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«Ich musste eigentlich nur noch zugreifen»

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Mit welchem Gefühl treten Sie in den Ruhestand?

Meine fast 40-jährige Tätigkeit im Staatsarchiv hinterlässt bei mir eine grosse Befriedigung. Die Vielfalt der Quellen, die Freiheit in der Bearbeitung und der Kontakt mit der Kundschaft erfreuen natürlich Herz und Geist. So war es selbstverständlich, dass ich mich verstärkt zu Gunsten der Öffentlichkeit eingesetzt habe.

Abgesehen von den administrativen Zwängen, ist zu vermerken, dass die Öffentlichkeitsarbeit – Vorträge, Artikel im Volkskalender, in den Freiburger Nachrichten und in wissenschaftlichen Publikationen – ausserhalb der Arbeitszeit erfolgen konnte.

Ich habe rund 100 Artikel für Zeitungen und Kalender und Fachzeitschriften verfasst. Diese Beiträge an die Freiburger Geschichtsforschung sind nötig, um das Interesse an den reichhaltigen Archivbeständen zu wecken.

Persönlich habe ich in der Regel pro Jahr um die 400 Stunden für die Öffentlichkeitsarbeit freiwillige und unentgeltliche Arbeitszeit geleistet. Die Freiburger Bevölkerung verdient es, mehr vom Staatsarchiv und zur Geschichte von Land und Leuten zu wissen.

Sie haben also endgültig Abschied genommen vom «Geheimarchiv».

Es gehört zu den Pflichten des Archivars, viel zu lesen, nicht nur Freiburgisches oder Schweizerisches. Bei jedem «auswärtigen Thema» muss er sich die Frage stellen, wie er dem Archivbenutzer mit den Freiburger Beständen bei diesem Thema besser dienen könnte. Das Studium der Fachliteratur erfolgte natürlich in der Freizeit.

Der Staatsarchivar kann sich nicht damit begnügen, auf den Schätzen der Freiburger Geschichte zu sitzen und diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen. Es waren Staatsrat Arnold Waeber und Bruno Fasel, Chefredaktor der Freiburger Nachrichten, die mich Anfang der Siebzigerjahre auf die diesbezügliche Verpflichtung gegenüber den Steuerzahlern hingewiesen haben. Und sie hatten damit unbestritten recht.

Das Staatsarchiv erfuhr durch Sie eine Öffnung. Wie erklären Sie sich ihren Erfolg als Staatsarchivar?

Es ist nicht allein die Frage des Fleisses, um ein gutes Resultat zu erreichen. Die Umstände haben mich begünstigt. Zum einen das Elternhaus mit einem Vater als Geschichtsprofessor an der Universität und mit einer Mutter als Historikerin. Zum andern das Verständnis von meiner Frau und von meinen Söhnen.

Wesentlich waren die Lernjahre in der Studentenverbindung Alemannia, bei den blauen Grenadieren und im Militär. Ohne das Wohlwollen einiger Vorgesetzter, die es als Vorteil betrachteten, mich relativ frei arbeiten zu lassen, und das Vertrauen von Gemeinde- und Pfarreiverantwortlichen und von Privatpersonen und Persönlichkeiten wäre weit weniger erreicht worden. Das Mitmachen in Vereinen wie dem der Waffensammler, Fahnenkundler, Zinnfigurenfreunde und Militärhistoriker war immer ein Ansporn, das unbekannte Freiburg gesamtschweizerisch vorzustellen. Summa summarum hatte ich eigentlich nur noch zuzugreifen, was ich auch getan habe.

Hat sich das Berufsbild des Archivars verändert?

Früher war das Gedächtnis und die Belesenheit des Archivars zur effizienten Betreuung der Kunden wesentlich. Heute will die Datenbank alles weitergeben können. Der Archivar ist aber mehr als nur ein Computertastendrücker. Die von der Datenbank nicht erfassten Kenntnisse der Archivbestände und Publikationen des Archivars bleiben die besten Voraussetzungen zur Bearbeitung der Archivbestände und zur Betreuung der Benutzer.

Der Wechsel des Berufsbildes wird auch in der Erarbeitung der Archivinventare deutlich. War früher «nur» das Gedächtnis gefragt, so sind heute die schriftlichen Bestandesinventare notwendig. So wurden in den letzten 40 Jahren mehr Inventare verfasst als in den 200 Jahren vorher.

Hat das Staatsarchiv Freiburg auch hie und da eine Vorreiterrolle gespielt?

Es tönt zwar anekdotenhaft, aber es ist zu vermerken, dass Freiburg mit Jeanne Niquille die erste Staatsarchivarin der Schweiz hatte. Auch wenn seit 1936 die Leitung im Sinne einer Arbeitsteilung mit Georges Corpataux aufgeteilt worden war, bedeutete die damalige Wahl den Beginn eines Wechsels in der Archivwelt.

Zum zweiten ist zu vermelden, dass im Staatsarchiv bereits in den 1950er Jahren das Rauchen am Arbeitsplatz verboten war. Ein Thema in der Staatsverwaltung, das politisch aktuell ist und für das noch kein Anwendungsreglement vorhanden ist.

Drittens ist zu sagen, dass das Staatsarchiv bereits vor den heute geltenden Gesetzesbestimmungen den Personen- und Datenschutz eingeführt hat.

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