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«Ich lebe mein Leben und gebe, was ich kann»

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«Im Moment stehe ich schon ein wenig unter Strom», sagt Philipp Trummer mit einem jungenhaften Lächeln, als die FN ihn im Kulturcafé des Alten Bahnhofs treffen. «Gestern Abend war ich bis 23 Uhr an einer Versammlung. Am Abend davor auch. Aber es macht ja Spass.» Der sympathische Lockenkopf ist einer von rund tausend Schülerinnen und Schülern, die am 18. Januar die Schule geschwänzt haben, um auf dem ­Georges-Python-Platz in der Stadt Freiburg gegen die Untätigkeit der Politik in Sachen Klima zu demonstrieren. Er gehört zu den treibenden Kräften innerhalb der Freiburger Klimastreik-Bewegung, die, wie in anderen Schweizer Städten auch, mit Hilfe der sozialen Medien entstanden ist. Einer Bewegung, die horizontal organisiert ist, das heisst, bei der alle eine Stimme haben und keiner der Chef ist, wie Trummer betont. Diese Botschaft unterstreicht er mit Sätzen, wie: «Ich sehe mich nicht als Vorbild, ich gebe einfach mein Bestes», oder: «Ich lebe mein Leben und gebe, was ich kann.» Der junge Mann, der mit seinen Eltern, einem Bruder und zwei Schwestern in Villars-sur-Glâne lebt und im Kollegium St. Michael zur Schule geht, ist ganz bei sich.

Handeln und nicht nur reden

Etwas tun, anstatt bloss reden, lautet seine Devise. Trummer isst seit einem Jahr unter der Woche kein Fleisch mehr. Seit Kurzem tue es ihm der Rest der Familie gleich, erzählt er. Der ehemalige Spieler des Fussballclubs Villars-sur-Glâne benutzt zudem die öffentlichen Transportmittel und neuerdings kauft er seine Kleider, wenn möglich, im Secondhandladen. «Die Umstellung war kein Problem. Ich habe es einfach gemacht. Mit dem Gedanken, dass es für etwas Gutes ist.»

Die Liebe zur Natur

Etwas Gutes, das ist für den Schüler eine Gesellschaft, in der der Mensch mit der Natur lebt. «Was bringt die technologische Entwicklung, wenn sie die Menschen zugrunde richtet?», fragt er rhetorisch. «Persönlich bin ich in der Natur jedenfalls glücklicher, als wenn ich in meinem Zimmer allein fernsehe.» Die Liebe zur Natur entwickelte Philipp Trummer im Platy-Wäldchen, wo er als Kind gerne mit seinen Geschwistern spielte, bei den Pfadfindern und bei den vielen Wanderungen mit seinen Eltern in den Bergen.

Er propagiert aber keineswegs eine Rückkehr zu den Höhlenbewohnern. Die Errungenschaften der Menschheit wisse er zu schätzen, sagt er. Es sei eine Tatsache, dass der Klimastreik nicht zuletzt wegen der technischen Möglichkeiten im Zeitalter der Digitalisierung so schnell zustande gekommen sei. Auch könne es gut sein, dass dank den sozialen Medien ein Gemeinschaftsgefühl und ein entspanntes Zusammensein von Jungen und Mädchen möglich werde, wie es in früheren Generationen auf diese Weise nicht existierte. «Die Klimastreikbewegung zeigt zumindest, was Gleichstellung und Solidarität bewirken können», sagt Trummer.

Systemwandel notwendig

Trotz aller Fortschritte ist er überzeugt: «Jedes System stösst an seine Grenzen. Dann ist der Moment für ein Umdenken gekommen.» Am heutigen Wirtschaftssystem stört ihn extreme Ungerechtigkeit gepaart mit Ignoranz, wie Trummer sagt: «Jeden Tag verhungern 40 000 Kinder auf dieser Welt, und man schaut einfach passiv zu.» Gleiches sei in Sache Klima zu beobachten: «Es kann nicht sein, dass wir wissen, was zu tun ist, der Profit aber wichtiger ist.» Ungerechtigkeit konnte Trummer schon als Kind nicht leiden. «Als in der Primarschule ein Lehrer einen Mitschüler ungerecht behandelte, schrieb ich einen Brief, den alle Klassenkameraden unterschrieben. Das war meine erste Aktion.»

Die Klimafrage ist hochpolitisch

Heute ist der 17-Jährige Mitglied der sozialistisch ausgerichteten Partei Solidarités und des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). Die Diskussionen bei Solidarités seien lebendig, die verschiedenen Meinungen würden ausdiskutiert, und die Bereitschaft, etwas zu tun, sei gross. «Ich bin links, darauf bin ich stolz», sagt Trummer. Dennoch fände er es nicht richtig, wenn sich die Klimabewegung der Schülerinnen und Schüler von den Parteien vereinnahmen liesse. «Die Klimafrage ist zwar eine hochpolitische Frage. Aber die Bewegung muss offen bleiben. Denn das Klima betrifft alle.»

Obwohl der nächste «Streik» am kommenden Samstag stattfindet und somit kein eigentlicher Streik ist, weil die Schüler die Schule nicht schwänzen müssen, findet Trummer Streik das richtige Mittel, um auf die Um­welt­anliegen aufmerksam zu machen. «Wir können damit sensibilisieren, klarmachen, dass Studieren ohne Zukunft nichts bringt, und Druck auf die Politik erzeugen.» Aus der ­Bewegung heraus entstünden zudem andere Aktionen: Das Projekt, dass Studierende der Universität in die Schulklassen gehen, um über die Situation des Klimas aufzuklären; die Petition, welche Schülerinnen und Schüler der Gymnasien Heilig Kreuz, Gambach und St. Michael lanciert ­haben und die Schulreisen mit dem Flieger verbieten will. Zu Letzterem merkt Trummer allerdings an: «Es darf nicht sein, dass Schüler nicht mehr mitgehen können, weil sie sich den Zug nicht leisten können.»

Optimistischer Blick in die Zukunft

Auf die Frage, ob er die Klimaprobleme nicht manchmal als Last empfinde, die ihm und seinen Altersgenossen von den älteren Generationen aufgebürdet worden sei, meint er: «Dass uns – seit ich mich erinnern kann – gesagt wird, was wir tun müssen, um die Umwelt zu schützen, hat mich nicht so sehr belastet. Aber dass uns nie gesagt wurde, was der Staat und die grossen Konzerne tun müssten, das stört mich.» Allgemein sei er aber ein Optimist. «Mir ist sonnenklar, dass die Umwelt zugrunde gehen wird, wenn wir nichts machen. Aber ich denke, dass wir etwas erreichen können. Langfristig kann das Klimaproblem nicht ignoriert werden, sonst werden die Menschen das Vertrauen ins System verlieren.»

Die Klima-Demonstration vom kommenden Samstag wird für Phi­lipp Trummer wegen eines Austauschsemesters vorerst die letzte sein. Sein Engagement wird aber weitergehen.

«Persönlich bin ich in der Natur jedenfalls glücklicher, als wenn ich in meinem Zimmer allein fernsehe.»

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