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«Ich habe versucht zu beweisen, dass wir Freiburger auch jemand sind»

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Autor: Arthur Zurkinden

Paul Zbinden, verbinden Sie den 70. Geburtstag mit dem Beginn des Ruhestandes?

Ich habe bereits mit 65 Jahren mit mehr oder weniger Erfolg begonnen, etwas kürzer zu treten. Mit 70 Jahren ist für mich in der Tat der Zeitpunkt gekommen, um langsam in den richtigen Ruhestand zu treten. Ich werde aber weiterhin in unserer Anwaltspraxis in beschränktem Rahmen tätig sein, aber nur noch als interner oder externer Berater. Neue Gerichtssachen nehme ich keine mehr an. Ich will mir die Zeit nehmen, um mich vermehrt meiner Familie und meinen Grosskindern zu widmen und noch häufiger zu wandern.

Sie haben sich politisch und beruflich voll eingesetzt. Haben Sie nicht das Gefühl, dass Ihre Familie deswegen zu kurz gekommen ist?

Es hat Zeiten gegeben, da ich in Beruf und Politik wöchentlich 60 bis 70 Stunden arbeitete, besonders, als ich CVP-Fraktionspräsident war. Sicher musste meine Familie oft auf mich verzichten. Am Sonntag habe ich mich aber immer freigehalten, um mich der Familie anzunehmen. So habe ich auch klar gemacht, dass ich am Sonntag politisch nicht abrufbar bin. Ich darf aber auch festhalten, dass ich ohne den Rückhalt meiner Familie nie hätte leisten können, was ich getan habe.

Trotz dieses Einsatzes können Sie heute den 70. Geburtstag bei bester Gesundheit feiern. Worin liegt Ihr Geheimnis?

Ich habe zum Glück generell eine gute Gesundheit. Und ich glaube, dass ich von Kind auf immer ein Optimist gewesen bin und immer an mich geglaubt habe. Ich habe mir immer eingeredet: Ja, das kannst du auch, das wirst du schon irgendwie schaffen. Am Feierabend kann ich mich jeweils voll entspannen und ausschalten, ohne all die Probleme des Tages weiter zu wälzen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was macht Sie dabei stolz?

Ich habe meinen Beruf als Anwalt immer sehr gerne ausgeübt. Er hat mir viel Befriedigung gegeben. Und als Politiker konnte ich der Gesellschaft etwas davon zurückgeben, was ich als junger Bürger und als Student bis zum Erlangen meines Anwaltspatents und weit darüber hinaus vom Staat erhalten habe.

Haben Sie sich als Anwalt für eine spezielle Schicht der Bevölkerung eingesetzt?

Ich war eigentlich immer ein Feld-, Wald- und Wiesenanwalt in der Provinz, und da muss man für alle da sein. Ich habe sehr viele Sozialfälle behandelt und versucht, in Not geratenen Menschen zu helfen. Aber ich habe daneben auch finanziell interessante Mandate erhalten. Solche braucht es aber, damit man Sozialfälle pflichtgemäss behandeln kann. Denn solche Klienten sind nicht immer zahlungsfähig.

Ist es als Anwalt selbstverständlich, dass man auch Leute verteidigt, die grosses Leid angerichtet haben?

In Strafsachen gibt es natürlich Fälle, die nicht immer angenehm sind. Aber jeder Verbrecher hat das Recht auf einen Verteidiger. Musste ich aber feststellen, dass ich von einem Klienten angelogen wurde, da gab es nur noch die Türe. Es geht mir dabei natürlich auch um meine Glaubwürdigkeit gegenüber dem Richter. Was müssen sich diese denken, wenn sie feststellen, dass ich wissentlich die Lügen meines Klienten verteidige. Es gibt immer wieder Leute, die glauben, dass Anwälte einfach lügen können, um das Beste für ihren Klienten herauszuholen. Das ist eine Illusion. In Zivilstreitigkeiten habe ich es immer als sehr interessant erachtet, mal Eigentümer, mal Mieter, mal Arbeitnehmer, mal Arbeitgeber zu vertreten. Man muss beide Erfahrungen machen.

