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«Ich höre auf mein Bauchgefühl»

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Seit dem vergangenen September ist der St. Galler Yannick Dudli Programmchef des Fri-Son, jetzt wird seine Handschrift allmählich spürbar. Vor seinem Amtsantritt hatte der bald 33-Jährige das Lokal nur von ein paar Konzertbesuchen gekannt. Inzwischen fühlt sich der Ostschweizer mit Wohnsitz in Bern schon sichtlich wohl an seiner neuen Wirkungsstätte. Das Gespräch mit den FN findet in einem Produktionsraum im Backstage-Bereich statt. Auf dem Weg dorthin wechselt Dudli ein paar Worte mit den Musikern, die im Konzertsaal am Proben sind, grüsst die Leute, die in der Küche die Verpflegung vorbereiten, schüttelt Hände und klopft Sprüche – auf Deutsch und auf Französisch.

Yannick Dudli, es scheint, als seien Sie im Fri-Son angekommen?

Ja, ich sage allen, das Fri-Son ist mein neues Habitat. Mich hier einzuleben, war nicht schwer, weil ich hier ein Superteam angetroffen habe, mit lauter offenen und hilfsbereiten Leuten.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Ich habe versucht, gar keine Erwartungen zu haben. Ich mag die Idee des weissen, unbeschriebenen Blattes. Es war schön, so unbelastet an diesen Ort zu kommen, den ich zuvor nur von ein paar Konzerten gekannt hatte.

Welches sind Ihre ersten Eindrücke?

Das Fri-Son hat von seiner Infrastruktur her hervorragende Voraussetzungen: Es eignet sich für grosse Konzerte und Partys, für mittelgrosse Veranstaltungen im halben Saal und für kleine Sachen in der Bobine. Was mir ebenfalls gut gefällt: Das Publikum ist sehr durchmischt, und man merkt, wie verankert das Fri-Son in Freiburg ist. Das ist nicht selbstverständlich, nicht alle Konzertlokale haben das. Für uns ist es umso wichtiger, als wir es bald mit vielen neuen Nachbarn zu tun bekommen werden …

Sie sprechen die Überbauung «Buttes de Pérolles» an, die direkt gegenüber dem Fri-Son entsteht. Haben Sie davon schon gewusst, bevor Sie Ihren Job hier angetreten haben?

Ja, ich hatte es mitbekommen über Bekannte aus dem Umfeld des Fri-Son. Es ist klar, dass so etwas für Unsicherheit sorgt. Wir wissen nicht, was für Leute hier einziehen und wie sie zum Fri-Son stehen werden. Aber von unserer Seite werden wir alles daran setzen, eine gute Nachbarschaft zu haben.

Zurück zu Ihrem Kerngeschäft, dem Programm: Seit dem Abgang Ihrer Vorgängerin Anya della Croce befindet sich das Fri-Son in einer Übergangsphase. Ab wann wird man Ihre Handschrift spüren?

Mein erstes grosses Booking ist der amerikanische Saxofonist Kamasi Washington am 8. März. Ich habe ihn 2016 an der Bad-Bonn-Kilbi gesehen. Das war ein grossartiges Konzert, das auch Leute packte, die sonst wie ich nicht unbedingt im Jazz daheim sind. Ich bin sehr glücklich, dass ich ihn jetzt fürs Fri-Son buchen konnte, und das erst noch als einziges Schweizer Konzert.

Und was gibt es sonst noch für Höhepunkte?

Am 23. März spielen The Gardener & The Tree aus Schaffhausen, am 24. März Les Ogres de Barback aus Frankreich, übrigens auch als einziges Schweizer Datum. Das ist eine schöne Mischung, die typisch ist für das Fri-Son: The Gardener & The Tree sind 2018 in der Deutschschweiz durchgestartet, aber in der Westschweiz noch kaum bekannt. Les Ogres de Barback hingegen sind in Frankreich und der Romandie ein ganz grosses Ding, kamen aber nicht über die Sprachgrenze hinaus. Ich kannte sie selber auch nicht, aber unsere Generalsekretärin Léa Romanens sagte, die müssten wir unbedingt bringen. Diese Verbindung zu schaffen zwischen Deutsch- und Westschweiz war dem Fri-Son schon immer wichtig, und das soll auch so bleiben.

Apropos Sprachgrenze: Bei der Medienkonferenz zum Saisonstart im September sagten Sie, Sie arbeiteten an Ihren Französischkenntnissen. Wie steht es damit inzwischen?

Es kommt langsam. Wenn die Leute schnell sprechen, ist es noch schwierig, aber mit einer Mischung aus Deutsch, Französisch und Englisch ist es kein Problem. Eine dreistündige Sitzung auf Französisch macht mich schon müde. Oft spreche ich auch Deutsch, manche andere auch – es ist ein spannender Mix.

Sie haben also als Ostschweizer in Freiburg keinen Kulturschock erlitten?

Nein, überhaupt nicht. Aber ich bin auch schon lange in der Kulturszene unterwegs, da ist das nicht so ein Thema.

Sie planen jetzt schon die Saison 2019/2020. In welche Richtung wird es musikalisch mit dem Fri-Son gehen?

