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«Ich bin jetzt viel mobiler als früher»

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«Dieses Fahrzeug ist für mich unbezahlbar», sagt Stefan Etter, Gemüsebauer aus Ried. Mit dem Fahrzeug meint er nicht seinen Traktor, sondern das sogenannte «Genny», eineinachsiges Elektrofahrzeug.Für Etter bedeutet dieses Gefährt Mobilität: Der 47-Jährigeleidet an spastischer Spinalparalyse und nutzt Genny als Rollstuhl. Die seltene neurologische Erkrankung führt zu Lähmungserscheinungen und Steifheit in den Beinen. «Ich kann stehen und einige Schritte gehen, wenn ich mich dabei abstützen kann», erklärt Etter. Da dies für ihn aber grosse Anstrengung erfordert, ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Mit Genny hat er das optimale Gefährt für seine Bedürfnisse gefunden. «Das Einzige, was noch besser wäre, wären neue Beine.»

Alleine ans Feldschiessen

Während Stefan Etter in der Wohnung und seinem Büroeinen herkömmlichen Rollstuhl nutzt, ist er draussen seitetwas mehr als einem Jahrmit dem Gefährt mit zwei grossen Rädern und ausgeklügelter Steuerungstechnik unterwegs. Bedienen kann er es mit seinem Körper: Zum Vorwärtskommen lehnt er den Oberkörper nach vorne, zum Bremsen oder Rückwärtsfahren nachhinten. Gesteuert wird vonHand über einen Lenker.

Das Gefährt sei viel wendiger als ein Rollstuhl und brauche deutlich weniger Platz, erklärt Etter. «Ich kann damit zum Beispiel in eine Telefonkabine fahren und darin wenden.» Ein grosser Vorteil sei zudem, dass das Gefährt nur zwei grosse Räder habe. «Dadurch ist es geländetauglich, ich kann mich auch auf holprigem, steinigem Untergrund problemlos und ohne Anstrengung fortbewegen.» Ein Rollstuhl bleibe im Gegensatz dazu oft in kleinen Löchern hängen. «Bei Anlässen wie einem Feldschiessen, wo es oft Holzschnitzel als Untergrund hat, lässt sich ein Rollstuhl mit den dünnen Rädern kaum noch schieben. Mit Genny geht das problemlos und ohne Hilfe.» Auch das Zugfahren sei wesentlich einfacher als mit dem Rollstuhl. «Für mich bedeutet Genny Freiheit, ich bin viel mobiler als früher», so der ehemalige Rieder Gemeinderat.

Doch auch Genny taugtnicht überall: «Wenn der Untergrund nass und weich wird, wird es schwierig, weil die Räder durchdrehen», so Etters Erfahrung.

Genny auf dem Traktor

Um Genny bestmöglich zu nutzen, kombiniert Etter dasElektromobil mit dem Traktor: An einem Gabelstapler vorne am Traktor hat er eine Kiste für Genny montiert, die ihmein Landmaschinen-Mechaniker konstruiert hat. Wenn Etter zum Beispiel Kartoffeln abliefern will, parkiert er Genny in der Kiste und steigt dann auf den Traktor. Vor Ort angekommen, kann er vom Traktor wieder auf Genny wechseln, um sich fortzubewegen. «So kann ich beispielsweise die Lieferscheine abholen, statt einfach auf dem Traktor zu warten», so der Gemüsebauer, der sich auf Schwarzwurzeln spezialisiert hat.

«Ich wollte es unbedingt»

Auf Genny aufmerksam wurde Etter an einem Tag der offenen Tür von Mobileo, der Firma, die in der Schweiz dieSegways vermarktet. Diesewerden unter anderem für den Tourismus genutzt, seit kurzem auch in der Murtenseeregion (die FN berichteten). Auch Etter fährt neben Genny auch Segway. Beide Gefährte funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Der Unterschied ist, dass die Segways im Stehen gefahren werden, die Gennys sitzend. «Am Tag der offenen Tür habe ich einen Prototyp des Genny ausprobiert. Ich wusste sofort: Das brauche ich.» Zwei Wochen später reiste er nach Leukerbad in die Ferien. Mit dabei das neue Gefährt. «Ich habe es gekauft, bevor ich wusste, ob die Invalidenversicherung etwas bezahlt.» Und dies bei einem Preis von über 20 000 Franken. «Ich wollte es unbedingt, weil ich wusste, dass es für mich sehr viel wert ist.»

Bei den Abklärungen kamdie IV laut Stefan Etterschliesslich zum Schluss, dasssie Genny bezahlen. «DerHauptgrund war, dass es für mich ein zentrales Hilfsmittel für meine tägliche Arbeit im Gemüsebetrieb ist», erklärt Etter, der den Betrieb von den Eltern übernommen hat. «Wäre Genny nicht von grosser Wichtigkeit für meine Arbeit, hätten sie nicht bezahlt.» Soweit er wisse, sei er bisher der Einzige in der Schweiz, dem die IV Genny vollständig finanziert habe.

«Dieses Fahrzeug ist für mich unbezahlbar.»

Stefan Etter

Gehbehinderter Gemüsebauer

Genny: Stefan Etter war der erste Genny-Fahrer in der Schweiz

G enny ist ein selbstbalancierendes Elektrofahrzeug für Gehbehinderte. Es verfügt über die gleiche Technologie wie der etwas bekanntere Segway, der jedoch aufrecht stehend gefahren wird. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund zehn Stundenkilometer, die Akkus reichen je nach Gelände und Fahrstil knapp 40 Kilometer weit. Das rund 90 Kilogramm schwere Mobil kann an normalen Steckdosen aufgeladen werden. Der Vorteil des Fahrzeugs ist seine Geländetauglichkeit und dass es auch steile Rampen oder Ab sätze problemlos meistert. Zu dem kann der Fahrer mit nur einer Hand lenken.

Laut Thomas Stauffer, Ge schäftsführer der Schweizer Vertreiberfirma Mobileo, ist das Fahrzeug in der Schweiz seit letztem Jahr erhältlich und kostet 22 900 Franken. Bis heute sind landesweit etwa ein Dutzend Gennys in Betrieb, Stefan Etter aus Ried war der erste Kunde (siehe Haupttext). Grundvoraussetzung für die Bedienung ist eine intakte Rumpfmuskulatur und die volle Funktionsfähigkeit der Hände. «Zudem braucht es einen vernünfti gen Gleichgewichtssinn», so Stauffer. Der sei aber gera de bei Rollstuhlfahrern meist gegeben.

Damit die Invalidenversicherung (IV) Genny mitfinanziert, muss die betroffene Person laut Stauffer den Nachweis erbringen, dass sie auf einen elektrischen Antrieb angewiesen ist. Dies hängt von der Behinderung und vom Gelände ab, in dem sich die Person bewegt. «Sind die Bedingungen erfüllt, bezahlt die IV in der Regel einen Betrag in der Höhe der Kosten eines einfachen Elektrorollstuhl. Das sind knapp 13 000 Franken», so Stauffer. Dass die IV wie bei Etter die gesamten Kosten übernimmt, ist laut Stauffer die Ausnahme: Bei ihm sei Genny ein zentrales Hilfsmittel für die berufliche Integration, und er habe zuvor nur wenige Leistungen der IV beansprucht. luk

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