Sie waren während 16 Jahren Nationalrat und haben in Bern das Freiburger und speziell das Sensler Volk vertreten. Was lag Ihnen besonders am Herzen?

Ich konnte schon während meiner Jugendzeit das Erwachen der Sensler und Freiburger Bevölkerung miterleben. Es lag mir am Herzen, beweisen zu können, dass wir Freiburger in der Politik und in der Wirtschaft auch jemand sind und mitreden können. Mein Lehrmeister Franz Hayoz hat mir einmal gesagt, man solle wachsen an der Grösse der gestellten Aufgabe. Um dies zu erreichen, musste ich intensiv schaffen. Als Nationalrat stand für mich stets das Interesse des ganzen Landes und der gesamten Bevölkerung im Vordergrund. Freiburg lag mir dabei natürlich am nächsten.

Sie hatten aber auch mehrere Verwaltungsmandate inne, womit sich ein Nationalrat bald einmal den Ruf einhandelt, ein Lobbyist zu sein.

Es war mir immer ein Anliegen, als Nationalrat das politische Element in einen Verwaltungsrat einzubringen. Ich habe versucht, dem Verwaltungsrat klar zu machen, dass man sich in einem Unternehmen an das politisch Machbare halten muss. Und andererseits habe ich als Verwaltungsrat versucht, dem Parlament nahezulegen, dass man auch mit Rücksicht auf die Wirtschaft politische Entscheide treffen muss. Ich habe dies immer als grossen Vorteil betrachtet, mit einem politischen Hintergrund in einem Verwaltungsrat tätig zu sein und mit einem wirtschaftlichen Hintergrund politisch aktiv sein zu können.

Als Verwaltungsrat haben Sie versucht, auch die sozialen Anliegen, also die Interessen der Arbeitnehmer, zu vertreten, siehe Cardinal?

Ja, und für das Überleben eines Unternehmens zu sorgen. Ich war Mitglied des Verwaltungsrates von Feldschlösschen, als dieser entschied, die Brauerei Cardinal in Freiburg zu schliessen. Ich bin sofort aus dem Verwaltungsrat ausgetreten und habe erklärt, dass ich diesen Entscheid nicht mittragen werde. Ich habe dann über meine eigenen Kanäle mitwirken können, dass der Entscheid rückgängig gemacht wurde und der Standort Freiburg erhalten blieb. Es war aber wohl die bitterste Zeit in meinem beruflichen Leben.

Eingesetzt haben Sie sich auch für die Kaisereggbahnen am Schwarzsee.

Auch wenn mich die Ausbauten und die erforderlichen Kapitalerhöhungen wochen-, ja monatelang beschäftigt haben, habe ich es gerne und mit viel Herzblut getan. Ich bedauerte damals bloss, dass ich mich nicht auch noch des Schwarzsees allgemein als Tourismusort annehmen konnte. Dafür hatte ich schlichtweg nicht die erforderliche Zeit. Für mich ist klar, dass der Schwarzsee für einen sanften Tourismus gemacht ist und sich nicht zu einer Art Zermatt entwickeln darf.

Seit Ihrem Rückzug aus der Politik hat die CVP an Wähleranteilen verloren. Was hat die Partei falsch gemacht?

Die CVP ist mir ans Herz gewachsen, und dazu stehe ich noch heute. Ich gehe heute mit der CVP-Leitung nicht immer in allen Belangen einig. Es ist und bleibt wichtig, dass die CVP weiterhin Werte vertritt, die sich bewährt haben. Sie sollte jedoch nicht immer noch ein «Ja, aber» oder «Nein, aber» beifügen. Allgemein bedaure ich, dass sich die Streitkultur in der Politik verschlechtert hat und neuerdings immer mehr einzelne Personen in den Vordergrund gestellt werden, statt dass über Sachfragen gestritten wird.

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