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«Ich habe eine Obsession für Geschichten»

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Er gehört zu den wichtigsten südkoreanischen Filmemachern seiner Generation und gilt auch in Europa als einer der innovativsten Filmemacher der Gegenwart: Bong Joon-ho. Eigentlich hätte der 49-Jährige diese Woche am Filmfestival Freiburg (FIFF) seine Lieblingsfilme vorstellen sollen. Die Fertigstellung seines neuesten Werks hat eine Reise nach Freiburg aber verunmöglicht. Seine Filmauswahl wird trotzdem gezeigt – und ein Interview mit den FN liess er sich auch nicht nehmen.

 

Bong Joon-ho, Sie stecken mitten in der Postproduktion Ihres neuen Films «Parasite». Können Sie mir einen kleinen Vorgeschmack auf die Handlung geben?

Es ist eine Geschichte über zwei Familien, die eine lebt in ärmlichen Verhältnissen, die andere ist reich. Im Zentrum steht eine sehr spezielle Begegnung zwischen den beiden. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Nach zwei Filmen mit amerikanischen Schauspielern sind Sie für «Parasite» wieder nach Südkorea zurückgekehrt. Wie kamen Sie zu dieser Entscheidung?

Das ist Zufall. Für mich spielt es keine Rolle, wo und mit wem ich drehe. Ich habe eine Obsession für Geschichten. Nur die treibt mich an und weniger die Produktion in den einzelnen Ländern.

Das Kino Südkoreas ist radikaler als das europäische. Woran liegt das?

Ja, wir sind als Gesellschaft den Extremen zugeneigt. Wir haben eine aussergewöhnliche Geschichte hinter uns. Die Besetzung durch Japan, der Krieg, die Teilung des Landes: Das sind Dinge, die unsere Art zu denken stark beeinflusst haben und bis heute nachwirken.

Spielt die Geschichte des Landes auch in Ihren Filmen eine Rolle?

Nicht direkt. Aber sie spiegelt sich oft ganz subtil in den Einzelschicksalen der Figuren. Die Wunden der Vergangenheit betreffen viele Menschen in unserem Land. Meine Familie wurde zum Beispiel durch den Koreakrieg auseinandergerissen.

Wie beschreiben Sie die aktuelle politische Situation in Ihrem Heimatland?

Es verändert sich extrem viel zurzeit. Aktuell beschäftigt uns vor allem das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA. Wir nähern uns dem Norden wieder leicht an, aber die Situation bleibt prekär. Das, was in den nächsten Jahren passiert, wird über unsere Zukunft entscheiden.

In Nordkorea herrscht mit Kim Jong-un ein Diktator. Welche Rolle spielt das für Ihre Arbeit?

Ich habe noch nie einen Film gedreht, der sich direkt mit der Nähe zum Nachbarn im Norden beschäftigt. Aber die ganze koreanische Gesellschaft ist durch die Teilung geprägt. Das Thema fliesst deshalb eher untergründig in die Filme ein. In meinem Film «Memories of Murder» gibt es zum Beispiel eine Szene, die eine Alarmübung des Militärs zeigt. Die Sequenz verweist auf unsere Lage: Wir leben ständig in der Angst, angegriffen zu werden. Die Situa­tion ist merkwürdig, aber so ist das nun einmal.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Filme für das FIFF ausgewählt?

Ich habe eine sehr persönliche Auswahl getroffen. Es handelt sich um Filme, die ich in meiner Kindheit auf einem kleinen Fernseher gesehen habe und die ich gerne einmal auf der grossen Leinwand erleben möchte. Dafür wollte ich das Filmfestival in Freiburg gerne nutzen (lacht). Es ist daher auch für mich schade, dass ich nicht dabei sein kann.

Die Liste besteht zu einem beachtlichen Teil aus amerikanischen Filmen. Sind Sie stärker von westlichen Filmen beeinflusst als von asiatischen?

Als Kind habe ich fast nur amerikanische Filme aus den 1970er-Jahren gesehen. Mit Filmen wie Steven Spielbergs «Sugarland Express» habe ich deshalb eine emotionale Verbindung. Zu den grossen asiatischen Filmen wie etwa «Red Beard» von Akira Kurosawa habe ich eher einen analytischen Zugang. Daran habe ich im Studium meine eigene Filmsprache geschult.

Ich habe gehört, dass Sie in der Vergangenheit in der Schweiz im Urlaub waren. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Sie damit verbinden?

Ja, ich habe 2009 eine Autotour durch Ihr Land gemacht. Damals habe ich per Zufall das Städtchen Solothurn entdeckt und dort in einem ganz kleinen Kino den Film «Transformers 2» gesehen. Das war ein spezielles Erlebnis. (lacht)

Bong Joon-ho wird heute um 14 Uhr in einer Videokonferenz mit dem Publikum in Kontakt treten. Informationen zur Videokonferenz und zur Carte blanche von Bong Joon-ho unter: www.fiff.ch

Zur Person

Mit Netflix in den Wettbewerb von Cannes

Der renommierte südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho wurde 1969 geboren. Er absolvierte die Koreanische Filmakademie und machte zunächst mit Kurzfilmen auf sich aufmerksam. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Langfilm «Memories of Murder», einem Krimi, der in der koreanischen Provinz spielt. Es folgten weitere internationale Erfolge mit dem Monsterfilm «The Host», dem Thriller «Mother» und dem Science-Fiction-Film «Snowpiercer». Sein aktueller Film «Okja» wurde von Netflix produziert und gehört zu den ersten Filmen eines Streamingdiensts, die am Festival in Cannes im Wettbewerb vertreten waren. Sein neuestes Werk «Parasite» soll noch in diesem Jahr Premiere feiern. Am Filmfestival Freiburg wollte der Filmemacher dieses Jahr sieben seiner Lieblingsfilme persönlich präsentieren. Erst kürzlich sagte er seine Teilnahme jedoch ab. Er wird durch Vi­deo­botschaften mit dem Publikum in Kontakt treten.

lr/Bild zvg

 

«Für das Film­festival Freiburg habe ich eine sehr persönliche Filmauswahl getroffen.»

Bong Joon-ho

Regisseur

 

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