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«Ich bin ein Christlich-Sozialer geblieben»

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«Ich bin ein Christlich-Sozialer geblieben»

Im Gespräch mit dem Grossratspräsidenten des Jahres 2004: Rudolf Vonlanthen

Höchster Freiburger war im zu Ende gehenden Jahr Rudolf Vonlanthen, Amman von Giffers. Die FN haben sich mit ihm über sein Präsidialjahr und seine politische Zukunft unterhalten.

Mit RUDOLF VONLANTHEN
sprach Arthur Zurkinden

Herr Vonlanthen, ist Ihr Präsidialjahr so verlaufen, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Ja, es ist in etwa so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Unterschätzt habe ich allerdings den Aufwand für die Vorbereitungen. Ich habe 220 Anlässe besucht und dabei 75 Reden gehalten. Ich habe alle selber geschrieben mit der französischen Übersetzung, die ich mir dann korrigieren liess. Dies war mir sehr wichtig, denn ich wollte «ich» bleiben. Ich bin auch wenn irgendwie möglich bis zum Ende einer jeden Veranstaltung geblieben, also meist über zwei Stunden lang.

Wie haben Sie das Amt verkraftet, physisch und psychisch?

Ich habe zwei bis drei Kilo zugenommen. Sonst habe ich das Amt, auch dank meiner Familie, gut verkraftet. Ich habe mich nie gestresst gefühlt. Aber an gewissen Tagen bin ich schon an meine Grenzen gestossen. Anstrengend ist auch die Leitung der Debatte im Grossen Rat. Sie verlangt höchste Konzentration. Man wird oft durch Fragen usw. abgelenkt. Da ist es nicht so einfach, die Übersicht zu behalten. Manchmal musste ich auch feststellen, dass die Grossräte das Reglement nicht kennen. Und wenn sie auf ihrer Meinung beharren, erschwert dies die Arbeit des Präsidenten. Da habe ich halt mit Humor versucht, die Situation zu entspannen.

Als Grossratspräsident wird man auch oft zu einem Glas eingeladen. Liessen Sie sich auch chauffieren?

Die Staatskarosse habe ich fünfmal in Anspruch genommen. An gewissen Anlässen wie etwa dem Feldschiessen liess ich mich auch mitnehmen.

Was waren Ihre eindrücklichsten Erlebnisse als höchster Freiburger?

Ich möchte nicht einzelne Erlebnisse hervorheben. Wie ich schon im Grossen Rat betont habe, ist für mich jede Begegnung mit Menschen ein Erlebnis. Ich habe gespürt, dass die Anwesenheit des Grossratspräsidenten vom Volk geschätzt wird. Ich war selber überrascht, mit welchem Respekt man mir im welschen Kantonsteil begegnet ist. Ich wurde stets als «premier citoyen du canton» angesprochen. Im Sensebezirk war dies vielleicht weniger der Fall, weil man mich dort schon kennt.

Speziell ist es natürlich schon, wenn im Grossen Rat plötzlich Bundespräsident Joseph Deiss mit dem polnischen Staatspräsidenten unangemeldet auftaucht. Eindrücklich war für mich auch die Waffenparade der Freiburger Grenadiere, die jeweils im Wohnort des Grossratspräsidenten stattfindet. So war in Giffers auch Bundesrat Samuel Schmid anwesend. Und wenn ich bei meiner Rede am Feldschiessen des Seebezirks in Gümmenen vor 2000 Leuten dreimal mit Applaus unterbrochen wurde, hat mich das schon tief bewegt, wie auch der herzliche Empfang in Giffers. Bewegt haben mich aber auch die Anlässe der Behinderten-Organisationen, vor allem, wenn ich gesehen habe, wie fröhlich die behinderten Menschen sind.

Es gab aber auch negative Erlebnisse, und dazu gehört sicher auch mein Verhältnis zu meiner Partei. Noch bevor ich meine Antrittsrede im Grossen Rat halten konnte, ist mir meine Partei resp. der Kantonalvorstand in den Rücken gefallen. Das habe ich nicht verstanden.

Sie wollten ja als höchster Freiburger mit dem Volk ins Gespräch kommen, seine Sorgen und Nöte kennen lernen. Ist Ihnen dies gelungen? Welche Themen haben Sie dabei angeschnitten?

