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«Ich führe kein Viersternhotel»

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«Ich führe kein Viersternhotel»

Philippe Tharin leitet seit acht Monaten die Anstalten von Bellechasse

In den Strafanstalten von Bellechasse sitzen 160 Insassen, davon 23 Prozent Schweizer, ihre Strafen ab. Der neue Direktor will die Angestellten stärker in die Verantwortung einbeziehen und neue Arbeitsfelder für die Insassen suchen. Im Gespräch mit den FN erzählt er aus dem Gefängnisalltag.

Mit PHILIPPE THARIN sprach
ELISABETH SCHWAB-SALZMANN

Wer lebt in den Anstalten von Bellechasse?

Wir haben 160 Insassen, die von 110 Strafvollzugs-Mitarbeitern (früher Gefängniswärtern) bewacht werden. Bei uns sind alles «Ersttäter», der jüngste ist 18, der älteste 82 Jahre alt. Diebe, Drogendealer, Mörder, wir haben die ganze Palette von Straftätern im Hauptsitz Bellechasse und im Tannenhof (la Sapinière), ganz in der Nähe von hier. Strafen bis sechs Monate werden im Tannenhof verbüsst. Ab sechs Monaten bis lebenslänglich werden in Bellechasse verbüsst (zurzeit gibt es aber keine lebenslängliche Strafe in Bellechasse). Mehr als 80 Prozent der Bestrafungen in der Schweiz sind solche bis zu sechs Monaten.

Wie beschreiben Sie Ihre «Anstalts-Philosophie»?

Meine oberste Priorität gilt der Sicherheit. Üblicherweise heisst es «im Zweifelsfall für den Angeklagten», bei uns sagen wir: «Im Zweifelsfall zugunsten der Gesellschaft». Natürlich haben wir mit Personalmangel zu kämpfen. Unsere Angestellten leisten ihr Bestes, um die Sicherheit zu gewährleisten. Seitdem ich in Bellechasse bin, wurde ich übrigens von Seiten der Regierung immer unterstützt. Im Personal schlummert hervorragendes Potenzial, das möchte ich vermehrt dank menschenorientierter Führung aktivieren. Jeder soll spüren, wie wichtig er für die Unternehmung und das Arbeitsklima ist. Die Insassen sollen bei uns korrekt behandelt werden, damit wird das Aggressionspotenzial merklich herabgesetzt. Schliesslich muss die Verwaltung funktionieren.

Wie im Militär begannen wir mit KKK, hier sind es aber sechs K’s: das Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren, und im Gefängnis dazu das Korrektsein, Konsequentsein, und wenn alles nichts nützt, folgt die Kiste. Unser Ziel jedoch ohne zu träumen ist die Resozialisierung der Insassen. Die Infrastrukturen und Berufsgattungen des Personals sind Mittel zum Zweck.

Was ist das Schwierigste für die Insassen?

Für die meisten ist der Freiheitsentzug an sich das Schlimmste und der Zwang, mit anderen Menschen zusammenzuleben, die man sich nicht ausgesucht hat. Die meisten wollen nicht einsehen, warum sie hier sind. «Ich bin schuldig» können sich die meisten nur schlecht eingestehen. Dann wiegt der Verlust der Familie, der Freunde schwer. Viele Drogenabhängige leiden extrem unter dem Drogenentzug. Wir separieren übrigens die Männer nicht nach den von ihnen begangenen Delikten. Damit würden wir nur die Bildung von Clan-Konflikten fördern. Diebe, Drogendealer etc. sind in den gleichen Abteilungen wie Männer, die Delikte gegen Leib und Leben verübt haben.

Kann man mit harter Haltung Drogenelend und Gewalt stoppen?

Meiner Meinung nach müsste in der Familie und im persönlichen Umfeld wie auch von der Justiz her eine konsequentere Haltung eingenommen werden. Der Laxismus macht uns die Gefängnisse voll.

Sind die Schweizer Gefängnisse bessere Hotels, wie sieht es in Bellechasse aus?

