Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Höre ich Musik, sehe ich Farben vor mir»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wenn sie über die Rolle von Farben in ihrer Arbeit nachdenkt, weiss Camille von Deschwanden gar nicht, wo sie beginnen soll. «Sie sind einfach überall», sagt sie lachend. Die 43-jährige Freiburgerin ist Künstlerin, und das bereits seit über zwanzig Jahren. Mehr noch, sie ist eine der ganz wenigen–wenn nicht sogar die Einzige–die aus Lichtröhren, Pflanzen, Musik und Computerprogrammen ausdrucksvolle Kunstwerke schafft.

Ohne Licht geht es nicht

Ihr Atelier in einer stillgelegten Industriefabrik hingegen wirkt auf den ersten Blick nicht etwa schreiend bunt, sondern vor allem–weiss. Sogar strahlend weiss. Einzig das imposante, in Blautönen gemalte Werk über dem Sofa stellt sich den morgendlichen Sonnenstrahlen entgegen. Für ihre Arbeit an den handgefertigten Tapeten, die an einer Wand hängen, brauche sie das Licht, so die Künstlerin. «Licht verändert ein Werk, es kann die Farben heller werden lassen, ein Muster oder Unebenheiten hervorheben.»

 Camille von Deschwanden stellt aus selbst verarbeiteten Pflanzenresten Tapeten her. Darin befestigt sie unzählige LED-Röhren, die später nach einer eigens am Computer programmierten Choreografie aufleuchten. «Es liegt zwischen Handwerk, Kunst und szenischer Inszenierung», resümiert sie ihr Schaffen.

Die musikalische Untermalung der Werke liefert der japanische Komponist Wataru Miyakawa. Seine Klänge inspirieren die Künstlerin: «Wenn sie mich berühren, dann spüre ich die Musik wie Farben in meinem Innersten. Jede Note hat einen anderen Farbton.» Aufgrund ihrer Empfindungen entscheidet sie später am Computer, welche Lichtfasern wann, mit welcher Geschwindigkeit und in welchen Farben aufleuchten. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos: Mal glüht die weiche Oberfläche rötlich wie ein Sonnenaufgang, dann wieder blitzen violett-blaue Stränge auf, als würde der Wind aufheulen.

«Es ist, als ob ich ein Theaterstück inszeniere», erklärt von Deschwanden. «Jede der LED-Lampen ist wie ein Schauspieler, der auf der Bühne auftaucht, seine Rolle spielt und wieder verschwindet.» Obwohl sie nicht mit echten Akteuren zu tun hat, braucht die Künstlerin viel Geduld: Es dauert etwa einen Monat, eine viertelstündige Choreografie zu programmieren.

Farben als Arbeitswerkzeug

Die unermüdliche Künstlerin hat Jahre gebraucht, um die Herstellung der Tapeten zu perfektionieren. Farbe, sagt sie, habe dabei als Werkzeug eine wichtige Rolle gespielt. «Ich erkenne zum Beispiel am Farbton meiner Fasergemische, wann sie für die Verarbeitung bereit sind», nennt sie ein Beispiel. Über Farben stolpere sie auch, wenn sie den pH-Wert des Wassers messe:Die Palette reicht von Rot über Gelb bis Grün und Blau. Schliesslich habe sie zu Beginn ihrer Künstlerkarriere einige Überraschungen erlebt, denn im nassen Zustand wirken Farben oft intensiver, als auf der fertigen, getrockneten Leinwand.

Akribisch beobachtet und notiert Camille von Deschwanden jeden ihrer Arbeitsschritte. «So kann ich, wenn es am Ende nicht so aussieht, wie ich dachte, den Fehler suchen und daraus lernen», sagt sie. Und lachend fügt sie hinzu: «Wenn das Kunstwerk besser geworden ist, weiss ich genauso, woran es lag.»

