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Ich e-maile, also bin ich – oder doch nicht?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ich weiss, das heisst normalerweise, nach Descartes, «Cogito ergo sum» (wobei die erweiterte Version lautet: Ich zweifle, also denke und existiere ich), aber in modernen Zeiten sind gewisse Anpassungen notwendig.

 

Bewusst wurde mir dies, als ich neulich ein Ticket für die Oper online kaufen wollte. Wie jedes Jahr gehe ich im Dezember oder Januar gerne in DIE Freiburger Opernaufführung – diesmal die «Zauberflöte». Auf der Webseite suchte ich mir das Datum heraus, dann die Plätze für meinen Mann und mich, und dann wollte ich diese Karten buchen. Auf dem Online-Portal gab es zwei Möglichkeiten: Entweder konnte man sich direkt einloggen oder ein neues Konto generieren. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich schon ein Konto hatte, aber bei dem Rhythmus der Nutzung hatte ich keine Erinnerung an mein Passwort. Also klickte ich auf «Passwort vergessen». Daraufhin musste ich meine E-Mail-Adresse eingeben, damit man mir ein neues Passwort schicken würde. Ich tippte also die Adresse ein und drückte auf «Neues Passwort senden» – und bekomme sofort eine Fehlermeldung mit «Ihre E-Mail-Adresse ist bei uns unbekannt». Ok, dachte ich, dann habe ich vielleicht doch noch kein Konto, und kreiere ein neues Profil! Also tippte ich alles brav ein, was verlangt wurde und klickte weiter unten auf «Konto generieren» – und bekam sofort eine Fehlermeldung mit «Ihre E-Mail-Adresse ist schon bekannt». Na ja, dachte ich, dann probiere ich es nochmals weiter oben mit dem Senden eines neuen Passworts – ich kann Ihnen sagen, dass ich das ganze Spiel insgesamt drei Mal probiert habe, ohne Erfolg. Jedes Mal suchte ich den Fehler bei mir, habe geprüft, dass Name und Adresse stimmen, dass ich nicht zufällig die «Caps lock» angestellt hatte usw. Es nutzte alles nichts. Soweit zur klassischen Programmierung – keine Spur von «artificial intelligence». Schliesslich bin ich auf die «traditionelle» Art zur Kasse vor Ort ins Equilibre gegangen – und habe meine zwei gewünschten Plätze «live und in Farbe» kaufen können.

Nicht nur eine E-Mail-Adresse gehört heute zu einer Person, auch ein «intelligentes», SMS-fähiges Telefon ist unabdingbar, wenn man an bestimmten Aktivitäten, die unsere Gesellschaft anbietet, teilhaben will. So bekam ich neulich von einer Kollegin eine E-Mail, dass man doch bitte für ihre Start-up-Firma, die am Wettbewerb für die beste Freiburger Start-up des Jahres teilnahm, «voten» möge, indem man eine SMS da-und-da hinschicken sollte. Ohne Mobiltelefon hätte ich das Team nicht unterstützen können – und hurra, sie haben gewonnen. Auch wenn man bei der Innosuisse einen Antrag für ein anwendungsorientiertes Forschungsvorhaben einreichen möchte, ist das ohne Natel überhaupt nicht möglich, denn man bekommt, wie bei so mancher Bank, zum Einloggen einen Code per SMS zugesendet. Wohl dem, der ein Natel hat!

Zurück zu Descartes. Sicher kennt der eine oder die andere auch das Buch «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» von Richard David Precht, das sich übrigens leicht liest. Mich hat allein der Titel seines Buches dazu inspiriert, einmal nachzuforschen: Auf unserer Haut leben angeblich rund zehn Milliarden Bakterien, in unserem Verdauungssystem sind es 10 bis 100 Billionen. Das heisst, auf und in jedem von uns wohnen mehr Bakterien, als es Zellen in unserem Körper gibt und als es Menschen auf der Erde gibt. Jedenfalls gut, dass die nicht alle eine E-Mail-Adresse und ein Natel brauchen … Und übrigens: Die «Zauberflöte» war wieder mal zauberhaft!

Katharina M. Fromm wohnt in Freiburg und ist seit 2006 Professorin für Chemie an der Universität Freiburg. Sie ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

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