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«Ich habe nur für die PH gelebt»

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Die 52-jährige Pascale Marro, Rektorin der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg, tritt Ende September nach elf Jahren im Amt zurück. Ihre Nachfolge ist noch nicht definitiv geregelt. Im Interview blickt Marro auf das vergangene Jahrzehnt zurück.

 

Wieso hören Sie an der PH Freiburg auf?

Es gibt diverse Gründe. Erstens ist da mein Alter. Nun ist ein guter Zeitpunkt, um anderen beruflichen Herausforderungen zu begegnen. Es ist auch nicht so gut für eine Institution wie die PH, zu lange unter der gleichen Führung zu stehen. Ich habe hier vieles erreicht, vieles ist stabilisiert. Nun ist ein guter Moment für einen Wechsel.

Bedauern Sie, dass Ihre Tätigkeit an der PH nun beendet ist?

Natürlich. Ich kenne hier viele Leute, einige sind auch Freunde geworden. Ich habe ja nur für die PH gelebt, jeden Tag hier gearbeitet und auch in der Nacht an die Arbeit gedacht. Ich habe in den letzten elf Jahren wirklich mein ganzes Leben mit Leidenschaft dieser Institution gewidmet.

Was tun Sie beruflich ab Oktober?

Mir wurden bereits vier Wochenstunden als Titularprofessorin in Entwicklungspsychologie an der Universität Neuenburg zugesichert, an der ich früher bereits gearbeitet habe. Mir gefällt jene kleine Universität sehr. Ich werde aber noch eine weitere professionelle Aufgabe suchen. Es sind schon einige Ideen da, festgelegt habe ich mich aber noch nicht.

In welche Richtung könnte es gehen?

Die Bildungspolitik interessiert mich sehr. Schon als Rektorin habe ich in einigen nationalen Gremien gearbeitet, zum Beispiel in einer Unesco-Kommission oder bei «Education  21», wo es um nachhaltige Entwicklung ging. Da ich aber von Haus aus Logopädin bin, würde es mir auch Spass machen, in einer Institution mit behinderten Kindern zu arbeiten. Eine kleine Denkpause wird mir nun aber sicher ­guttun.

Als Rektorin haben Sie nicht mehr direkt mit Kindern gearbeitet.

Nein, nur noch mit Studierenden und Dozierenden. Ich habe in den letzten elf Jahren aber immer versucht, die Kinder nicht aus den Gedanken zu verlieren. Mit meinem humanistischen, ganzheitlichen Ansatz ging es mir immer um mehr als nur um Schulfächer wie Mathematik, Deutsch oder Englisch. Meine Prioritäten sah ich in den Bereichen Diversität, Respekt, Erziehung zum Staatsbürger und nachhaltige Entwicklung. Kurz: Ich wollte mit einer humanistischen Einstellung Ganzheitlichkeit fördern.

Sie haben selbst eine 16-jährige Tochter. Inwiefern konnten Sie bei deren Erziehung von Ihrer beruflichen Erfahrung profitieren?

Ich hoffe, schon etwas. Da müsste man freilich meine Tochter fragen. Sie ist allerdings letzte Woche für ein Austauschjahr vom Kollegium Gambach nach Pennsylvania aufgebrochen.

Warum sind Sie eigentlich Rektorin geworden?

Ich mag alles Organisatorische. Zudem erlebte ich die Mitarbeiter hier schon als Professorin als sehr motiviert und engagiert. Auch der Prozess der Umwandlung der Pädagogischen Hochschulen war mir vertraut, weil ich zuvor bereits an einer Universität tätig war.

«Ich habe immer alles getan, um Konflikte friedlich beizulegen. Sicher habe ich auch Fehler gemacht.»

Pascale Marro

PH-Rektorin

 
 

Inwiefern hat sich die PH Freiburg in den elf Jahren Ihres Wirkens verändert?