Inspiriert von der Natur

Überhaupt sei der Schaffungsprozess ebenso wichtig wie das eigentliche Endprodukt. «Ich setze mich viel mit den Materialien, ihrer Geschichte und Bedeutung auseinander», so die Künstlerin. Da sie sich am liebsten von der Natur und ihren Schauspielen inspirieren lässt, scheint es nur natürlich, dass ihre Malfarben keine chemischen Zusatzstoffe enthalten.

«Am besten wussten früher die Färber, mit welchen Pflanzen- und Tierarten man die kräftigsten und widerstandsfähigsten Farben erhält», sagt sie. Aus Sienaerde erhält man zum Beispiel ganz unterschiedliche Ockertöne, für ein dunkles Braun stellt von Deschwanden aus Nussschalen ihre eigene Mixtur her, und aus den Wurzeln des Färberkrapps, die mit am längsten bekannte Färbepflanze, gewannen bereits die alten Ägypter einen roten Farbstoff für ihre Gewänder.

«Wie eine Hexe»

Dass die Künstlerin ihre Farben teilweise selber herstellt, hat nicht nur mit gesparten Kosten zu tun. Zum Einen passe es zu ihrer Philosophie, dass nichts wirklich Neues entsteht, sondern sich die Materie nur verändert. «Ich trinke am Morgen meinen Tee–das ist ein ganzes Zeremoniell, das eine Stunde dauern kann», erzählt sie. Später nutze sie die Blätter für ihre Fasermischungen oder als Tusche. Zum Anderen finde sie es spannend, alte Rezepte, die heute kaum noch jemand kenne, auszuprobieren. «Ich komme mir dann vor wie eine Hexe, die ihre Tinkturen zusammenbraut», lacht von Deschwanden.

Die Künstlerin stellt ab Oktober Werke über menschliche Anatomie imPassage Expodes Freiburger Spitals aus. Vernissage: Mi., 10. Oktober ab 18.15 Uhr.

Zur Person

Ein Jahr lang Pariser Altpapier gesammelt

Camille von Deschwanden ist in Freiburg geboren und aufgewachsen. Von 1993 bis 2009 hat sie hier ihre eigene Galerie P’art-terre geleitet. 2009 gewann sie den städtischen Wettbewerb für den Aufenthalt im Pariser Atelier Jean Tinguely. Dort hat sie ihre Arbeitstechnik der Papierherstellung vervollständigt und unter anderem aus Altpapier neue Kunstwerke geschaffen. Anfangs 2012 hat die Plastikerin und Papierschöpferin ihr Atelier in Vuisternens-en-Ogoz bezogen, nachdem sie zwei Jahre an der Freiburger Wilhelm-Kaiser-Gasse gearbeitet hatte. Die 43-Jährige ist ledig und hat einen erwachsenen Sohn.cf

Drei Fragen: «Blau steht für Leidenschaft»

C amille von Deschwanden über die Farben ihres Lebens:

 

Welches ist Ihre Lieblingsfarbe und warum?

Ganz klar: Preussischblau, Neapelgelb und Saftgrün. Ich könnte ein Leben lang nur mit diesen Farben malen und hätte trotzdem nicht alles ausprobiert. Die Kombinationen sind unzählbar. Wenn ich wählen müsste, dann würde ich wohl Saftgrün als meinen Liebling bezeichnen – schon allein wegen des wenig appetitlichen Namens (Anmerkung: auf Französisch heisst die Farbe «vert de vessie» – also «Blasengrün»). Das passt so gar nicht zur farblichen Schönheit des Grüns.

 

Gibt es eine Farbe, die Sie niemals anziehen würden?

Auch wenn ich auf Saftgrün stehe – tragen könnte ich es nicht. Grüntöne stehen mir einfach nicht (lacht).

 

Mit welcher Farbe verbinden Sie eine besondere Erinnerung?

Von den drei genannten Farben ist Preussischblau diejenige, mit der ich die stärkste Emotion verbinde. Sie steht für ein leidenschaftliches Liebesabenteuer, das zu erleben ich mir nie erträumt hätte. cf

Mehr zum Thema