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«Ich bin doch ein engagierter Mensch»

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«Es passierte vom einem Tag auf den anderen», fängt David Ramirez Raemy an. «Die Kündigung kam plötzlich und unvorhergesehen. Am Schluss landeten wir alle auf der Strasse», fährt der 38-Jährige die Geschichte fort. Es ist jene seiner Entlassung im September 2012. Ramirez’ Arbeitgeber war ein Transportunternehmen, das Aufträge für die Post ausführte. Weil diese ihre Routenpläne änderte, büsste das Transportunternehmen Aufträge ein: Umstrukturierungen waren die Folge. Seither lebt David Ramirez ohne Arbeit.

«Ich will niemandem die Schuld für diese Situation in die Schuhe schieben–aber am Tag der Entlassung empfand ich ein Gefühl der Ungerechtigkeit», erzählt der in Freiburg geborene Spanier. «Ich hatte keine Probleme mit Vorgesetzten.» Hinzu komme, dass er nicht ein schlechter Arbeiter gewesen sei. Er habe seine «Büez» immer erledigt, so Ramirez.

Eine vertraute Gegend

Nun wohnt der gelernte Karossier in einer beschaulichen 2½-Zimmer-Wohnung in St. Ursen. «Ich fühle mich wohl hier», sagt Ramirez. Dies auch, weil «das Dorf ‹ein wenig› zweisprachig» sei, was ihm sehr entgegenkomme. Denn Ramirez, Sohn eines Spaniers und einer Schweizerin, spricht zwar perfekt Französisch, aber mit dem Deutsch hapere es ein wenig. Dafür habe er Verwandte in der Gegend, welche ihm unterstützend zur Seite stünden.

Um diese Unterstützung ist David Ramirez sehr froh: «Ich habe etwa einen Monat benötigt, um mit der neuen Situation klarzukommen», sagt er. «Den entstandenen Stress aufgrund der sich ändernden Lebensumstände und den Schock der Kündigung musste ich zuerst verarbeiten.» Und dann kam natürlich der finanzielle Einschnitt: «Eine Lohneinbusse von etwa 2000 Franken, das geht nicht spurlos an dir vorbei», sagt Ramirez. Trotz des emotionalen Themas wirkt der 38-Jährige ruhig und gibt seine turbulente Lebensgeschichte detailliert und selbstbewusst wieder.

Ramirez war nach seiner Entlassung gezwungen, seinen Lebensstil anzupassen: «Ich gönnte mir früher vielfach auswärts eine Mahlzeit und schaute nicht gross aufs Geld. Auf einmal hiess es: strenge Budgetführung und keine Restaurantbesuche mehr.»

Begeisterter Fussballtrainer

Wegen der fehlenden Einnahmen sah sich David Ramirez auch gezwungen, zwei seiner geliebten Hobbys aufzugeben. «Ich war leidenschaftlicher Modellfahrzeug-Sammler. Auch die Fotografie hat es mir angetan.» In Ramirez’ Worten schwingt Wehmut mit. Doch sein angespannter Gesichtsausdruck weicht urplötzlich einem Lächeln: «Fussball habe ich aber noch nicht aufgegeben», meint er und zeigt stolz auf einen seiner silbernen Pokale im Holzschrank. Ramirez ist seit langem Fussballtrainer der F-Junioren des Teams Guintzet.

600 Bewerbungen

Der 38-Jährige will nicht klagen: «Mir wird trotz Arbeitslosigkeit nicht langweilig. Ich bin ein engagierter Mensch.» Dies nimmt man ihm während des Gesprächs ab, vor allem als Ramirez seinen Tagesablauf beschreibt: Er stehe um 7 Uhr morgens auf, damit er den Arbeitsrhythmus nicht verliere. «Morgens beschäftige ich mich mit Bewerbungen. Acht pro Monat seien bei ihm die Vorgabe. Ich verfasse normalerweise 20 bis 30. Einmal kam ich auf 600 im Monat», erläutert Ramirez stolz.

Trotzdem klappt es nicht mit einer Anstellung. Ramirez sucht nach Erklärungen: «Ich kann mir vorstellen, dass es zum einen mit meinem Aussehen zu tun hat», erläutert der 38-Jährige. Er sei halt nicht der Dünnste. «Kommt hinzu, dass ich trotz der Geburt in der Schweiz keinen Schweizer Pass habe und dazu einen ausländischen Namen besitze.»

David Ramirez gibt jedoch nicht auf: «An einigen Nachmittagen besuche ich Fahrstunden, um den Führerausweis für Schwergewichttransporte zu erlangen», sagt der Spanier und wirft dabei einen Blick auf seine Playstation: «Sie glauben es wohl kaum, aber die Spielkonsole benutze ich höchstens einmal pro Woche.»

Enge Freundschaften

 «Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meinen engsten Freunden», sagt Ramirez und schaut zum schwarz-weissen Foto seiner besten Kollegin hinauf. Er wolle nicht nur Hilfe entgegennehmen, sondern auch etwas zurückgeben: «Meinem Nächsten helfen, das ist mein Lebensmotto.» Man bekomme von der Gesellschaft immer etwas zurück, wenn man etwas gebe, sagt der aufgestellte Spanier. Auch gewissen Unterstützungsprogrammen, welche für Menschen wie ihn gedacht sind, stellt er ein gutes Zeugnis aus: «Am meisten hilft mir dabei ‹Integrationspool+›», sagt Ramirez (siehe Kasten). Dann fügt er an: «Die Leute dort haben mich in schwierigen Situationen immer wieder motiviert. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb ich heute noch einen starken Willen besitze.»

Integration: Arbeitsmarkt statt Sozialhilfe

W iedereingliederung in den Arbeitsmarkt – dies ist das Ziel der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und von Projekten wie «Integrationspool+». Letzteres, ein Projekt des Kantons, in das auch David Ramirez Raemy eingebunden ist, zielt auf Langzeitarbeitslose – Ausgesteuerte, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr haben.

«Wir sind eine Institution zwischen dem Amt für Arbeitsmarkt und dem Sozialamt des Kantons», erklärt Ermira Islami, Personalberaterin beim Standort Nord von «Integrationspool+» in Tafers. «Alle rund 280 Personen, die mitmachen, erhalten ein intensives Coaching, haben aber auch Verpflichtungen», sagt Susanne Schmutz, Sozialarbeiterin des Projekts. So hätten Teilnehmende wie David Ramirez stets ihre Termine einzuhalten. «Wir versuchen, Verbindlichkeit aufzubauen.» Dieses Vorgehen scheint Wirkung zu zeigen: «Zwischen 20 und 30 Prozent der angemeldeten Personen finden im Schnitt eine Festanstellung. Dies ist eine vergleichsweise hohe Quote», sagt Schmutz zum Projekt, das seit März 2013 besteht. ma

 

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