Als ich im Jahr 2007 begann, war es erst fünf Jahre her, dass die Pädagogische Hochschule in ihrer heutigen Form überhaupt gegründet worden war. Wir hatten sehr viel zu tun, vor allem in den Bereichen Administration, Personalwesen und Buchhaltung, aber auch, was die Definition und Organisation des Kursus betraf. Dieser hatte «Bologna-konform» zu sein. Auch auf rechtlicher Ebene tat sich einiges. Die PH musste eine autonome juristische Person werden, um als Hochschule anerkannt zu sein. Noch heute sind einige Reglemente noch nicht in Kraft getreten. Ausserdem musste der Bereich der Forschung erst einmal entwickelt werden. Das alles bedeutete viel Arbeit im Hintergrund, von der die Studenten nicht viel merkten.

Welche Herausforderungen warten denn noch auf die PH?

Vor allem die offizielle Akkreditierung als Hochschule ist noch ausstehend. Deadline ist das Jahr 2022. Zu Ende ist die Arbeit aber sowieso nie. Alle Hochschulen sind permanent in Bewegung. Und nicht zuletzt hat die PH Freiburg auch ihre Konkurrentinnen in der Hochschullandschaft. Immer zu tun gibt der Sektor ­Digitalisierung.

Während Ihrer Amtszeit wurde auch Kritik an Ihrer Amtsführung laut. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Wir hatten sicher interne Schwierigkeiten, vor allem zu Beginn meiner Amtszeit. Einige Leute waren mit gewissen Veränderungen hier nicht glücklich, zum Beispiel mit der Einführung des neuen Kursus. Es ist aber verständlich: Veränderungen sorgen beim Menschen immer für Angst und Unsicherheit. Vielleicht habe ich nicht immer so gut erklärt, was wir hier alles verändern müssen. Ich habe aber immer alles getan, um die Konflikte friedlich beizulegen. Sicher habe ich auch Fehler gemacht. Das Problem war aber, dass die Thematik sofort von der Presse und der Politik aufgegriffen wurde. Dabei ist ganz klar: Wenn man Chefin von 200 Leuten ist, kann man es nie allen recht machen. Das musste ich selbst auch lernen. Ich war sehr engagiert, vielleicht sogar zu engagiert. Aber auch das ist normal. Rektorin zu sein, ist etwas Leidenschaftliches. Gleichzeitig tauchen immer wieder Problemchen auf.

Mit den Studierenden gab es nie Probleme?

Nein. Sie sind nach wie vor sehr motiviert, Lehrerin oder Lehrer zu werden. Ich habe unsere 600 Studierenden immer als zufrieden erlebt – und es auch geschätzt, dass unsere In­stitution kleiner als ihr Waadtländer Pendant oder als die Universität Freiburg war. Wir sind hier eine grosse Familie.

Schweizweit spricht man vom Lehrermangel. Allerdings scheint es dieses Problem im Kanton Freiburg nicht zu geben. Warum nicht?

Vorab sei gesagt: Die Pädagogischen Hochschulen tragen keine Schuld am Lehrermangel, und doch sind sie immer die ersten Ansprechpartner für die Kantone, wenn das Problem irgendwo auftaucht. Es wird aber auch für die PH Freiburg eine Herausforderung, künftig mehr Studierende auszubilden, nur schon platzmässig. Die Lage im Kanton ist bei Stellvertretungen heute schon angespannt, und es ist ein offenes Geheimnis, dass sich in zwei, drei Jahren viele Lehrerinnen und Lehrer wegen der Veränderungen bei der kantonalen Pensionskasse (die FN berichteten) frühzeitig pensionieren lassen werden. Die PH denkt auf alle Fälle schon heute über das Risiko des Lehrermangels nach. Entschieden ist aber noch nichts – ausser dem Entschluss, ab diesem Herbst zehn Studierende mehr pro Jahr auszubilden.

