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«Ich habe keine Ahnung von Buchhaltung»

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Die weissen Haare ganz kurz geschnitten, die Augen hinter runden Brillengläsern, sitzt er im Cordanzug vor dem fünfköpfigen Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Freiburg. Der Gründer und langjährige Direktor der Multimediaschule Emaf–die heute Eikon heisst und vom Kanton geführt wird–hat schon bessere Tage erlebt. Davon zeugen die Rechnungen, die Gerichtspräsident Alain Gautschi und Generalstaatsanwalt Fabien Gasser eine nach der anderen aus den umfangreichen Akten ziehen.

«Ein Abendessen für vier Personen bei Philippe Rochat in Crissier hat 1800 Franken gekostet», sagt Gautschi. «Mit wem waren sie essen?» Der ehemalige Schuldirektor erinnert sich nicht: «Ich war sehr oft mit Kunden bei Rochat.» Das entspreche seiner Geschäftsphilosophie: «Um in die Welt der Unternehmer einzutreten, bin ich Mitglied im Zigarren-Club von Rochat und spiele Golf.» Auf diesem Weg habe er viele Unternehmer kennengelernt, die später der Emaf Mandate erteilt hätten.

Das Segelschiff in Paris

Mit Geschäftsbeziehungen erklärt er viele Rechnungen. Auch jene für die Anlegegebühr seines Segelschiffes in Paris. «Auf Studienreisen haben wir auf dem Schiff übernachtet, das war günstiger als ein Hotel.» Und Zigarren gehörten zur Grundausstattung seiner Schule: «Die rauchte ich mit Kunden in meinem Büro. Heute ginge das ja nicht mehr, wegen des Rauchverbots.»

Eine elftägige Reise zu zweit nach Bilbao und Bordeaux sei durchaus von der Schule zu bezahlen, sagte der ehemalige Direktor: «Ich habe Abklärungen für eine Studienreise getroffen.» Gautschi fragte nach: «Während elf Tagen?» Der Schulgründer räumte ein, dass zumindest der Anteil seiner Begleiterin nicht hätte von der Schule bezahlt werden sollen.

Bei einigen Rechnungen war auch ihm klar: «Das waren private Rechnungen.» Beispielsweise für eine Familienreise nach Mauritius. Warum die Reise aber trotzdem von der Schule bezahlt wurde, konnte er nicht erklären: «Ich habe keine Ahnung von Buchhaltung.» Darum habe er auch einen Treuhänder in den Verwaltungsrat berufen. «Ich habe der Buchhalterin und dem Treuhänder vertraut.»

Der Treuhänder sei es auch gewesen, der ihm geraten habe, das Material–Möbel und vor allem Computer–neu zu bewerten, als dem Unternehmen die Überschuldung drohte. Das Material wurde 300 000 Franken teurer bewertet als bisher–und die Überschuldung war auf der Ebene der Buchhaltung abgewendet.

Solche Buchhaltungstricks und private Rechnungen, die statt über das Aktionärskonto über die laufende Rechnung der Schule abgebucht wurden, schmälerten den Gewinn der Schule–und damit sanken die Steuern. Dem Emaf-Gründer wird deshalb Urkundenfälschung, Steuerbetrug und ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen.

Der ehemalige Direktor zeigte sich vor Gericht erstaunt darüber, dass er das einzige Mitglied des Verwaltungsrats ist, das sich vor Gericht verantworten muss. «Aber vielleicht war es einfacher, nur mich statt die Schule anzugreifen.»

«Über den Tisch gezogen»

Der ehemalige Direktor und Besitzer der Emaf verkaufte die Schule vor vier Jahren an den Kanton Freiburg. «Dabei wurde ich über den Tisch gezogen», sagt er heute. Die Freiburger Kantonalbank habe das ehemalige Gebäude Timbale an der Wilhelm-Kaiser-Strasse, das er gekauft und renoviert hatte, neu evaluiert–und plötzlich sei das Gebäude statt der ursprünglichen zwölf Millionen Franken nur noch knapp acht Millionen wert gewesen. «Ich stand unter Schock.» Zusammen mit Kanton und Bank habe er dann eine Lösung gefunden. «Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass die Bankleute vor unseren Sitzungen immer aus dem Büro des Staatsrates kamen–sie hatten sich abgesprochen.»

Urteil Ende Monat

Der Schulgründer ist auch heute noch im Kommunikationsgeschäft tätig. Und er hält an alten Gewohnheiten fest: Obwohl sein Lebensstandard einiges tiefer ist wie damals als Emaf-Direktor, spielt er immer noch Golf. Und es scheint sich auszuzahlen: «Am vergangenen Wochenende hatte ich Kontakt zu mehreren Unternehmern, die mir nun Aufträge erteilen wollen.»

Das Gericht befragt nächsten Montag Zeugen, die Plädoyers sind auf Dienstag nächster Woche angesagt. Das Urteil wird Ende Monat erwartet.

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