Den Kontakt mit der Bevölkerung habe ich sicher gefunden, vielleicht auch, weil ich auf die Leute zugehe und nicht warte, bis sie zu mir kommen. Meistens haben wir über aktuelle Begebenheiten gesprochen. Ich habe dabei feststellen können, dass die Leute die Zeitungen lesen und informiert sind. So konnten wir zum Beispiel über Tankstellen-Shops oder Geldspielautomaten reden, wenn diese Themen im Grossen Rat diskutiert wurden. Ihr Interesse an der Politik ist gewiss vorhanden.

Die Leute glauben, der Präsident des Grossen Rates könne alles machen, er sei sehr mächtig. Ich hatte oft den Eindruck, dass sie ihn für einen König halten, der Verurteilte begnadigen kann. Mehrere Menschen haben das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Sie gelangen oft mit sehr persönlichen Anliegen an den Grossratspräsidenten.

Sie haben in Ihrer Abschiedsrede im Grossen Rat gesagt, dass verschiedene Leute das soziale Gewissen nur dann kennen, wenn es um ihren eigenen Vorteil gehe. Wie haben Sie dies gemeint?

Ich habe feststellen müssen, dass die Politiker an Veranstaltungen oft ein Plädoyer für die benachteiligten Menschen halten. Dies hat man z. B. in der Diskussion über die Neugestaltung der Aufgaben und des Finanzausgleichs zwischen dem Bund und den Kantonen gesehen. Sie haben dabei die behinderten Menschen sozusagen missbraucht, um die Vorlage zu bekämpfen. Bei Veranstaltungen, die von den Behinderten-Organisationen durchgeführt wurden, sah man diese Leute nicht mehr. Wenn es darum geht, sich etwas Zeit für diese Menschen zu nehmen oder etwas Geld für sie auszugeben, dann sind sie nirgends mehr. Dass dem so ist, habe ich schon vermutet, doch jetzt weiss ich es genau.

Sie haben ein gespaltenes Verhältnis zur Ihrer Partei, insbesondere auch zum früheren Kantonalpräsidenten Michel Monney. Wie geht es nun weiter? Streben Sie politisch noch andere Ämter an: Nationalrat, Oberamtmann oder Staatsrat?

Was den Versuch betrifft, Michel Monney das Grossratsmandat wegen seines Wohnortes abzuerkennen, so möchte ich festhalten, dass dies nicht von mir initiiert wurde. Als Präsident des Büros des Grossen Rates habe ich mich immer der Stimme enthalten und habe gar noch versucht zu bremsen. Ich wäre froh gewesen, wenn ein Entscheid – so oder so – gefällt worden wäre. Die ganze Sache war für mich sehr belastend.

Was meine politische Zukunft betrifft, so möchte ich Grossrat bleiben und im Jahre 2006 erneut kandidieren. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, gerade auch als Grossratspräsident. Ich kenne den Kanton gut, kenne auch die Sorgen und Nöte der Bevölkerung. Ich habe zudem gesagt, dass der Kanton reich an menschlichen und kulturellen Werten ist. Da möchte ich beitragen, diese Werte zu erhalten, den Zusammenhalt des Kantons zu stärken. Der Kanton Freiburg verdient es, dass man etwas für ihn tut.

Es stimmt, dass ich politisch gerne noch etwas anderes machen möchte: Nationalrat, Oberamtmann, Staatsrat wohl eher nicht. Ich habe ja schon gesagt, dass ein Vonlanthen im Staatsrat genüge. Bern würde mich schon sehr reizen. Aber im Moment sind alle Optionen offen.

Und als Mitglied welcher Partei möchten Sie Ihre politische Karriere fortsetzen, zumal die CSP Sense auch einen Linksrutsch erlebt?

Ich habe mich nicht verändert. Ich bin nach wie vor ein Christlich-Sozialer. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und bin aus dem Arbeiterverein KAB hervorgekommen. Ich weiss, was sozial heisst. Aber darunter verstehe ich nicht den Sozialismus, den man an Universitäten predigt. Mir wurde nie etwas geschenkt, ich musste für alles hart arbeiten. Ich habe mich stets für die CSP eingesetzt, sei es innerhalb der CSP Giffers oder der CSP Sense, aber auch auf ka

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