Man hört das oft, dass die Anstalten Hotelbetriebe seien, ich kann nur für uns antworten: In Bellechasse führe ich kein Viersternhotel. Unsere Insassen sind manchmal zu dritt, manchmal allein in einer Zelle. TV-Geräte oder Computer dürfen nicht von aussen hineingenommen werden (Gefahr von Drogenschmuggel). Wer will, und sich anständig aufführt, kann diese gegen Entgelt mieten. Bei Fehlverhalten werden als Erstes diese Privilegien gestrichen. Ausserdem gilt in den Schweizer Gefängnissen die Arbeitspflicht. Pro Arbeitstag erhält ein Insasse 17 Franken für seine Arbeit, fünf zusätzliche gibt es für Top-Benehmen, Ordnung und Sauberkeit in der Zelle. Das Essen ist korrekt, die Angestellten, auch ich selber, essen dasselbe wie die Insassen. Dank der Leistung der Küchenmannschaft gelingt es, für rund neun Franken pro Tag das Beste an Qualität zu geben.

Was kostet ein Häftling pro Tag?

In Bellechasse beträgt der Realpreis rund 300 Franken pro Tag, rund die Hälfte können wir mit Arbeit und Produktion abdecken. In anderen schweizerischen Anstalten kann es je nach Sicherheitsstandard und Pflegebedürfnissen bis auf 700 und sogar auf 1200 Franken steigen.

Gibt es immer genug Arbeit für alle Häftlinge?

Genau das ist eine wichtige Aufgabe, immer wieder dafür zu sorgen, dass neben der Landwirtschaft (wir sind praktisch Selbstversorger) immer genügend andere Aufträge vorhanden sind. Wenn wir dafür sorgen, dass die Insassen sinnvolle Beschäftigung haben, vermindern wir damit auch Gewaltexzesse. Oft müssen wir die Leute wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen, das Erfüllen von Pflichten und das Einhalten von Richtlinien. Weil immer mehr Insassen immer länger im Sicherheitstrakt bleiben, sind die Arbeiten in den geschlossenen Werkstätten noch vermehrt zu differenzieren.

Welche Projekte haben Sie für die Zukunft?

Einige habe ich bereits gestartet. Das sind zum Beispiel die Projekte «Pensionierte vom Freitag» und «Club der ehemaligen Unternehmer». Die
Freitags-Pensionierten kommen einmal in der Woche zu uns und lehren den Insassen ihr Handwerk, sodass die Männer nach ihrer Freilassung auf etwas aufbauen können. Die ehemaligen, frisch pensionierten Unternehmer bringen ihr Know-how zu uns, sie stellen eine Art «think tank» dar, wohlverstanden als Benevol-Helfer, wie die Freitags-Pensionierten.

Wir möchten vermehrt auch mit den KMU zusammenarbeiten und nicht, wie oft behauptet wird, in Konkurrenz. Mit den Nachbarn aus der Landwirtschaft könnten wir noch enger zusammenarbeiten, aktuell beschäftigen wir aus diesem Sektor 20 Personen. Die Reduktion der Landwirtschaftsbetriebe ist nicht zu unterschätzen, ehemals selbständige Bauern könnten mit einer Tätigkeit in Bellechasse weiter in ihrem Beruf bleiben.

Was macht ein Gefängnis-Direktor am Feierabend?

Ich lege Wert darauf, innerhalb des Geländes zu wohnen, damit ich sofort zur Stelle bin, wenn es nötig wäre. Da ich problemlos abschalten kann nach der Arbeit, kann ich mich so in der Freizeit mit Spaziergängen, Reiten, Lesen und kulturellen Anlässen erholen.
Bellechasse in
Zahlen

160 Insassen, davon 23 Prozent Schweizer, werden von 110 Mitarbeitern, z. T. auch externen, betreut. Seit 1974 sind nur noch Männer inhaftiert. 432 Hektaren Flachland und 293 Hektaren Alpweiden und Wälder gehören zu den Anstalten. Damit ist Bellechasse der zweitgrösste Landwirtschaftsbetrieb der Schweiz. Hunderte von Kühen, Kälbern, Schweinen, Pferden und Federvieh gehören dazu. 86 Gebäude, inklusive das Hauptgebäude, der Tannenhof, Verwaltungs- und Landwirtschaftsgebäude und die kürzlich renovierte Kirche zählen zu den Anstalten Bellechasse.

86 Millionen Franken Investitionen sind im Betrieb, 30 Millionen beträgt das Budget und sieben Millionen Franken Verlust resultieren jährlich.
Mitarbeiter aus 26 Berufsga

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