Zur Person

Mutter einer 16-jährigen Tochter

Die 52-jährige Pascale Marro ist in Freiburg geboren und wohnt auch heute noch in der Saanestadt. Nach ihrem Studium der Logopädie hat sie ihre Dissertation an der Universität Nancy in Frankreich geschrieben und verbrachte danach ein Jahr an der Universität Stanford in Kalifornien, bevor sie 2004 zur PH Freiburg kam, wo sie zunächst als Professorin tätig war. Pascale Marro ist geschieden und alleinerziehende Mutter einer 16-jährigen Tochter. Ihre Hobbys sind das Schwimmen, das Lesen, das Besuchen von Ballettvorführungen mit ihren Freunden, und in Zukunft möchte sie auch wieder mehr reisen.

jcg

 

Der Blick von aussen

Sie wirkte in einer Zeit des «Übergangs»

Der Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) spricht im Rückblick von einer «exzellenten Kooperation» mit Pascale Marro. «Ich hatte die Gelegenheit, regelmässig mit ihr zusammenzuarbeiten», so Siggen. Auch bei den Diplomübergaben habe man sich öfter getroffen. Er nehme ihren Rücktritt «mit Bedauern, aber auch mit Verständnis» zur Kenntnis. Es sei nach über zehn Jahren im Amt verständlich, dass Marro eine neue Herausforderung suche. Ihre Amtszeit sei insgesamt diejenige eines «sehr schwierigen Übergangs von einer Mittelschule zur Hochschule» gewesen. Es gebe sicher einen Zusammenhang zwischen dieser «so wichtigen» Transformation und der Kritik an Marros Amtsführung. Nicht zuletzt habe sie die Forschungstätigkeit an der PH einführen müssen, auch für Personen, denen die Erfahrung in dieser Hinsicht gefehlt habe. Heute befinde sich die PH in einem ausgezeichneten Zustand; die wichtigste Herausforderung für die kommenden Jahre bleibe die Akkreditierung als Hochschule.

«Pragmatisch und konstruktiv»

Die Rektorin der Universität Freiburg, Astrid Epiney, hat die Zusammenarbeit mit Marro als «sehr lösungsorientiert, pragmatisch und konstruktiv» in Erinnerung, räumt aber ein, dass sie nicht allzu viel mit ihr zu tun gehabt habe – abgesehen vom Institut für Mehrsprachigkeit, das die Universität und die PH zusammen auf die Beine gestellt haben.

Katharina Thalmann-Bolz, Präsidentin der PH-Kommission und Grossrätin (SVP, Murten), spricht ebenfalls von einer «sehr guten, fruchtbaren Zusammenarbeit» mit der abtretenden PH-Rektorin. «Sie ist eine sehr aufgeschlossene Person, die immer versuchte, die bestmöglichen Lösungen für die PH zu suchen», so Thalmann-Bolz, «dies in einer Zeit der Umwandlung vom Lehrerseminar zur neuen Institution.» Es sei für die französischsprachige Marro sicher nicht einfach gewesen, in dieser zweisprachigen Institution allen gleichermassen gerecht zu werden, vor allem, wenn sich die Deutschsprachigen nicht so verstanden gefühlt hätten. Dies sei jedoch gegenwärtig kein Thema mehr, die Differenzen seien bereinigt worden.

«Ein Eruptivgestein»

Lorenz Wepf, geschäftsführender Direktor des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung Freiburg, mochte vor allem Marros «persönlichen, emotionalen, aber auch immer lösungsorientierten Stil in Diskussionen». Er vergleicht die abtretende PH-Rektorin mit einem «Eruptivgestein, das aus einem Feuer heraus entsteht, stetig in Bewegung bleibt und doch seine eigene Linie hat». Sie sei von dem, wofür sie sich einsetze, stets auch wirklich berührt.

jcg

 

Nachfolge

Die Stelle ist immer noch ausgeschrieben

Eine Nachfolge für Pascale Marro ist noch nicht gefunden. «Wir haben bei der ersten Ausschreibung bereits eine ansprechende Anzahl Bewerbungen bekommen, aber keine geeignete Person ausmachen können», sagte Katharina Thalmann-Bolz, Präsidentin der PH-Kommission. Es sei im zweisprachigen Umfeld Freiburgs auch nicht einfach, eine solche Person mit adäquater Erfahrung zu finden. Sie hoffe, dass das Bewerbungsverfahren bis Ende Jahr abgeschlossen und die Stelle bis zum kommenden Frühling oder Sommer besetzt sei. Bis dann werde der vierköpfige Direktionsrat das Rektorat ad interim leiten.

jcg

 

 

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