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«Ich höre erst auf zu dirigieren, wenn ich nicht mehr kann»

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Vor über 70 Jahren zog der gebürtige Heitenrieder Erich Schneuwly nach St. Gallen. Dort machte er sich als Dirigent und Komponist einen Namen.

Es ist ein idyllisches Haus am Stadtrand von St. Gallen. Umgeben von Blumen und hoch gewachsenen Bäumen, schweift der Blick über den Stadtteil St. Fiden zu den grünen Hügeln, dort, wo irgendwo das Appenzellerland beginnt. «Ich hätte Sie auch mit dem Auto abholen können», sagt Erich Schneuwly. Mitte September wurde er 92-jährig, ist aber topfit.

Zu jedem Bild, das im grosszügigen Wohnzimmer hängt, gibt er eine Einführung. Neben dem Esstisch hängen Bilder von ihm selbst: gemalte Bilder, wie er am Flügel sitzt, Porträtfotos und Fotografien, auf denen er Musik macht. Auf einem leicht vergilbten Foto sitzt Schneuwly am Flügel, während seine Tochter auf dem Flügel in der Babywippe liegt. Auf einer Kommode im hinteren Teil des Wohnzimmers steht ein Modell mit drei Orgelpfeifen, daneben ein Notenständer mit einer Partitur, und zuhinterst prangt der grosse Flügel.

Die Musik spielt im Leben Schneuwlys eine zentrale Rolle. Auch mit 92 Jahren steht er jede Woche als Dirigent im Einsatz. Er leitet das Streichorchester Rondino in Wittenbach SG. «Das macht mir so viel Freude. Ich höre erst auf, wenn ich nicht mehr dirigieren kann oder wenn sie mich entlassen», sagt Schneuwly mit dem ihm typischen Schalk. Später erzählt er, wie ihm dieser Schalk einst fast zum Verhängnis wurde, und zwar ausgerechnet in der Liebe. Für seine Ehefrau war es nämlich nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. «Sie musste sich erst an meine Sprüche gewöhnen», sagt Schneuwly, während Ehefrau Margrit wissend lächelt.

In Heitenried geboren

Geboren wurde Erich Schneuwly 1930 in Heitenried. Zusammen mit elf Geschwistern wuchs er als Sohn des Dorflehrers auf. Wie damals üblich, war sein Vater gleichzeitig Lehrer und Organist. «Um seine Kinder musikalisch zu unterrichten, fehlte meinem Vater die Zeit», meint Schneuwly. «Er musste sein karges Gehalt mit mehreren Nebenbeschäftigungen aufbessern, um seine Familie zu ernähren.»

Die Sekundarschule besuchte Schneuwly in Tafers. Den Schulweg legte er meist mit dem Fahrrad zurück. Hatte es stark geschneit, mussten die Schüler laufen. «Mittagessen hatten wir kaum je dabei. Meist assen wir am Abend zu Hause.»

Nach der Handelsschule in Freiburg fand Erich Schneuwly eine Stelle in der Textilbranche, und zwar in der Textilhochburg St. Gallen. Für ihn war die Stadt nicht unbekannt, wohnte doch schon sein Bruder in St. Gallen. Dort liess er sich auch wegen eines Augenleidens behandeln. «Meines Wissens war ich damals der vierte Mensch in der Schweiz, der Kontaktlinsen trug.»

Dass er dereinst über 70 Jahre in der Ostschweiz leben würde, hätte er nicht gedacht. Schliesslich waren die Bedingungen in der Textilbranche nicht gerade rosig. «Ich begann mit 200 Franken Lohn im Monat», erzählt Schneuwly. Später wechselte er deshalb in die Versicherungsbranche. Bei der Zürich-Versicherung leitete er die Buchhaltungsabteilung der Regionaldirektion St. Gallen.

