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«Ich bin sicher eher der repressive Typ»

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Autor: frank stettler UNd Matthias Fasel

Odilo Bürgy, mit welchen Gefühlen treten Sie als Präsident der Disziplinarkommission der SFL zurück?

Ich gehe mit einem guten Gefühl, obwohl es ein spezieller Job ist. Das Thema Disziplinarrecht ist ja eher negativ behaftet. Wir sind die Bösen, die dann auf den Plan kommen, wenn es Strafen zu verteilen gibt. Ich denke aber, dass wir in der Disziplinarkommission stets nach rechtem Wissen und Gewissen entschieden haben, obwohl es sicher einige Club-Präsidenten gibt, die nicht derselben Meinung sind. Ich trete mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. So wie die Schiedsrichter allenfalls Fehler machen, kann man bei unseren Entscheidungen zum Teil anderer Meinung sein.

Was gab den Ausschlag für den Rücktritt?

Elf Jahre in diesem Amt sind genug. Ich könnte den Job noch zwanzig Jahre machen, aber dazu bin ich nicht der Typ, ich bin kein Sesselkleber. Es soll ein Neuer die Chance erhalten, etwas zu bewegen. Obwohl das auf dieser Ebene sehr schwierig ist.

Welches Verhältnis haben Sie grundsätzlich zum Fussball?

Früher war ich als Torhüter beim FC Gurmels aktiv. Als Zuschauer gehe ich nicht sonderlich oft und gerne an Spiele. Ab und zu besuche ich Spiele des FC Gurmels oder des SC Düdingen oder sonst in der Nähe, etwa in Bern oder Neuenburg.

Es gab auch schon Stimmen, die Sie als Schreibtischtäter bezeichnet haben.

Das bin ich sicher nicht. Wer einmal selbst Fussball gespielt hat, weiss, wie es geht. Da muss man nicht zwangsläufig jedes Wochenende im Stadion sitzen.

Die Bezeichnung Schreibtischtäter dürfte zu der Sorte der harmloseren Kritik gehört haben. Gab es in Ihrer Rolle als Buhmann der Nation auch angsterregende Anfeindungen?

Ich musste auch schon die private Natelnummer wechseln, weil ich Morddrohungen erhalten habe. Aber wirklich Angst hatte ich nie. Wir sind schliesslich nicht in Kolumbien, wo ein Spieler nach einem Eigentor nachts um drei Uhr in einer Bar erschossen wird. Irre Typen gibt es zwar immer, aber wir leben nicht an einem Ort, wo derartige Dinge passieren.

Die Kritik an meiner Person blieb in all dieser Zeit stabil. Gewisse Fussball-Präsidenten schiessen heute sicher mehr auf den Mann als in der Vergangenheit. Es gibt schon solche, die lieber in den Medien stehen als andere. Wir bewegen uns in einer mediatisierten Welt. Früher sorgte Nero für Brot und Spiele. Auf eine andere Art und Weise ist das heute auch noch so. Storys lassen sich eben gut verkaufen.

Haben Sie jeweils gelesen, was über Sie in den Zeitungen stand?

Ich lese die Artikel natürlich, diese Neugier steckt in jedem Menschen drin. Dabei habe ich mir oft gedacht, was für ein Mist da zusammengeschrieben wurde. Letztlich gibt es für Strafbehörden zwei Möglichkeiten: entweder man sagt zu einem laufenden Verfahren nichts, oder man versucht, die Sachlage zu erklären. Ich habe immer versucht, meine Position auszudiskutieren.

Wie muss man sich den Alltag, falls es denn so etwas gibt, des Präsidenten der Disziplinarkommission vorstellen?

Es gibt die groben Fälle, wo es um Punkte und Resultate geht, die sogenannten Protestfälle. Diese sind die Ausnahme. Alltag ist, wenn zum Beispiel ein Spieler in erster Instanz gesperrt wird und der Fall vom Club weitergezogen wird. Dann nämlich kommt die Disziplinarkommission ins Spiel.

Welche Fälle sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Speziell die Urteile bezüglich der Sicherheit in den Stadien. Das sind die schwierigen Fälle. Hierfür habe ich die Patentlösung auch nicht. Wenn Personen aus dem schwarzen Block wahllos Zuschauer zusammenschlagen oder Petarden in andere Sektoren fliegen, muss sich etwas ändern. Vor kurzem habe ich die Partie Liverpool – Chelsea besucht. Ich wurde beim Einlass nicht einmal richtig untersucht, und trotz der Tatsache, dass gar keine Personen untersucht worden sind, ist nichts passiert. Es wurde nur gesungen und gefeiert. Bengalische Fackeln waren nicht nötig, um Stimmung zu machen. Bei uns ist dies anders. Unsere Fan-Kultur orientiert sich an jener der Ultras, wie sie etwa in Italien vorherrscht.

