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Ich bin ein Mutant!

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Aber ich bin nicht alleine: Im Schnitt trägt jede und jeder von uns ungefähr 50 neue Mutationen, die wir nicht von unseren Eltern geerbt haben. Die allermeisten davon haben keinen nennenswerten Effekt, ausser dass sie uns noch ein wenig einzigartiger machen.

Die ganz wenigen anderen sind höchstwahrscheinlich alles andere als erwünscht, sondern erhöhen unser Risiko für einen Herzinfarkt, an Krebs zu erkranken oder für irgendetwas anderes, das wir niemandem wünschen. Aber kein Grund zur Sorge: Gemessen an den vielen Tausenden ähnlich unerwünschten Mutationen, die uns unsere Vorfahren wie Familienjuwelen von Generation zu Generation weitergereicht haben, sind die paar zusätzlichen meist kaum von Bedeutung. Danke, Urgrossvater!

Sie denken, das klinge deprimierender als die Wettervorhersage der anstehenden Saison? Hier die gute Nachricht: Um einen wirklich negativen Effekt zu haben, müssen wir die meisten Mutationen doppelt in uns tragen. Das liegt daran, dass wir unser Erbgut sowohl von unserer Mutter als auch von unserem Vater erben, und deshalb mit wenigen Ausnahme von jedem Abschnitt zwei Kopien besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die gleiche Mutation gleich von beiden Eltern erhalten haben, ist für die meisten Mutationen klein. Uff!

Natürlich gibt es auch Mutationen, die uns einen Vorteil bescheren. Eine Mutation an der Stelle 24 441 333 auf Chromosom 22 entscheidet zum Beispiel darüber, ob uns Kaffeekonsum den Schlaf raubt oder nicht. Oder die oft zitierte Mutation an der Stelle 135 851 076 auf Chromosom 2, die es auch Erwachsenen ermöglicht, in grossen Mengen Milch zu konsumieren. Alle neugeborenen Säugetiere ernähren sich erst einmal von Milch, erst das macht sie zu Säugetieren. Ausgewachsene Säugetiere trinken aber normalerweise keine Milch mehr, weshalb ihr Körper darauf verzichtet, das zur Verdauung des Milchzuckers notwendige Protein zu produzieren. Ich sowie rund 80  Prozent aller in der Schweiz lebenden Menschen tragen aber mindestens eine Kopie mit einem T anstelle eines C an jener Stelle und produzieren dieses Protein ein Leben lang und sind laktosetolerant. Danke, Urgrossvater!

Vor kurzem haben unsere Kollegen der Universität Zürich genetische Daten von mittelalterlichen Skeletten analysiert und festgestellt, dass auch damals ein Grossteil der Bevölkerung des heutigen Deutschlands Laktose vertrugen. Zur Zeit arbeiten wir an genetischen Daten von einem alten Schlachtfeld, die zeigen, dass dem vor rund 3000 Jahren jedoch nicht so war: Von den 16  untersuchten Kriegern waren nur zwei laktosetolerant.

Diese schnelle Verbreitung einer Mutation innert weniger Tausend Jahre lässt nur einen Schluss zu: Diese Mutation bescherte ihren Trägern einen grossen Vorteil, so dass sie im Schnitt deutlich mehr Kinder hatten als Menschen ohne diese Mutation. Worin bestand aber dieser Vorteil? Das ist nicht eindeutig verstanden, denn die Erklärung, die Träger und ihre Kindern hätten eben Milch konsumieren können und damit eine bessere Ernährung und somit höhere Überlebenswahrscheinlichkeit gehabt, greift zu kurz: Auch Kinder ohne diese Mutation vertragen Milch bestens, genau wie die Kinder aller anderen Säugetiere. Zudem hat der Mensch schon vor Tausenden Jahren herausgefunden, wie man Milch zu Joghurt oder Käse verarbeitet. Hartkäse ist quasi laktosefrei.

Deutlich einfacher ist es dagegen, die Vorteile einzelner Mutationen bei domestizierten Tieren nachzuvollziehen. Ein spannendes Beispiel ist die Mutation an der Stelle 22 999 655 auf dem Chromosom 23 von Pferden: Nur Pferde mit zwei Kopien dieser Mutation können Tölt, eine spezielle Gangart zwischen Trab und Galopp, die besonders angenehm zu reiten ist. Ist es nicht erstaunlich, dass im Wesentlichen eine einzige Mutation bestimmt, ob ein Pferd auf eine bestimmte Weise laufen kann?

Um herumzuspringen wie Roger Federer reicht eine einzige Mutation nicht aus. Dennoch, einige Mutationen beeinflussen nachweislich, wie erfolgreich jemand im Kraft- oder Ausdauersport ist. Sprinter sind genetisch schlechte Marathonläufer, und die meisten von uns sind weder das eine, noch das andere: Uns fehlen schlicht die richtigen Mutationen. Bleibe ich also besser bei meiner genetischen Stärke: dem Fondue. Aber ohne Kaffee danach.

Daniel Wegmann ist Professor für Bioinformatik an der Universität Freiburg und entwickelt statistische Verfahren, um evolutive und ökologische Prozesse auf Grund grosser Datensätze zu beschreiben. Er hat in Bern und den USA studiert und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die regelmässig naturwissenschaftliche Themen bearbeitet.

 

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