Streichquartett als Prüfungsarbeit

Die Musik blieb für Schneuwly ein Hobby. Aber sie faszinierte ihn. Mit knapp 30 Jahren schrieb er sich für das Musikstudium in Zürich ein. «Für ein Instrumentaldiplom war ich zu alt, deshalb studierte ich Komposition.» Als Prüfungsarbeit schrieb er ein Streichquartett. «Vier Streicher des Tonhalleorchesters führten unsere Prüfungswerke auf. Da war ich schon etwas nervös.»

Anwenden konnte er sein Wissen vor allem als Dirigent. Dabei wollte er ursprünglich gar nie dirigieren. Aber ein St. Galler Männerchor suchte händeringend einen musikalischen Leiter. Und Schneuwly liess sich auf das Abenteuer ein. «Mir gefielen die klassischen Männerchorlieder nicht. So kündigte ich den Männern an, dass ich das Repertoire vermehrt mit moderner geistlicher Musik ergänzen möchte.» Diese Musik arrangierte Schneuwly entweder aus vorhandenen Noten, oder er schrieb sie gleich selbst.

«Kompositorisch reizte mich der moderne, oft etwas dissonante Stil immer am meisten», so Schneuwly. Hört man zum Beispiel in sein mehrsätziges Werk «Petrus und Paulus» hinein, so fällt als Erstes der Wechsel zwischen wohlklingenden und dissonanteren Passagen auf.

Heute zählt Schneuwlys Werkverzeichnis rund 250 Einträge (siehe Kasten). Schneuwlys Sänger nahmen seine musikalischen Experimente mit gemischten Gefühlen auf. «Sie brauchten meistens etwas länger, um sich auf die Musik einzulassen», sagt er. «Oft gefiel sie ihnen am Ende aber ziemlich gut.»

Mit seinen Werken und Aufführungen erarbeitete sich Schneuwly in der lokalen Kulturszene einen Namen. Das zeigt auch ein Blick in die lokale Presse. So porträtierte ihn das «St. Galler Tagblatt» 2020 anlässlich seines 90. Geburtstags.

Nach über 72 Jahren fühlt sich Schneuwly in St. Gallen zu Hause. Im Sensebezirk kenne er immer weniger Leute. Trotzdem: «Ein wenig habe ich mein Herz immer noch im Kanton Freiburg.»

 

Kompositionen

Rund 250 Werke und Arrangements hat Erich Schneuwly seit 1954 geschrieben. Dazu hat er zahlreiche Lieder orchestriert. In seiner Musik findet sich viel Kirchenmusik, wie etwa das Werk «Die sieben Tage. Impressionen nach dem biblischen Schöpfungsbericht» von 1992. Im Bereich der weltlichen Musik schrieb Schneuwly abgesehen von seinem Prüfungswerk unter anderem ein viersätziges Streichquartett, das 1981 in der Aula der Universität Freiburg uraufgeführt wurde. Ausserdem finden sich im Werkverzeichnis viele weltliche Chorlieder.

Mehrere seiner Werke haben einen Bezug zu Freiburg. 1972 vertonte er etwa Sagen aus dem Schwarzseetal, die der Kirchenchor Flamatt zur Eröffnung der neu gebauten Flamatter Kirche aufführte. 2015 orchestrierte er die «Fanfare du printemps» von Joseph Bovet. Dazu kommen zahlreiche Lieder im Sensler Dialekt.

Kommentar (1)

  • 18.10.2022-Steiert Wolfgang

    ich war 1959 in Heitenried im Militärdienst als Truppenarzt. Am Chilbisonntg sag ich als Caecilianer Gast im Heitenrieder Caecilienchor unter der Leitung des Vaters von Erich Schneuwly. Dann Aperotreff im Gasthaus St. Michael. Meine Gemeinsamkeit mit Herrn Erich schneuwly: mir stehen Kirchenmusik von Niveau deutlaich näher als typische Männerchorlieder des 19. Jahrhunderts

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