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«Ich habe jeden Tag Geburtstag»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Hubert Audriaz schüttelt das Sitzkissen aus und bietet einen Platz auf seiner Terrasse an. Auf dem Gartentisch liegen Kistchen mit frisch geernteten Zwiebeln und rostiges Werkzeug. Von der Sitzecke aus hat man freie Sicht auf die Saane. Es ist ruhig, richtig idyllisch im Freiburger Grabensaal. Die einzigen Nachbarn sind Ponys und Kühe. Gleich neben dem Bauernhaus befindet sich Audriaz’ Märchendorf. Ein kleines Paradies, eine Insel inmitten der Stadt, ist die Welt von Hubert Audriaz.

Aus einfachen Verhältnissen

«Ich habe es zum Paradies gemacht», sagt er über sein Reich. «Man muss immer etwas machen.» Der Künstler steckt noch voller Ideen. Er zückt ein Heft. 39 Ideen für kreative Projekte hat der nun 80-Jährige darin notiert. Drei davon: «Die Murtenlinde», «Der Drache», «Die Goltgasse Nr. 103 (Familien mit 80 Kindern)». In diesem Haus in der Freiburger Unterstadt ist er aufgewachsen, zusammen mit sieben Brüdern und drei Schwestern, in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen. Nicht immer war Audriaz’ Leben so idyllisch wie heute. Früh traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag: Der Vater, ein Musiker, starb, als Hubert sechs Jahre alt war. «Am schlimmsten war das Getuschel der Leute, die vorbeigingen.»

Grosse Bewunderung hat er für seine Mutter, die ihn und seine zehn Geschwister durchgebracht hat. «Sie hat sich für uns geopfert.» Sie habe ihm auch eine wichtige Lebenslektion mit auf den Weg gegeben. «Die Toleranz. Jeder ist gut so, wie er ist.» Audriaz zeigt auf sein schwarzes T-Shirt mit der weissen Aufschrift «Leben und leben lassen». «Das ist mein Motto.» Er begegnet allen freundlich, selbst denen, die es selber nicht sind. «Man erreicht sonst nur das Gegenteil. Sonst sind sie nur doppelt so unfreundlich.»

Sprünge statt Kreise

Audriaz schaut immer nach vorne. Er erinnert sich gerne an seine Kindheit. «Wir waren eine richtige Bande», sagt er und lacht. «Die Strasse war unser Wohnzimmer.» Die Kinder hätten ihre eigenen Spiele erfunden, etwa das vom Baseball inspirierte «Baschlag». «Dazu genügten uns Stecken und ein Ball aus Lumpen.» Gesehen hatten sie das Spiel in der Nachkriegszeit bei Amerikanern im Pérollesquartier.

Noch bevor er für die Eishockeymannschaft Freiburg-Gottéron spielte und das Drachen-Logo kreierte, hatte er einen weitaus filigraneren Start auf dem Eis hinter sich: als Eiskunstläufer – und damals einziger Junge unter all den Mädchen. «Mir gefiel das Gewaltlose daran. Ich wollte aber keine Kreise ziehen, sondern Sprünge machen.» Sich im Kreis drehen: auch heute nichts für Audriaz, der mit seiner Fantasie und Unangepasstheit lieber zu Sprüngen ansetzt. Glattes Eis, ein Paradies für den, der gut zu tanzen weiss: Irgendwie scheint dieses Zitat des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche gut zu Audriaz zu passen, der sich geschmeidig durch die Welt bewegt, sich von keinen Regeln einschränken lässt und sogar Bundesrat und Behörden an der Nase herumführte.

Bundesrat in Gummistiefeln

Diese Episode ereignete sich während der Bundesrats-Schulreise von 2004, die in Bundespräsident Joseph Deiss’ Heimatkanton führte. «Er rief mich an und fragte, ob ich etwas organisieren könne. Ein paar Tage später stand der Armeechef vor meiner Tür. Er wollte ein detailliertes Programm. Ich hatte aber noch gar keines, also improvisierte ich.» Die Wegführung musste abgeändert werden. «Doch als der Bundesrat dann hier war, überquerten wir trotzdem die Saane mit Gummistiefeln», sagt er und lacht verschmitzt über die schelmische Aktion. «Ich wollte damit an das Kindliche, Verspielte appellieren.» Der ungewöhnliche Programmpunkt sei gut angekommen. «Sie hatten grosse Freude.»

Während des Gesprächs mit Hubert Audriaz kommen Elektriker und Lieferanten, um noch etwas im neuen Märchendorf zu richten. Flink springt Audriaz auf. «Die Häuschen mit ihren schiefen Wänden sind von der Erzählung ‹Alice im Wunderland› inspiriert», sagt er. «Und ich bin der Hase», scherzt er, der sich als genauso neugierig wie Alice beschreibt. Der Hut des verrückten Hutmachers steht in seinem Garten und ziert in mehrfacher Ausführung das Gelände des Parcours; Spielkarten säumen den Weg. 20 Häuschen laden zum Spielen ein. In jedes hat Audriaz auf liebevolle Art eine Märchen- oder Sagenfigur gemalt: etwa den Gottéron-Drachen oder Rotkäppchen und den Wolf. Ein Stuhl und ein Kinderbuch laden zum Verweilen ein. «Ich hatte viel Glück und gebe gerne etwas zurück. Ich möchte Lebensfreude vermitteln und Geschichten erzählen.»

Lehrerinnen und Lehrer wurden schon früh aufmerksam auf das Talent des jungen Hubert. Als die Klasse nach einem Zirkusbesuch Zeichnungen anfertigte, malte er einen Elefanten mit Flügeln. «Ich meinte, die Ohren des Zirkuselefanten seien Flügel, ich hatte zuvor noch nie so ein Tier gesehen.»

Viel Ermutigung

Die Nonne Marie-Jeanne habe ihm gesagt, er solle in dieser Welt bleiben und Künstler werden. Immer wieder hätten Lehrer und Behörden ihn gefördert und ihm schliesslich ein Studium an der École des Beaux-Arts in Paris ermöglicht. «Alle haben mich ermutigt, wegzugehen. Ich machte mich auf mit dem Billett und 100 Franken von einem Freund im Sack. In der ersten Woche schlief ich unter Brücken.» Im Rahmen des Studiums habe er Gelegenheit gehabt, den spanischen Maler Salvador Dalí in seinem Atelier zu besuchen, was ihn inspiriert und motiviert habe.

Hubert Audriaz ist ein grosser Geschichtenerzähler, immer wieder fällt ihm etwas ein. Seinen Geburtstag feiert er indes nicht. «Ich habe gelebt, ich habe jeden Tag Geburtstag», sagt er – fast wie Kinderbuchfigur Alice, die im Wunderland ihre Nichtgeburtstage feiert. «‹Hubert im Wunderland›, das trifft es gut», sagt er lachend.

Es ist schon Mittag, die Zeit ist schnell vergangen. «Komm, Sureau!», ruft Hubert Audriaz. Der schwarzweisse, zugelaufene Kater folgt ihm zum Haus, während die Ponys auf der Wiese grasen. Manchmal ist das Leben doch ein Ponyhof – wenn man es dazu macht.

 

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