leonhard nämlich geraucht, was das Zeug hält. Die Kleider riechen nach dem Match schlechter als früher nach einem Besuch in einem irischen Pub. Aber hatte nicht schon Winston Churchill gesagt «Sport ist Mord» und dabei genüsslich Zigarre geraucht. In dem Fall trifft das auf den Passivsport zu. Dass der Fan seinen Idolen auf dem Eis ebenso schadet, scheint ihn nicht zu kümmern. Ist das der Dank für das Spektakel?

Von JEAN-LUC BRÜLHART

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