Die Wurzeln des Fri-Son liegen in der alternativen Musik, das will ich auf jeden Fall bewahren. Privat komme ich eher aus der gitarrenlastigen Ecke, das wird man auch hören. Wichtig ist mir, für alle etwas zu bieten. Da kommt es mir zugute, dass ich selber mit vielen Sachen etwas anfangen kann, von Indie über Metal und Punk-Rock bis zu Hip-Hop. Ich habe auch im Rössli in Bern und im Sommercasino in Basel immer breit programmiert. Dabei mache ich nichts, hinter dem ich nicht voll und ganz stehen kann. Die alternative Musik ist wichtig, es gibt jedoch auch verschiedene Arten von Mainstream: Die Radio-Hitparade kann ich nicht hören. Aber eine Band wie The Gardener & The Tree ist momentan auch Mainstream, aber guter Mainstream.

Und bekannte Namen sind ja auch finanziell interessant …

Natürlich geht es auch darum, mit den grossen Sachen die kleinen zu ermöglichen. So funktionieren alle Lokale. Wenn das Fri-Son Partys veranstaltet, ist das nicht ein Zeichen des Niedergangs, sondern schlicht eine finanzielle Notwendigkeit – und völlig legitim.

Der Druck auf die Anbieter wächst, die Konkurrenz wird grösser, das Publikum schwindet. Auch das Fri-Son hatte schon bessere Zeiten. Fühlen Sie sich selber unter Druck?

Ja, ich spüre schon eine gewisse Erwartungshaltung, das ist auch richtig so. Die allgemeine Situation ist tatsächlich nicht einfach: Es gibt immer mehr Anbieter, nicht nur Clubs, sondern auch Festivals und andere Veranstaltungen. Und es gibt mehr Agenturen und Bands, aber immer weniger vom Kaliber zum Beispiel von Muse, die einst im Fri-Son spielten. Es ist eine andere Zeit. Alles ist schnell­lebiger. Die Menschen haben immer mehr Möglichkeiten, Geld auszugeben – aber sie haben nicht mehr Geld und nicht mehr Zeit.

Mit welchem Rezept kann das Fri-Son die Menschen zu sich locken?

Ein einfaches Rezept gibt es nicht. Mein persönliches Rezept ist, auf mein Bauchgefühl zu hören, damit bin ich bis jetzt immer gut gefahren. Dazu braucht es natürlich auch Erfahrung. Die muss ich mir fürs Fri-Son noch erarbeiten, aber das wird kommen. Ich entscheide sowieso nie allein über meine Bookings, sondern nach Rücksprache mit dem Team oder auch einmal mit Leuten von ausserhalb.

Auch in Freiburg gibt es verschiedene Musikclubs, die um die Gunst des Publikums buhlen, aber auch zusammenarbeiten. Wie erleben Sie das?

Wir sollten zusammenarbeiten, nicht gegeneinander. Wichtig ist, eine Band überhaupt in Freiburg zu haben. Ein Beispiel: Am 2. Mai spielt die schwedische Punk-Rock-Band Millencolin im Nouveau Monde; das Konzert war in kürzester Zeit ausverkauft. Ich hatte auch ein Angebot der Band auf dem Tisch, doch als ich erfuhr, dass Flavien Droux, der Programmchef des Nouveau Monde, interessiert war, überliess ich es ihm, weil ich wusste, wie sehr er die Band liebt. Hätte die Band in einem grösseren Lokal spielen wollen, hätten wir versucht, das Ganze zusammen im Fri-Son zu realisieren.

Auch in Sachen Bands gibt es in Freiburg ein grosses Angebot. Wie schätzen Sie die Szene ein?

Es ist eine sehr lebendige Szene, sei es im Hip-Hop, im Gitarrenrock oder im elektronischen Bereich. Es gibt überall talentierte Leute, die Bock auf Musik haben, das ist schön zu sehen. Diese lokalen Bands werden im Fri-Son auch immer ihren Platz haben. Ich plane zum Beispiel einen Metal-vs-Hip-Hop-Abend mit Gruppen aus der Region.

Sie haben sich offensichtlich gut eingelebt. Ist der Job im Fri-Son ein Traumjob?

Für mich ja, auf jeden Fall! Ich liebe Musik, bin damit aufgewachsen, weil mein Vater ein Musikfreak ist und viele Instrumente spielt. Ich habe selber zwar nie ein Instrument gelernt, aber immer viel Musik gehört. Irgendwann interessierte ich mich dafür, wie das alles funktioniert. Im Rössli und in der Reitschule in Bern rutschte ich da so langsam hinein, nach dem Motto «Learning by doing». Dass ich jetzt hier im Fri-Son das Programm machen darf, kommt mir immer noch irgendwie surreal vor. Ich habe grosse Demut gegenüber diesem Ort.

«Das Publikum ist sehr durchmischt. Man merkt, wie verankert das Fri-Son in Freiburg ist.»

Zur Person

Zwischen Bern, Basel und Freiburg

Yannick Dudli wurde am 21. Januar 1986 in Uzwil (SG) geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre und der Rekrutenschule hatte er verschiedene Jobs. 2009 war er an der Gründung und am Aufbau der Rössli-Bar in der Reitschule Bern beteiligt und veranstaltete dort bald Konzerte. Parallel dazu war er oft im Ausland und arbeitete zum Beispiel als Tauchlehrer in Thailand. Ende 2017 übernahm er einen 20-Prozent-Job als Programmator im Sommercasino Basel, den er neben der 60-Prozent-Stelle im Fri-Son weiterhin ausübt. Yannick Dudli lebt in Bern. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Musikförderung Bern und Mitgründer und Teilhaber der Agentur Glad We Met.

cs

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