Was machen die Engländer besser, beziehungsweise was läuft in der Schweiz in Sachen Sicherheit falsch?

Seit der Heysel-Tragödie haben die Engländer in den Stadien keine Gitter mehr. Dafür setzen sie auf ein klares Durchgriffsrecht. So etwas gibt es bei uns nicht. Sicher ist andernorts das Zusammenspiel zwischen Club, Sicherheitsdienst und Polizei einfacher zu lösen als bei uns, wo die Vereine oft nicht Besitzer des Stadions sind. Vielleicht sollte viel härter durchgegriffen werden. Ich bin sicher eher der repressive Typ. Der Fan soll nicht gefragt werden, ob man dieses oder jenes tun darf, wie es heute über Fanbeauftragte oft getan wird. Es muss im Stadion doch keine Wohlfühlgemeinschaft sein, sondern die Vorschriften müssen eingehalten werden.

Was könnte konkret gemacht werden?

Ich habe zum Beispiel einmal eine Art Dresscode vorgeschlagen. Beispielsweise könnte man Kapuzenpullover – so etwas wie die Burka des Fussballs, weil man sich später vermummen kann – im Stadion verbieten, damit die Krawallmacher nicht in der Masse untertauchen können. Dies könnte gemacht werden, wenn man denn wollte. Ich weiss allerdings nicht, ob dies pragmatisch durchsetzbar ist. Aber wie gesagt, ich habe die Patentlösung ebenfalls nicht.

Sie haben des Öfteren Geisterspiele verhängt. Sind solche Kollektivstrafen sinnvoll?

Die Clubs sind verantwortlich für die Fans. Mit dem Kauf eines Tickets entsteht ein Vertrag zwischen diesen beiden Parteien. Die Vereine sind über die Mitgliedschaft mit der Swiss Fottball League verbunden. Mit den Zuschauern haben wir keine direkte Verbindung, weshalb wir von der Disziplinarkommission und von der Liga nur die Clubs bestrafen können. Und eine Sanktion soll schmerzen, entweder mittels einer Busse oder einer Stadionsperre. Klar, von 30 000 Zuschauern tanzen nur 50 bis 100 aus der Reihe. Zudem sind wir als Kommission an das Reglement gebunden. Wir können nur Sanktionen verhängen, die auch vorgesehen sind. Schliesslich müssen wir das Recht anwenden und können nicht irgendeine andere Sanktion erfinden.

Schauen Sie auch über die Grenzen hinaus, wie in anderen Ländern sanktioniert wird?

Es gibt sicher Länder, wo es eine Spur professioneller abläuft als hierzulande. Bei uns herrscht das Milizsystem vor. Es sind gewachsene Strukturen vorhanden, welche ich nicht in Frage stelle. Aber ich kann mir einen Einzelrichter wie etwa Reto Steinmann im Eishockey auch in der Swiss Football League vorstellen. Dieser leistet die ganze Vorarbeit und entscheidet selber die Fälle in eigener Kompetenz. Ein Milizgremium kann dann das durch Beschwerde angefochtenen Urteil immer noch in zweiter Instanz behandeln.

Was hat Ihnen die Arbeit als Präsident der Disziplinarkommission persönlich gebracht?

Es war spannend, in diesem Tagesgeschäft dabei zu sein. Es ist ein People-Business, in welchem Kontakte mit Präsidenten und Spielern entstehen. Zudem hat man einen gewissen Einfluss auf den Schweizer Fussball. Das alles macht durchaus Spass.

Und welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Er sollte kritikfähig sein, mit gesundem Menschenverstand an die Arbeit gehen und sich stets fragen, was die Praxis und was das Reglement ist. Mein Nachfolger kann auf eine gute Kommission mit viel Erfahrung zurückgreifen. Wichtig ist, in den Gremien miteinander zu sprechen. Auf jeden Fall glaube ich, dass ein Wechsel gut tut. Vielleicht wird man mit einem neuen Präsidenten wieder ein bisschen objektiver umgehen und ihm von Seiten der Clubs zu Beginn wieder mehr Respekt entgegenbringen.

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